• Michael Derbort

Die Veggienale - eine Messe für Nachhaltigkeit

Nachhaltig leben wird zunehmend eine Herausforderung für uns alle. Fernab aller ideologischer Weltansichten bleibt die Erkenntnis, dass wir so wie bisher einfach nicht mehr weitermachen können. Ein Umdenken muss her und viele Menschen und Organisationen haben damit bereits angefangen. Sie präsentieren sich auf einer Messe, die auf den klangvollen Namen „Veggienale“ hört.



Was lange währt, wird endlich gut: Nach zwei Jahren Corona-­bedingter Zwangs-pause startet in diesem Jahr die Veggienale gleich in mehreren Städten. Wir waren in Freiburg, um uns die Sache einmal aus der Nähe anzusehen.


Klasse statt Masse


Messen werden stets mit mehreren randvollen Hallen assoziiert, in denen unzählige Aussteller ihre Produkte einer Riesenschar an interessierten Besuchern feilbieten. Das mag bei Massenevents wie etwa Buchmessen zutreffen, bei solch einer Messe geht es freilich deutlich familiärer zu.


Die Stände der Aussteller sind auf jeden Fall einen Blick wert gewesen, der Mehrwert resultiert indessen aus dem Rahmenprogramm, das in einem eigens dafür vorgesehenen Bereich stattfand. Vorträge über verschiedene Themen rund um nachhaltiges Leben wurden dort anschaulich beleuchtet. Alleine dieses Programm rechtfertigte den Eintrittspreis von immerhin zehn Euro



Von veganer Schokolade bis zu Knallbrause


Schlendern wir doch einmal im Geiste durch die Messehalle. Natürlich waren die großen Umweltschutzorganisationen vertreten: BUND, Greenpeace und NaBu – eifrig um neue Mitstreiter bemüht. Nach einigen interessanten Gesprächen kam ich alsbald zu der Frage, was die Industrie zu diesem Thema beizusteuern hatte.


Ins Auge sprang sofort des Menschen liebste Sünde: Schokolade. Diesmal vegan, mit Pistazie oder Dattel. Etwas überraschend war das Salz, das sich jedoch leicht abstreichen lässt. Ansonsten gilt, dass Schokolade auch ohne tierische Produkte lecker sein kann www.djoon.de


Für Honig bietet der Hersteller Vegablum vegane Alternativen an. Geschmacklich gibt es zu dem Bienenprodukt keinen nennenswerten Unterschied. Sogar daraus gewonnener Met ist dort käuflich zu erwerben www.vegablum.de


Und dann war noch der Tee: Juma-Tea heißt der Hersteller, der mir sein Getränk zum Probieren anbot. Das war inzwischen auch dringend nötig, denn nach all den Kostproben bei den Bio-Brennereien und ähnlichen Anbietern kamen bereits die ersten Zweifel auf, ob ich danach überhaupt noch in der Lage sein werde, die Messehalle auf eigenen Füßen zu verlassen.

Juma-Tea haut kräftiger rein als die bekannten Energy-Drinks. 32 mg Koffein pro 100 ml Getränk machen auch den müdesten Krieger munter www.jumatea.eu


Die erwähnten fruchtigen Liköre mit dem hübschen Namen „Kleine Lotte“ kommen hingegen von der Rechtalbrennerei im Schwarzwald www.renchtal-brennerei.de



Nachhaltige Technik


Geht das überhaupt? Nachhaltige Technik? Zweifel sind hier sicherlich angebracht. Zudem kann jeder Einzelne einen Beitrag dazu leisten, dass der Raubbau an der Natur minimiert wird. Dazu kommen noch weitere Fragen zur Wirtschaftsethik. Diesem Thema hat sich die Organisation Gemeinwohl Ökonomie gewidmet. Eine Gemeinwohl-Matrix definiert hier die ethischen Minimalanforderungen für eine moderne und menschenwürdige Wirtschaft. Dieses Thema ist sehr umfassend und liefert genügend Stoff für einen eigenen Artikel. In dem gegebenen Rahmen verweisen wir für weitere Informationen gerne auf die Webseite www.ecogood.org


Wie komplex nachhaltige Technik sein kann, zeigt uns der Verein NagerIT e.V. Deren Projekt „Faire Computermäuse“ offenbart allzu plastisch, wie kompliziert es bereits ist, die Lieferkette aller Einzelteile transparent zu machen. Auf der Seite dieses Vereins gibt es eine Grafik, die sehr eindrücklich veranschaulicht, was hinter solch einem simplen Alltagsgegenstand wie einer Computermaus überhaupt steckt – und was allzu häufig am Ende aller Tage achtlos im Hausmüll landet. Ein eindrucksvoller Vortrag von Susanne Jordan von NagerIT im erwähnten Rahmenprogramm veranschaulicht, wie nachhaltige Technik möglich sein kann www.nager-it.de


Nachhaltig telefonieren können wir mit den Handytarifen von WEtell. Der Fokus bei diesem Provider liegt auf größtmöglichem Klimaschutz. Auch Datenschutz, Fairness und Transparenz stehen nach Aussagen dieses Anbieters ganz klar im Fokus. Weitere Informationen finden Sie unter www.wetell.de



Engagement

Wie anhand der obenstehenden Beispiele zu erkennen ist, haben Themen wie Nachhaltigkeit, vegane Ernährung, sowie Tier- und Klimaschutz ihr Nischendasein verlassen. Die Angebote der

Hersteller reichen inzwischen in alle Lebensbereiche hinein und betreffen auch Themen, die wir auf dem ersten Blick gar nicht damit in Verbindung bringen.


Nichtsdestotrotz genügt die Angebotspalette alleine nicht. Jeder von uns muss auch selbst tätig werden – auch wenn wir nur betreffende Organisationen aktiv unterstützen.


Das muss nicht immer Geld kosten. Völlig überrascht hatte mich der Stand von Foodsharing. Auf der Suche nach interessanten Themen verweilte ich dort und hinter dem Stand hatte die sehr freundliche junge Dame mich fast schon auf Knien angefleht, ich möge doch so viel wie möglich einpacken. Lebensmittel aller Art waren aufgereiht, eigentlich bereits zum Wegwerfen verdammt, zuvor direkt von Geschäften an diese Organisation weitergereicht. Die selbstdefinierte Aufgabe: Diese Waren zu verschenken, um sie so vor der Mülltonne zu retten.


Ein tolles Projekt (das mir im Nachgang übrigens eine sehr gemüselastige Woche beschert hat). Unter www.foodsharing.de gibt es weitere Infos.

 

Weitere Termine

Sollte dieser kurze Ausflug bei Ihnen Interesse geweckt haben, können Sie diese Messe noch in einigen Städten erleben. Das Ausstellerverzeichnis variiert zwar, lohnenswert ist ein Besuch dennoch. Infos, Ausstellerverzeichnisse und Kartenvorverkauf gibt es unter www.veggienale.de


Dies sind die kommenden Termine:

Nürnberg 18./19. Juni 2022 (neuer Termin)

Hannover 25./26. Juni 2022 (neuer Termin)

Region Stuttgart am 17./18. September 2022

Leipzig am 8./9. Oktober 2022

Frankfurt a.M. am 29./30. Oktober 2022

Münster am 5./6. November 2022

Hamburg 3./4. Dezember 2022

Berlin 21./22. Januar 2023