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Barbara Dopfer im Interview: Regeneration neu denken

  • Autorenbild: Michaela Hocek
    Michaela Hocek
  • 15. März
  • 4 Min. Lesezeit

Nachhaltige Entscheidungen entstehen Schritt für Schritt.

Der Nachhaltig leben Newsletter liefert dafür regelmäßig neue Anregungen.


Als Yoga Nidra-Expertin und Mentorin motiviert sie seit mehr als 13 Jahren Menschen. Hier verrät sie, warum es wieder Zeit für Pausen ist.


In drei Sätzen


Echte Regeneration ist kein Luxus, macht uns ausgeglichener und führt zu klügeren Entscheidungen. Ein ausgeruhter Mensch braucht weniger Ersatzbefriedigungen, reagiert weniger aus Stress heraus, lebt achtsamer und genießt mehr. Beim Yoga Nidra fließt Wissen über das Nervensystem und den Körper aktiv mit ein.


Innere Ruhe fühlt sich zunächst ungewohnt an, weil man dabei mit sich selbst in Kontakt kommt. So geschieht es, dass wir zwar merken, dass mehr Ruhepausen nötig wären, es aber dann doch nicht tun. Bild: Anita Kößler
Innere Ruhe fühlt sich zunächst ungewohnt an, weil man dabei mit sich selbst in Kontakt kommt. So geschieht es, dass wir zwar merken, dass mehr Ruhepausen nötig wären, es aber dann doch nicht tun. Bild: Anita Kößler

Warum ist Ausruhen aus der Mode gekommen?


Ich glaube, dass das ein schleichender Prozess war, der seine Ursprünge im kolonialistischen Weltbild und in der Verbreitung des Kapitalismus hat. Beides sind Denkmuster, die heute oft unbemerkt mitlaufen, unsere Gesellschaft aber stark prägen. Das Ergebnis: Aktivität wird mit Bedeutsamkeit gleichgesetzt. Wer viel leistet und erlebt, gilt als erfolgreich – Pausen dagegen werden als „nicht produktiv“ abgewertet. Hinzu kommt, dass wir uns an ein hohes Grundtempo gewöhnt haben: Smartphones, Social Media, berufliche Anforderungen – alles lädt dazu ein, noch ein bisschen mehr zu tun. Viele Menschen haben zudem verlernt, Stille auszuhalten.


Für eine nachhaltige Regeneration ist es hilfreich, Pausen ganz bewusst zu ritualisieren: z. B. durch regelmäßige Zeiten der Stille oder kleine Übergänge zwischen Aktivitäten. Bild: Anita Kößler
Für eine nachhaltige Regeneration ist es hilfreich, Pausen ganz bewusst zu ritualisieren: z. B. durch regelmäßige Zeiten der Stille oder kleine Übergänge zwischen Aktivitäten. Bild: Anita Kößler

Warum ist genussvolles Ausruhen wichtig für ein erfülltes Leben?


Echte Regeneration ist kein Luxus. Die heutige Informationsflut fordert unsere Gehirne und Nervensysteme stärker denn je – und deshalb ist sie wichtiger als jemals zuvor. Regeneration ist eine Grundbedingung für ein nachhaltiges Leben: Nur wenn Körper und Geist regelmäßig zur Ruhe kommen, können wir eine Kraft schöpfen, die uns Koffein niemals geben kann. Genussvolles Ausruhen bringt uns wieder in Verbindung mit dem Wesentlichen – unserer Kreativität, unserer Intuition, unserer inneren Stimme. Wer regelmäßig Pausen einlegt, lebt nicht nur ausgeglichener, sondern trifft auch klügere Entscheidungen. Ein ausgeruhter Mensch konsumiert weniger Ersatzbefriedigungen, reagiert weniger aus Stress heraus und lebt insgesamt achtsamer – mit sich selbst und mit der Umwelt. Das führt letztlich zu mehr Genuss, den wir nur erleben, wenn wir innehalten.


Wie schafft man es, aus „getriebenen“ Tagesabläufen auszuscheren und unabhängiger zu werden?


Der erste Schritt ist, die eigene Getriebenheit bewusst wahrzunehmen. Viele Menschen merken erst im Rückblick, wie sehr sie im Autopiloten unterwegs waren. Dann geht es darum, kleine Unterbrechungen in den Alltag zu weben: ein paar tiefe Atemzüge zwischen zwei Aufgaben, eine kurze Pause ohne Bildschirm, ein kurzer Moment, in dem man sich fragt: „Muss ich das wirklich jetzt tun?“. Wichtig ist auch, Grenzen neu zu definieren – beruflich wie privat. Sobald wir uns erlauben, nicht auf alles zu reagieren, können wir erkennen, dass es ja doch Raum für Pausen gibt.

Und schließlich hilft es, die eigenen Werte wieder klar zu spüren. Wenn wir wissen, was uns wirklich wichtig ist, fällt es leichter, sich vom äußeren Tempo zu lösen und ein eigenes, natürlicheres Tempo zu finden.


Wie schafft man es, Regeneration wieder eine hohe Priorität einzuräumen?


Regeneration braucht Klarheit – und Verbindlichkeit. Sie darf nicht „irgendwann“ passieren, sondern braucht einen festen Platz im Tages- oder Wochenrhythmus. Ein wichtiger Teil ist auch ein neues Mindset: Ausruhen ist kein Aussteigen aus dem Leben, sondern ein Hinwenden zu sich und dem Leben, das man eigentlich führen will. Je öfter man erfährt, wie wohltuend diese Momente sind, desto natürlicher wächst ihre Priorität. Regeneration wird dann nicht zu etwas, das man „auch noch erledigt“ – sondern zu etwas, das das ganze Leben trägt. Ich persönlich empfehle Ausruh-Buddies. Sich bewusst Menschen zu suchen, mit denen man sich schamlos über Ausruh-Momente austauscht. Das geht in begleiteten Programmen oder mit einer guten Freundin, der man von der letzten Pause erzählt und sich dafür feiern lässt.


Bild: Hannah Olschowski und Theresa Povilonis
Bild: Hannah Olschowski und Theresa Povilonis

Wie kann die Meditationsform „Yoga Nidra“ helfen, Pausen wieder mehr zu genießen?


Die größte Herausforderung für viele Menschen heutzutage ist, überhaupt wieder Stille zuzulassen und auszuhalten. Unsere Gehirne haben sich an ständige Reize gewöhnt, an den nächsten Kick, die nächste Aufregung. Stille Momente wirken da beinahe bedrohlich und werden oft übergangen – einfach, weil das Gehirn nicht mehr weiß, wie es damit umgehen soll. Yoga Nidra ist eine ideale Methode, um Pausen bewusst und genussvoll zu üben. In dieser geführten Meditation liegt man bequem, muss nichts leisten und nichts erreichen – und gleitet dabei in einen Zustand zwischen Wachsein und Schlaf. Dieser Zustand ist für das Nervensystem hochregenerativ: Stresshormone werden abgebaut, körperliche Spannungen lösen sich, und bei regelmäßiger Praxis entwickeln die Menschen einen gelasseneren Umgang mit Stress. Auch Prioritäten können sich dabei neu ordnen. Gerade für Menschen, die Schwierigkeiten haben, abzuschalten, ist Yoga Nidra ein sanfter Einstieg in die Welt der Erholung. Es lehrt uns, Pausen nicht nur einzulegen, sondern sie wirklich zu genießen – mit dem Gefühl, getragen zu sein, statt ständig selbst tragen zu müssen.


Was macht Ihren Yoga-Nidra-Ansatz einzigartig?


Yoga Nidra ist nicht gleich Yoga Nidra – es gibt traditionellere und modernere Stile. Meine Methode gehört zum sogenannten Post-Lineage-Ansatz: Die Sprache ist zeitgemäßer und verkörperter. Die Eigenverantwortung der Praktizierenden wird gestärkt. Wissen über Nervensystem und Körper fließt aktiv mit ein. Außerdem ist meine Vorgehensweise in die Philosophie des Zyklusbewusstseins eingebettet – das fördert ein tiefes Verständnis dafür, wie wichtig der Wechsel zwischen Tun und Sein ist. So entsteht ein Yoga-Nidra-Erlebnis, das nicht nur beruhigt, sondern Menschen befähigt, aus innerer Kraft heraus das zu tun, was ihnen wirklich am Herzen liegt.

 
 
 

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02. Apr.

I totally agree that sustainable decisions are made step by step, and it's so important to find balance in our busy lives. Taking time for genuine rest isn't a luxury—it truly helps us make wiser choices and feel more grounded. For daily affirmations to really stick, try pairing them with moments of quiet reflection, like those suggested by Barbara Dopfer.

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