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Westschweden: Nachhaltig reisen zwischen Natur und Design

Autorenbild: Michaela Hocek
Michaela Hocek
vor 12 Minuten
6 Min. Lesezeit

Raus aus Göteborg und rein in die Natur. Westschweden steht für blaues Wasser (süß und salzig, wobei man sich mitunter nicht auf Anhieb sicher ist, ob es jetzt ein See oder Meer ist, weil alles hier so herrlich weitläufig ist), viel Grün und sanfte Steinriesen. Die Architektur mit den klassischen roten Häuschen harmoniert hervorragend mit der Landschaft. Die Farbe ist übrigens nicht nur der Ästhetik geschuldet: Ab dem 16. Jahrhundert wurden Eisenspäne – ein Abfallprodukt des Kupferabbaus – in die Farbe gemischt, um die Holzhütten gegen Fäulnis, Feuchtigkeit und das raue nordische Klima zu schützen.



Luftaufnahme eines Schärendorfs mit roten Bootshäusern an einer ruhigen Bucht in Westschweden
Bild: Robert Dahlberg

Lieben lernen Reisende auch schnell die Mentalität der Menschen: „You can go wherever you want.“ Alle Wege stehen einem frei. Dank des in der Verfassung verankerten Jedermannsrechts (Allemansrätten) hat jede:r freien Zugang zur Natur. Erlaubt ist das Wandern, Radfahren, Beerenpflücken und Zelten für ein bis zwei Nächte auf Privatgrund – sofern die Regel „Nicht stören, nicht zerstören.“ eingehalten wird. Noch einige Impressionen zum Fernweh-Wecken: Die Schärenküste von Bohuslän besteht aus über 8.000 Inseln, die Seen in Dalsland laden zum Kajakfahren, Angeln und Wandern ein, die Meeresfrüchte hier schmecken köstlich und die Dörfer sehen aus wie aus dem Bilderbuch.


  • Erlebnis Schären: Yoga mit einmaliger Aussicht, bunte Vegetation auf kargem Boden und Muschelsand. Bild: CDA Verlag GmbH
  • Erlebnis Schären: Yoga mit einmaliger Aussicht, bunte Vegetation auf kargem Boden und Muschelsand. Bild: CDA Verlag GmbH

Erlebnis Schären: Yoga mit einmaliger Aussicht, bunte Vegetation auf kargem Boden und Muschelsand. Bilder: CDA Verlag GmbH


UNTERWEGS INMITTEN DER ARCHIPELE


100 % fossilfrei


Hybridfähre „Clean Ship“ von Västtrafik am Anleger
Bild: CDA Verlag GmbH

Die regionalen Fährschiffe des Verkehrsbetriebs Västtrafik zwischen dem Festland und autofreien Inseln (mit Cafés, Restaurants, Boutiquen, Fischgeschäften, idyllischen Badeplätzen, Saunahäuschen und vielen Wassersportmöglichkeiten) wie Vrångö, Donsö, Styrsö, Käringön oder Åstol werden mit umweltfreundlichen Hybrid-Technologien betrieben.


Gut zu wissen

Rund 90 % aller Seenotrettungseinsätze werden von der ehrenamtlichen und gemeinnützigen Organisation Sjöräddningssällskapet bewältigt. Sie sind auch Anlaufstelle bei Notfällen auf autofreien Inseln.


Kayak & Outdoor


Ein Urlaub auf Costa Rica ließ Ingela und Marcus Holgersson von Skärgardsidyllen bei Grebbestad ihr Leben umkrempeln und nun bieten sie seit 2011 Kajaktouren, Yoga auf den Schären, Bike & Hike, Fischtrips und Foodtouren etc. im Dorf ihrer Familie an. Ihr Wissen über Seegras, Heringe, Austern, Klimazusammenhänge und regionale Geschichte würde hier den Rahmen sprengen – doch sollten Sie in die Gegend kommen, suchen Sie unbedingt das Gespräch bei einer Kajaktour. Die beiden helfen auch aktiv beim Umweltschutz mit wie z.B. Strandreinigung oder starteten selbst Initiativen.


  • Bild: CDA Verlag GmbH
  • Ingela und Marcus Holgersson machen ihre Gäste in kürzester Zeit fit fürs Kajak und wecken mit lebhaften Erzählungen das Verständnis für Umwelt und Natur. Bild: CDA Verlag GmbH

Ingela und Marcus Holgersson machen ihre Gäste in kürzester Zeit fit fürs Kajak und wecken mit lebhaften Erzählungen das Verständnis für Umwelt und Natur. Bilder: CDA Verlag GmbH


Meeresvielfalt


Drei Austern auf einem Granitfelsen
Bild: CDA Verlag GmbH

Kennen Sie den Unterschied zwischen schwedischen, japanischen und pazifischen Austern? Wir verraten nur so viel: Die flachste ist das Original und wird aufgrund strenger biologischer Schonzeiten nicht immer gefischt, um ihren Bestand zu bewahren. Die Austernsaison dauert von September bis etwa Mai. Die Ernte erfolgt per Hand in vier bis zehn Metern Tiefe.


EINKEHREN LOHNT SICH


Rote Holzhäuser des Hotel Strana am Wasser in Hälleviksstrand
Bild: Amplifyphoto

Relaxen im Ocean Spa


Im Schärendorf Hälleviksstrand auf der Insel Orust liegt in einer Bucht das Hotel Strana mit angeschlossenem Ocean Spa. In der Sauna und den Jacuzzis genießt man den Blick auf den Hafen. Das Interieur in der Lobby, dem Restaurant und auf der Terrasse ist stilvoll-modern mit vielen Accessoires zum Wohlfühlen. Die Küche ist ebenfalls sehr empfehlenswert. Besonders gut in Erinnerung sind uns abends der üppig garnierte Toast Skagen und das variantenreiche Frühstück geblieben.


Gut zu wissen

Fika – die tägliche Kaffee- oder Teepause ist den Schwed:innen heilig. Sie ist sogar in Unternehmen ein fixes Ritual der Arbeitsunterbrechung. Das bewusste Entschleunigen und Pflegen sozialer Kontakte wird von Haferkeksen, Kardamombrötchen, Zimtschnecken oder – wie in unserem Fall – von Algenknäckebrot begleitet.


Musselbaren


Weißes Holzgebäude des Restaurants Musselbaren mit Türmchen am Wasser
Bild: Musselbaren

Authentische Gerichte und regionale Produkte: Ein Must-do mit Gourmetmomenten ist ein Besuch im „Musselbaren“, das mit dem „A Taste of West Sweden“-Gütesiegel ausgezeichnet ist. Das für Bohuslän typische Restaurant ist Teil der Initiative „Stepping up Sustainability“ und achtet somit auf Minimierung der Umweltbelastung, Entzerrung der Besucherströme und wirtschaftliche Resilienz.


Pizzacider & mehr


Pizza mit Rucola und eine Flasche Pizzacider auf einem Holztisch
Bild: Signe Koch

Vielerlei Brot aus dem Steinofen, Kanelbulle, Vaniljbulle, Rhabarbertartelette, Knäckebrot in Elchform, Mehl aus biologischem Anbau, regionale Produkte aus nächster Umgebung und unglaublich gute Pizza gibt es bei „Brukets godaste“ in Fengersfors/Dalsland auf dem Gelände einer alten Papierfabrik, wo auch Events stattfinden. Unbedingt dazu trinken: Pizzacider. Schmeckt nicht nach Tomaten und Oregano, sondern nach Apfel. Am besten genießt man seine Auswahl im großen Garten inmitten von Kunstobjekten, Hängematten und Spielplatz.


AUTOFREI


Hafen von Käringön mit bunten Holzhäusern und Booten
Bild: Amplifyphoto

Inselfeeling pur


Willkommen auf Käringön. Vom Hafen Tuvesvik in Orust geht es mit der emissionsfreien Fähre in 40 Minuten zur „Königin der Westküste“. Die autofreie Insel zählt weniger als 100 Einwohner:innen und wird im Sommer gerne von Segler:innen angesteuert.


Schon die Fahrt zu dem traditionellen Fischerdorf vorbei an Leuchttürmen und Archipelen versetzt in eine entspannt-fröhliche Stimmung. Das Ankommen am kleinen Hafen mit seinem bunten Treiben rund um den Mini-Supermarkt, den Fischladen, Bistros, Boutiquen, vor Anker liegenden Booten und die historischen Boots- und Wohnhäuser lädt sofort zum Schlendern ein.


Historisches Badehaus mit Holzsteg über den Klippen von Käringön
Das Dambad ist ein Platz zum Nacktbaden mit direktem Meerzugang und historischem Badehaus zum Umkleiden. Bild: CDA Verlag GmbH

Nach dem Check-in in einem der Hotels – ich durfte im „Hotell Käringön“ eine Nacht verbringen – steht die Option offen, zu Fuß die Insel zu umrunden. Etwas mehr als drei Kilometer führen vorbei an der Statue der alten Frau auf der Landzunge Skeppersholme, den pittoresken Häusern und gepflegten Gärten, dem Heimatmuseum, der Holzkirche aus dem 18. Jahrhundert und über Granitfelsen. Ebenfalls beliebt hier: Joggen, das Trampolinbad für Familien an den Klippen, der Sprungturm und das Dambad für Frauen sowie das Herrbad für Männer, wo nackt gebadet werden darf.


Natürlich muss der Schärengarten von Bohuslän auch per Boot erkundet werden. Ich hatte die Ehre mit Hoteldirektor Marcus Jonsson in den Sonnenuntergang zu flitzen und Robben zu sehen – selbstverständlich bei gedrosseltem Tempo, um sie nicht zu erschrecken. Die Umsicht, die in Westschweden in Bezug auf die Natur und Ökosysteme gelebt wird, ist immer wieder wohltuend. Sie wird auch auf verschiedenen Boots-, Angel- und Tauchtouren vermittelt.


Gebratener Fisch mit grünen Bohnen, Kräutern und halbiertem Ei auf einem Teller
Ein Dinner in „Petersons Krog“ ist wärmstens zu empfehlen. Ambiente und Fisch (wird hier traditionell mit hartem Ei gegessen) sind eine absolute 10/10. Bild: CDA Verlag GmbH

Zum leiblichen Wohl: Den Hunger im Restaurant „Petersons Krog“ zu stillen, das für seine Meeresfrüchte, Fische und Hummer bekannt ist, ist eine hervorragende Idee. Das originell-edle Interieur und das Platzieren der XL-Schiefertafel-Speisekarte schaffen ein gemütliches Ambiente.


Wer immer schon mal eine Insel zu Fuß umrunden wollte, ist auf Käringön richtig. Tipp: Zeit für Besichtigungen, zum Baden und Plaudern einplanen.


URLAUBSJUWEL


Luftaufnahme der Lådfabriken mit bunten Fensterrahmen zwischen Felsen auf Orust
Bild: Thomas Lotter

Wohlfühlort Lådfabriken


Wo einst Holzboote und Fischkisten untergebracht waren, urlaubt man heute bei Johan Buskqvist und Marcel van der Eng. Ihr Feriendomizil ist von Design und Kreativität durchdrungen. Der Garten sucht seinesgleichen.


Was dabei herauskommt, wenn zwei Menschen auf der ganzen Welt unterwegs waren, im Ausland gelebt haben, 2003 in Holland zueinander gefunden haben, viele Jahre später beschließen, in den Heimatort des einen zurückzukehren und eine verfallene Holzkistenfabrik zu kaufen, ist in der Lådfabriken in Edshultshall auf der Insel Orust in der Provinz Bohuslän erlebbar. Schon der Empfang der beiden Quereinsteiger ist herzlich. Marcel steht am Herd und bereitet köstlich duftende Langustensuppe nach altem Fischerrezept zu, Johan führt durch die Räumlichkeiten und unzählige Details ziehen sofort meine Aufmerksamkeit auf sich. Es ist toll zu sehen, wie aus der couragiert-naiven Herangehensweise „als Reisende wussten wir ja, was ein Gast will“ ein einzigartiger Ort entstanden ist. Ein Feriendomizil, das mit einem Aussichtszimmer (!) auf den üppigen Garten und das Meer mit beschaulicher Privatsphäre am Strand vor der Haustür, Wohnzimmer im Industrial Chic mit viel Farbe, individuellen Ferienzimmern, einer offenen Küche und großem Esstisch, separatem Öko-Tiny House, das mit Kirschbaum vor dem Fenster scheinbar in den Bäumen schwebt, und wehender Wäsche im Garten in den Bann zieht.


  • Zeit für Entdeckungen nehmen: Gespür für Design und Sammelleidenschaft haben Schätze wie die Cobratelefone von Ericsson aus den 1950er-Jahren bewahrt. Bild: CDA Verlag GmbH
  • Liebevoll dekorierte Teller für den Fang des Tages, Räder und Kajaks erwarten Gäste in Lådfabriken. Bild: CDA Verlag GmbH

Zeit für Entdeckungen nehmen: Gespür für Design und Sammelleidenschaft haben Schätze wie die Cobratelefone von Ericsson aus den 1950er-Jahren bewahrt. Liebevoll dekorierte Teller für den Fang des Tages, Räder und Kajaks erwarten Gäste in Lådfabriken. Bilder: CDA Verlag GmbH


Die Gastgeber Johan Buskqvist und Marcel van der Eng mit der Autorin vor bunten Holzbuchstaben
Fazit meines Besuchs: 1. Wenn Idylle einen schwedischen Vornamen bräuchte, würde er Lådfabriken lauten. 2. Meine Bucket List wurde um den Punkt „Midsommar bei Johan und Marcel feiern“ ergänzt. Bild: CDA Verlag GmbH

In dem offenen Haus braucht es keine Rezeption, man findet die beiden schon irgendwo oder setzt sich auf die Terrasse mit Blick auf Rosen, alte Bäume, Gelbblühendes, das auf den Kubus des Hauses abgestimmt ist, herumschwirrende Taubenschwänzchen und wartet, bis einer der Gastgeber oder einer der beiden Hunde auftaucht. Täglich kochen war ursprünglich nicht geplant, ist heute essentieller Bestandteil der Philosophie und – glücklicherweise – des finanziellen Überlebens. Denn Marcel kocht vorzüglich, womit wir wieder bei der Langustensuppe wären.


Herzlichen Dank an Maria Gunvaldsson vom West Sweden Tourist Board und Marcel Michalik von COR Berlin Kommunikation GmbH für die Einladung zur Pressereise, perfekte Organisation und das Ermöglichen des Kennenlernens so vieler interessanter Menschen und wunderschöner Orte.

 
 
 

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