Nachhaltiger Fischkonsum: Welche Arten du bedenkenlos genießen kannst
- Lisa Gutzelnig

- vor 5 Tagen
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Gigantische Schleppnetze, die den Meeresboden umpflügen, Delfine und Meeresschildkröten, die als Beifang in den Netzen landen und vor allem viel zu große Fangmengen – der gute Ruf von frischem Fisch hat in den letzten Jahren zu Recht gelitten.

Die Liste negativer Auswirkungen von traditionellem Fischfang ist lang. Können wir überhaupt noch bedenkenlos regelmäßigen Fischkonsum empfehlen und was sind gesunde, nachhaltige Alternativen dazu?
Wer ein feines Essen zubereiten oder sich gesund ernähren möchte, greift gern zu Fisch. Er ist reich an Eiweiß und wertvollen Omega-3-Fettsäuren. Es wird sogar empfohlen, zweimal pro Woche fettreichen Seefisch wie Hering, Makrele oder Lachs zu essen. Studien zeigen, dass regelmäßiger Fischverzehr das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Fettstoffwechselstörungen mindert. Doch die weltweiten Fischbestände schrumpfen, nur noch wenige sind in einem guten Zustand. Damit sie sich erholen können, sind die Konusment:innen gefordert. Sie sollten nach Möglichkeit zu Fisch aus nachhaltigem Fang greifen.
Zur besseren Orientierung haben die Verbraucherzentralen die „Guter Fisch Liste“ erstellt. Sie wird jährlich aktualisiert und führt nur Bestände auf, die als „empfehlenswert“ oder „bedingt empfehlenswert“ eingestuft wurden. Die Liste wird in Zusammenarbeit mit Expert:innen der Deutschen Umwelthilfe, Naturschutzbund Deutschland (NABU), des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel sowie der Naturschutzorganisationen World Wildlife Fund (WWF) geführt und aktualisiert.

93 Prozent der weltweiten Bestände sind laut FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations/Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) bis an ihre Grenzen befischt, ein Drittel davon sogar in katastrophal schlechtem Zustand. Der Anteil der Bestände im roten Bereich nimmt seit vielen Jahren zu. Jene Bestände, die im Gleichwicht, also im grünen Bereich sind, werden immer weniger. Dementsprechend ist der ökologischste Fischgenuss wohl jener, die Fische ziehen zu lassen, denn nur so können sich die Fischbestände langfristig erholen.
Wenn Aquakultur, dann in Bio-Qualität
In Deutschland und Österreich gibt es viele positive Beispiele für nachhaltige Teichwirtschaft. Das beste Beispiel ist die Karpfenzucht, denn der Karpfen begnügt sich, als allesfressender Fisch, mit pflanzlichen Futtermitteln. Auch Fütterungsversuche von Saiblingen und Forellen zeigen, dass diese bei Fütterung mit Ölsaaten essenzielle Fettsäuren bilden. Bio macht nochmals einen Unterschied. In der Bioteichwirtschaft steht den Tieren mehr Platz zur Verfügung und der Einsatz von Hormonen, Insektiziden sowie vorbeugende Antibiotika-Behandlung ist untersagt.
Fischzüchter, die ihre Teiche nachhaltig und nach Bio-Richtlinien bewirtschaften, achten in hohem Maße auf das Tierwohl und die Umwelt. Ihre Fische haben deutlich mehr Platz als in konventionellen Fischzuchten. Karpfen, Saibling, Forelle und weitere Fischarten haben mehr Zeit zum Wachsen, was sich positiv auf die Geschmacksqualität auswirkt. Das Fischfutter muss biozertifiziert sein.
All diese Vorgaben halten mehrere Fischzüchter in Österreich ein, zum Teil schon seit Jahrzehnten. Im Mühlviertel in Oberösterreich bürgt Freiwald Fisch für beste Qualität. Quellwasser aus dem Hochschwab-Massiv speist die Teiche der Fischzucht Decleva in Mariazell in der Steiermark. Im Waldviertel in Niederösterreich, bekannt vor allem für die Karpfenzucht, setzen unter anderem das Gut Ottenstein und das biozertifizierte Unternehmen Teichleben auf nachhaltige Teichbewirtschaftung. Weiter südlich, in den Wiener Alpen in Niederösterreich, tummeln sich Saiblinge und Forellen in den Teichen von Heinz Heinisch. Und mitten in Wien räuchern, marinieren und veredeln Marc Mößmer und sein Team Fische – und zwar strikt nach Demeter-Richtlinien.

Aquakultur ist nicht gleich Aquakultur
Sie sind überwiegend vorbei, die Zeiten der kleinen heimischen Karpfenteiche. Der hierzulande gerne servierte Pangasius stammt sehr wahrscheinlich aus riesigen Zuchtanlagen in Vietnam. Oft kommen dabei Antibiotika und gentechnisch verändertes Futter zum Einsatz. Gedanken machen sollten Sie sich auch bei Doraden (Goldbrassen) und Wolfsbarsch. Beide werden üblicherweise im Mittelmeerraum in offenen Netzkäfigen gezüchtet. Weil sie aber Raubfische sind, werden die Tiere mit Fischmehl gefüttert, was wiederum die Wildfischbestände belastet.
Zunehmend beliebt wird die Fischzucht in überdachten Kreislaufanlagen. Diese hochtechnisierten Anlagen haben den Vorteil, dass das Wasser im Kreislauf geführt und laufend von Nährstoffen gereinigt wird. Eine besondere Art von Kreislaufanlagen sind Aquaponik-Anlagen, deren gefilterte Nährstoffe zum Düngen von Gemüsepflanzen verwendet werden, deren Sauerstoff wiederum dem Wachstum der Fische dient. Nachteile sind der hohe Energieaufwand und die unnatürliche Haltung der Fische in Becken. Eindeutiger Vorteil ist die abfallarme, regionale Produktion von Wels, Garnelen und Co. auch hierzulande. Wenn allerdings das Futter für die gezüchteten Raubfische aus dem Meer stammt, lösen diese Anlagen das Problem der Überfischung nicht. Denn: Auch wenn Fisch in Becken gezüchtet wird, bekommt er überwiegend Meeresfisch als Futter. Der Druck auf die Meere bleibt also bei hohem Fischkonsum in jedem Fall bestehen. Pflanzliches Eiweiß aus der Sojapflanze kann zwar den Anteil an Fischmehl reduzieren, doch die ständig wachsende Nachfrage nach billigem Soja führt zu weiteren Flächenrodungen in Regenwaldgebieten mit verheerenden ökologischen Folgen für das Klima.

Eine vielsagende FAO-Statistik: Weltweit stammen über 50 Prozent der Fische und Meerestiere aus Aquakulturen. Doch nur zehn Prozent der in der europäischen Union verzehrten Fische und Meerestiere stammen aus europäischen Aquakulturen.
Mit gutem Gewissen Fisch essen
Ob Sie Fisch guten Gewissens kaufen können, hängt vor allem davon ab, wo er herkommt und wie er gefangen wurde. Achten Sie beim Einkauf daher insbesondere auf die Fangmethode und das Fanggebiet.
Die Weltmeere sind in 19 Fangzonen aufgeteilt, die sogenannten FAO-Fanggebiete und diese wiederum in Teilfanggebiete. Die aufgelisteten Empfehlungen können daher nur eine grobe Orientierung bieten. Einige Fischsorten sind empfehlenswert, wenn sie in bestimmten Fanggebieten (FAO) und/oder mit bestimmten Fangmethoden gefischt wurden. In den Empfehlungen des WWF sind alle Fangmethoden und auch Aquakulturen mit inbegriffen.
Eher nicht auf dem Teller landen sollten: Tropische Garnelen aus Wildfang. Dorade aus dem Mittelmeer. Wolfsbarsch. Blauflossenthunfisch. Ostsee-Dorsch. Hummer mit wenigen Ausnahmen.
Weiterhin zu empfehlen sind: Bach- und Seeforelle aus Österreich aus Aquakultur (Teich- und Durchflussanlagen). Tropische Garnele aus Europa (Kreislaufanlage mit Biofloc-Technologie). Hering
aus dem Nordostatlantik Nordsee (ICES 4), Östlicher Ärmelkanal (ICES 7.d), Irische See (ICES 7.a Nord), Golf von Riga (ICES 28.1), Island (ICES 5.a). Karpfen aus Aquakulturen in Europa: Teichanlagen. Pazifischer Lachs aus dem Nordost-Pazifik vor Alaska (FAO 67) alle Fang-
methoden, vor Kanada (FAO 67) nur Buckel- und Ketalachs mit Umschließungsnetzen, Haken und Langleinen. Miesmuschel weltweit, unter der Voraussetzung, dass die Aquakultur eine Leinenkultur ist. Saibling aus Europa und Island aus Aquakultur. Sardelle aus dem Nordostatlantik in der Biskaya (FAO 27) aus Pelagischen Schleppnetzen oder Umschließungsnetzen. Sardine aus dem östlichen Mittelatlantik (FAO 34: Mauretanien und Marokko), Wildfang (alle Methoden). Seezunge
aus Europa aus Aquakultur (Kreislaufanlage).
Achtung: Die Liste ist nur eine Auswahl der Empfehlungen und kann sich auch zwischendurch je nach Lage ändern. Den kompletten Fischratgeber gibt es auf der Website des WWF. fischratgeber.wwf.at
Fotos: Shutterstock / Verbraucherzentrale Berlin



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