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Slow Travel: Nachhaltig unterwegs im Tessin

  • Autorenbild: Michaela Hocek
    Michaela Hocek
  • vor 1 Stunde
  • 5 Min. Lesezeit

Nicht alles, was nachhaltig aussieht, ist auch sinnvoll. Der „Nachhaltig leben“ Newsletter hilft, Unterschiede zu erkennen.


Bild: Christian Meixner
Bild: Christian Meixner

Als ich Ende September 2025 zur Pressereise „Genusskultur und Slow Travel alla Ticinese“ aufbrach, freute ich mich auf die Region und das Programm, das im Rahmen der Pressereise angekündigt war, konnte aber noch nicht erahnen, wie außerordentlich sympathisch sich das Tessin und seine dynamischen Einwohner:innen entpuppen würden. Daher unser erster Tipp: Planen Sie genügend Zeit ein, um sich dieser Region eingehend widmen zu können. Es gibt viele Orte auf Hügeln, regionale Spezialitäten, Winzer und Köche mit inspirierenden Geschichten zu entdecken.


Von Ascona nach Locarno


Entgegen dem eigentlich ganzjährig milden, mediterranen Klima, das mit viel Sonne und längeren Vegetationsperioden einhergeht, wurden wir von ausgiebigem Regen und Wind begleitet. Was zwar unserer Laune keinen Abbruch tat, aber die E-Bike-Tour von Ascona nach Locarno vereitelte. Die zehn Kilometer lange Etappe wäre mit 200 Höhenmetern sehr leicht zu bewältigen gewesen und hätte viele schöne Ausblicke geboten. Stattdessen hatten wir die mindestens ebenso schöne Sicht auf den See mit Morgennebel, der sich knapp über der Wasseroberfläche und vor dem Bergpanorama bald verzog.


Bild: CDA Verlag GmbH
Bild: CDA Verlag GmbH

Ganzjahresdestination


Was vielleicht weniger bekannt ist: Der Süden der Schweiz ist auch im Winter eine Reise wert. Viel Sonnenschein, helle Tage, frische Luft und milde Temperaturen von November bis Februar führten zur Tourismusinitiative „Ticino365“. Dies geht im Sinne der Nachhaltigkeit mit mehr Stabilität und Einkommen für die Betriebe, ein Plus an Übernachtungen, einem stärkeren Arbeitsmarkt und höherer Wertschöpfung einher. So startete man im Herbst mit Outdoor-Aktivitäten, Events und Kooperationen mit Railtour. Spaziergänge entlang der Seen, belebte Piazze und Besuche des Monte Carasso mit Blick über die Magadino-Ebene, ein Besuch des historischen Dorfes Curzútt oder das Überqueren der tibetischen Brücke sind möglich. Wer sich weniger bewegen möchte, dem sei die Centovalli-Bahn empfohlen, die Domodossola mit Locarno verbindet. Das Besondere dabei? Es geht durch 31 Tunnel und über 83 Brücken, während sich spektakuläre Landschaften aus dem Panoramafenster beobachten lassen.


Vielen Dank für die Einladung zur klimaneutralen Reise mit der Bahn, die perfekte Organisation und das vielfältige Programm, sowie das Kennenlernen außerordentlicher Hoteliers und auf höchstem Niveau querdenkende Gastronomen durch Tessin Tourismus ticino.ch. Ein großes Dankeschön auch an Catharina Berni, Head of Communication Ticino Turismo, und Ariane Husung von AHM Kommunikation für die persönliche Betreuung vor Ort.


Bild: Terre d'Autunno
Bild: Terre d'Autunno

Der Winzer und sein Fass


Davide Biondina ist nicht nur Winzer, sondern auch Förster. So hat seine Liebe zu Holz ihn dazu inspiriert, seine eigenen Fässer zu bauen. Dafür ist er 15 Jahre lang zu Tonnellerien nach Frankreich gereist. Seine Begeisterung ließ uns tapfer durch den Regen stapfen, um seine Weinberge und Werkstatt zu sehen, tief in das Innere eines Weinfasses mit der Nase einzutauchen und über den Duft zu staunen. Eine Weinverkostung mit ihm, die für uns mit seinem preisgekrönten „le nostre vite“ endete, können wir wärmstens empfehlen.


Die Azienda Terre d‘autunno ist in der Via Monticello 14 in Lumino zu finden. Bild: CDA Verlag GmbH
Die Azienda Terre d‘autunno ist in der Via Monticello 14 in Lumino zu finden. Bild: CDA Verlag GmbH

Ausflugstipps


Bild: CDA Verlag GmbH
Bild: CDA Verlag GmbH

Die Tibetische Brücke „Carasc“ ist mit 270 Metern eine der längsten Hängebrücken der Schweiz und wiegt etwa 50 Tonnen.


Das Dörfchen Curzútt wirkt wie aus der Zeit gefallen und ist doch eher lebendiges Zentrum als Freilichtmuseum.


Zugfahrt mit der Centovalli-Bahn nach Verscio und Besichtigung des Teatro Dimitri.



Velotour „Agriesperienza - Una pedalata squisita“ mit Rad oder E-Bike. Z. B. mit Wasserverkostung, Weinprobe, Locarno-Besuch und Mittagessen am Bauernhof.


Ticino Ticket für Gäste von Hotels, Jugendherbergen und Campingplätzen. Damit kann der öffentliche Verkehr im gesamten Tessin frei genutzt werden und es gibt vergünstigte Eintritte in Freizeiteinrichtungen. ticino.ch/ticket



2001 übernahm Paolo Hefti die Weinberge seines Vaters. Bild: Hefti Vini
2001 übernahm Paolo Hefti die Weinberge seines Vaters. Bild: Hefti Vini

Salute


Eine Degustation auf dem modernen Weingut von Paolo Hefti in Verscio ist eine weitere gute Adresse, um die Charakteristika der Böden und Trauben der Region zu erfassen. Merlot, Merlot Barricato, Rosato di Merlot, Bianco di Merlot und Chardonnay: Fünf Weine umfasst das Sortiment „Tre Perle di Pedemonte“. Nicht zu vergessen sind zwei Sorten Grappa – wahlweise aus Merlot- oder Chardonnay-Trauben und der Likör Ratafià aus grünen Walnüssen der Region.


Bild: CDA Verlag GmbH
Bild: CDA Verlag GmbH
Ilario Garbani produziert auch Maiswaffeln, Pasta, Bier etc. aus dem nach Popcorn schmeckenden Rohstoff. Bild: Intraina Alain
Ilario Garbani produziert auch Maiswaffeln, Pasta, Bier etc. aus dem nach Popcorn schmeckenden Rohstoff. Bild: Intraina Alain

Tradition bewahren


Einen Besuch in der Farina-bóna-Mühle und ein Treffen mit dem Produzenten und ehemaligem Lehrer Ilario Garbani sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Er lebt im oberen Onserone, das heute 60 Einwohner:innen hat, und macht ein beinahe in Vergessenheit geratenes Lebensmittel wieder attraktiv: Farina bóna. Das aus gerösteten Maiskörnern gewonnene Mehl ist glutenfrei und leicht bekömmlich. Es kann für glutenfreie, pikante Pfannkuchen, Müsli oder als gesunder Saucenbinder verwendet werden.


Bild: CDA Verlag GmbH
Bild: CDA Verlag GmbH
Bild: Osteria del Centro
Bild: Osteria del Centro

Buon appetito


Wer Tessin sagt, muss auch „Osteria del Centro“ sagen. In der Küche eines alten Hauses im Herzen von Comano schafft Piero Roncoroni gemeinsam mit seiner Frau Mercedes und seinem hünenhaften Sommelier Aromen, Farben und kreative Kombinationen aus Gemüse und Kräutern, die auf raffinierter Schlichtheit beruhen. Neben einer Weinbegleitung haben wir auch die antialkoholische Variante mit hausgemachten Tees und fermentierten Säften probiert, die restlos überzeugte. Verarbeitet wird, was Markt und Saison hergeben. Mit dieser täglich gelebten Nachhaltigkeit ändern sich die Menüs laufend.


Osteria del Centro

Via Cantonale 50 | CH-6949 Comano

T +41 91 930 80 62


Bild: Osteria del Centro
Bild: Osteria del Centro

Hoteltipp



Stadtnah und ruhig zugleich - Hotel Belvedere Locarno


Nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum auf einem Hügel über Locarno ist das einzige Vier-Stern-Plus-Hotel der Stadt gelegen. Dank der historischen Standseilbahn ist es direkt mit der monumentalen Wallfahrtskirche Madonna del Sasso und der Seepromenade verbunden.


Einfache und raffinierte Eleganz, exquisite Küche sowie ein herzlicher Empfang erwartet die Gäste in dem historischen Anwesen. In den 90 Zimmern und Suiten mangelt es nicht an Komfort. Zusätzlich entspannt wird im „Oasi Belvedere“, der Spa-, Wellness- und Beauty-Area. Im Adults-Only-Bereich kann man in zwei Saunen, einem Dampfbad, einem Kneipp-Parcours, einem Frigidarium, Entspannungsräumen entspannen sowie in einem großen Fitnessraum trainieren. Der für alle Gäste zugängliche Bereich verfügt über einen Whirlpool und einen Pool mit Innen- und Außenbereich.


Palmen und üppige Vegetation sind Teil des Flairs der großen Terrasse des Restaurants „La Fontana“, für das Küchenchef Rosario Stipo 14 Gault&Millau-Punkte erkochte. Das Konzept setzt auf leichte, regionale und vor allem nachhaltige Gerichte mit besonderem Augenmerk auf Neuheiten und Trends. Unerwartete Twists erwarten Feinschmecker:innen auch bei vegetarischen Gerichten. Vom Dinner sind uns besonders das marinierte Zandertartar, der Loto-Reis „Terreni della Maggia“ – übrigens ideal für Risotto – mit Muskatkürbis, Zinkarlinkäse-Fondue, Haselnuss-Granella und Fruchtsenf in Erinnerung geblieben. Auch das Dessert „Sassi e Mieli delle Alpi“ war eine regionale Verbeugung an den Gaumen. Der Gang an die Bar ist in diesem Haus eine genussreiche Pflicht. Die Atmosphäre und lokale wie internationale Getränkeauswahl sind mondän und gemütlich zugleich.


Mit den Zertifikaten „Swisstainable Level II – engaged“ und „CAS Corporate Responsibility“ ist das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit offiziell und nach außen sichtbar. Im Hotelalltag wird auf die Reduktion von Einwegplastik und Papier geachtet. Die organischen Abfälle des Restaurants werden in Biogas umgewandelt. Im Spa-Bereich wird auf Photovoltaik und Geothermie gesetzt, die Erneuerung des Heizungssystems ging mit der Installation von Wärmepumpen einher. Zahlreiche Kunstwerke im Hotel fördern die Schweizer und Tessiner Kunst und auch hier wird wie in vielen weiteren Vorzeigebetrieben an der Entsaisonalisierung und Beschäftigungskontinuität gearbeitet.


Der Blick aus dem Ruheraum des „Oasi Belvedere“-Spa auf die Stadt und die Berge ist ebenso entspannend wie Kräutersauna, Dampfbad, finnische Sauna und kühlendes Frigidarium. Bild: Hannes Niederkofler
Der Blick aus dem Ruheraum des „Oasi Belvedere“-Spa auf die Stadt und die Berge ist ebenso entspannend wie Kräutersauna, Dampfbad, finnische Sauna und kühlendes Frigidarium. Bild: Hannes Niederkofler

Hotel Belvedere Locarno****s

Via ai Monti della Trinità 44

CH-6600 Locarno

T +41 91 751 03 63



 
 
 

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