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  • AutorenbildLukas Wenzel-Horner

Im Vergleichstest: Torffreie Erden

Immer mehr Menschen erkennen die Bedeutung nachhaltiger Praktiken im Gartenbau und suchen nach Alternativen zu konventionellen Methoden. Eine der wichtigsten Veränderungen betrifft den Einsatz von Torf in Gartenböden und Substraten. Lange Zeit als unverzichtbarer Bestandteil angesehen, ist das Bewusstsein für die ökologischen Auswirkungen der Torfgewinnung gestiegen. In diesem Kontext gewinnen torffreie Erden zunehmend an Bedeutung als nachhaltige Alternative.


Was ist Torf und sind torffreie Erden umweltfreundlicher?


Torf, eine organische Substanz, die sich über Jahrtausende aus abgestorbenen Pflanzenmaterialien unter feuchten Bedingungen bildet, wurde lange Zeit als Hauptbestandteil vieler Blumenerden und Substrate im Gartenbau verwendet. Doch die intensive Torfgewinnung hat schwerwiegende ökologische Folgen. Torfmoore, die als wichtige Kohlenstoffspeicher dienen und wertvolle Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere bieten, werden für den Abbau entwässert und dadurch zerstört. Dies führt nicht nur zur Freisetzung von Treibhausgasen, sondern auch zum Verlust wertvoller Lebensräume. Die bei der Torf-Gewinnung freigesetzten Emissionen sind enorm. Laut dem deutschen Umweltministerium sind entwässerte Moore mit einem Ausstoß von circa 53 Millionen Tonnen Treibhausgasen für fast sieben Prozent aller Emissionen in Deutschland verantwortlich.



Nachhaltig Gärtnern mit Torfersatz


Torffreie Erden bieten somit eine umweltfreundliche Alternative, die den gleichen Zweck wie jene mit Torf erfüllen, jedoch ohne die negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Sie bestehen aus verschiedenen organischen Materialien wie Kompost, Rindenmulch, Kokosfasern, Grünschnittkompost, Holzfasern und anderen natürlichen Substanzen. Diese Materialien sind oft regional verfügbar und können in vielen Fällen aus den Abfallprodukten anderer Industrien hergestellt werden. Durch die Verwendung von torffreien Erden unterstützt man nicht nur den Erhalt empfindlicher Ökosysteme, sondern trägt auch zur Reduzierung der CO2-Emissionen bei, die mit der Torfgewinnung verbunden sind.


Die Auswahl an torffreien Erden auf dem Markt ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Von Allzweckmischungen für den Garten bis hin zu spezialisierten Substraten für Zimmerpflanzen und Gemüsebeeten gibt es torffreie Alternativen für nahezu jeden Einsatzzweck. Die Vielfalt der verfügbaren Produkte ermöglicht es den Gärtnern, die richtige Erde für ihre spezifischen Bedürfnisse und Pflanzenarten auszuwählen. Dabei ist es wichtig, die individuellen Anforderungen der Pflanzen zu berücksichtigen und die entsprechende torffreie Erde auszuwählen, die diesen Anforderungen gerecht wird.


Darüber hinaus bieten torffreie Erden oft eine ebenso gute oder sogar bessere Leistung als herkömmliche Torferden. Sie zeichnen sich durch eine gute Wasserhaltefähigkeit, eine verbesserte Belüftung des Wurzelbereichs und eine nachhaltige Nährstoffversorgung aus. Diese Eigenschaften sind entscheidend für das gesunde Wachstum und die Entwicklung der Pflanzen. Durch die Verwendung torffreier Erden können Gärtner somit nicht nur einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, sondern auch die Gesundheit und Vitalität ihrer Pflanzen fördern.


Das Testlabor:

Ob Krankheitserreger bei Mensch, Tier und Pflanze, Arzneimittelfälschungen, Antibiotikaresistenzen, Rückstände in Lebensmitteln, Boden- und Saatgutuntersuchungen oder auch Strahlen- und Klimaschutz: Der AGES ist es ein Anliegen, im Sinne des One Health-Gedankens, mögliche Risiken für Mensch, Tier und Pflanzen abzuwehren oder einzudämmen und so für mehr Sicherheit für die Verbraucher in Österreich zu sorgen. Um dies zu gewährleisten analysiert, überwacht, bewertet, forscht und kommuniziert sie 365 Tage im Jahr.



So haben wir getestet


Für unseren Blumenerden-Test haben wir insgesamt zwölf verschiedene torffreie Erden (in verfügbaren 20 Liter Säcken) von renommierten Herstellern ausgewählt und diese von einem unabhängigen Labor unter die Lupe nehmen lassen. Die Ergebnisse der Laboranalysen wurden von uns mit den Richtlinien der ÖNORM verglichen, um festzustellen, ob die Erden den branchenüblichen Standards entsprechen, bzw. den Normbereich einhalten.


Für die Beurteilung der Blumenerde haben wir eine spezifische Bewertungsmethodik angewendet, um eine präzise Einschätzung der Qualität zu gewährleisten. Im Falle von Testergebnissen, die außerhalb des festgelegten Standardbereichs lagen, wurde die Bewertung entsprechend angepasst. Konkret bedeutet dies, dass Ergebnisse, die von der Norm abwichen, mit einer reduzierten Bewertung von 40% versehen wurden. Für Werte, die sich lediglich am Rand des Normalbereichs befanden, erfolgte eine leichte Abwertung. Dabei galt: Bei einer Abweichung von 10% vom Rand innerhalb des Normbereichs wurde eine Bewertung von 80% vergeben, während bei einer Abweichung zwischen 10-20% vom Rand eine Bewertung von 90% erfolgte. Alle anderen Ergebnisse, die innerhalb des Normbereichs lagen, erhielten die volle Punktzahl von 100%.

Unbedingt erwähnenswert ist die Tatsache, dass sich die Nährstoffzusammensetzung von Erden im Laufe der Zeit ändern kann. Dies geschieht aufgrund der natürlichen Zersetzung organischer Materialien sowie durch Umwelteinflüsse wie Regen, Bewässerung und Sonneneinstrahlung. Auch die Lagerung spielt eine Rolle, insbesondere bei Feuchtigkeit oder mangelnder Belüftung. Im Rahmen unseres Tests haben wir festgestellt, dass einige der im Baumarkt erhältlichen Erden vermutlich falsch gelagert wurden, was zu potenziellen Veränderungen in ihrer Nährstoffzusammensetzung führen könnte.

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