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Slow Parenting: Wie bewusstes Einrichten den Alltag mit Kindentschleunigt

  • Autorenbild: Redaktion
    Redaktion
  • vor 1 Tag
  • 4 Min. Lesezeit

Sicher kennst du es auch: Euer Familienleben ist geprägt von dem ständigen Gefühl, alles

unter einen Hut bekommen zu müssen und dem Wunsch, gleichzeitig möglichst wertvolle Zeit

mit deinem Kind zu verbringen. Stell dir jedoch einmal vor, wie es wäre, wenn der Alltag mit

deinem Kind sich sanfter und gelassener anfühlen würde. Genau hier setzt Slow Parenting an

ein Ansatz, der der zu mehr Bewusstsein einlädt.


Wie entschleunigt sich euer Alltag anfühlt, hängt nicht nur von der Menge eurer Termine oder

gut durchdachten Routinen ab, sondern auch von der Umgebung, in der ihr euch bewegt. Sie

kann Unruhe verstärken oder Gelassenheit schenken, überfordern oder Orientierung bieten.

Wie euer gemeinsames Zuhause gestaltet ist, kann deshalb einen enormen Einfluss darauf

haben, ihr euren Alltag erlebt.


In diesem Beitrag erfährst du, wie eine bewusst gewählte Einrichtung euren Familienalltag

spürbar entschleunigen kann, warum weniger oft mehr ist und wie kleine, gezielte

Veränderungen eine Umgebung entstehen lassen, die deinem Kind Sicherheit,

Selbstständigkeit und Orientierung schenkt – und euch beiden mehr Ruhe und Leichtigkeit im

gemeinsamen Alltag ermöglicht.


Deine innere Haltung ist der Grundstein


Bei Slow Parenting geht es vor allem um Entschleunigung und die innere Haltung, mit der du

deinem Kind begegnest. Es ist eine klare Entscheidung, den Entwicklungsweg deines Kindes

nicht ständig zu optimieren – und dein Kind als individuellen Menschen wahrzunehmen, der

nicht möglichst früh möglichst viel können muss.


Bild: Shutterstock
Bild: Shutterstock

Nicht jede Situation muss durch dich gelenkt werden. Wenn du deinem Kind Raum gibst,

eigene Erfahrungen zu machen, stärkst du sein Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten und

schaffst gleichzeitig mehr Gelassenheit für euren gemeinsamen Alltag.


Diese Haltung findet sich auch in der Montessori-Pädagogik wieder. Maria Montessori

bemerkte, dass Kinder von Natur aus eine tiefe Motivation in sich tragen, die Welt zu

entdecken. Unsere Aufgabe als Erwachsene ist es, ihnen eine Umgebung zu schaffen, in der

sie dieser inneren Motivation folgen können.


Wenn Haltung Raum bekommt


Wie du deinem Kind begegnest, zeigt sich auch in der Gestaltung eures Zuhauses. Findet sich

dein Kind zurecht und kommt selbstständig an seine Sachen heran? Oder sind sie schwer zu

erreichen, sodass dein Kind immer wieder auf deine Hilfe angewiesen ist? In der Montessori-Pädagogik folgt die Raumgestaltung einem einfachen Prinzip: Räume sind an die Bedürfnisse des Kindes angepasst. Alles ist auf Augenhöhe des Kindes ausgerichtet, zugänglich und übersichtlich sortiert. Das Kind ist nicht andauernd auf Unterstützung durch Erwachsene angewiesen. Diese Selbstständigkeit ist ein zentraler Schlüssel zur Entschleunigung eures Alltags.


Warum Räume den Alltag beeinflussen


Kinder reagieren sensibel auf ihre Umgebung. Zu viele Spielsachen, zu viele Optionen und

fehlende Struktur können schnell überfordern. Häufig zeigt sich dies durch Unruhe, Frust oder

Rückzug.


Ein klar strukturierter, ruhiger Raum hingegen wirkt ordnend auf das innere Erleben deines

Kindes. Es weiß, wo es seine Sachen findet und wohin es diese zurückräumen kann. Es findet

sich selbst zurecht und erlebt dabei Selbstwirksamkeit. All das reduziert Stress und schafft

Raum für Konzentration.


Bewusstes Einrichten bedeutet deshalb nicht, möglichst viel anzubieten, sondern das

Wesentliche für dein Kind erreichbar und überschaubar zu machen.


Konkrete Impulse für euren Alltag


Weniger Spielzeug – mehr Klarheit


Einer der wichtigsten Schritte hin zu einem entschleunigten Alltag ist die Reduktion von

Spielzeug. Anstatt viele Spielsachen in Kisten zu sammeln, werden wenige Materialien

sichtbar in offenen Regalen angeboten. Weniger Auswahl bedeutet weniger Ablenkung und

mehr Ruhe, Konzentration und vertieftes Spiel.


Tipp: Eine kleine Auswahl von vier bis sechs Materialien im Regal reicht aus, je nach Alter

deines Kindes. Diese kannst du regelmäßig austauschen und an die aktuellen Interessen

deines Kindes anpassen.


Weniger Stress beim Anziehen


Ist der Kleiderschrank kindgerecht gestaltet, kann sich das sonst oft stressige Anziehen positiv

verändern. Im Kleiderschrank kannst du deinem Kind beispielsweise drei Outfits anbieten,

übersichtlich präsentiert und auf Augenhöhe. So kann es eigenständig auswählen, welches es

anziehen möchte. An der Garderobe kannst du Jacken und Schuhe nach Wetterlage sortieren.

So kann dein Kind seinen Alltag aktiv mitgestalten und die Situation verliert an Eile.


Tipp: Bringe einen Spiegel auf Höhe deines Kindes an. Das fördert die Selbstwahrnehmung

und erleichtert Übergänge.


Selbstständigkeit beim Schlafen


Auch der Schlafbereich spielt eine wichtige Rolle beim Slow Parenting. Hier bietet sich die

Nutzung eines Bodenbettes an. Das ermöglicht deinem Kind, selbst zu entscheiden, wann es

ins Bett hineinklettert und wann es wieder aufsteht.


Bild: Shutterstock
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Auf viele Eltern wirkt das erst einmal beängstigend: Steht mein Kind dann nicht ständig auf? In

der Praxis zeigt es sich oft anders: Viele Kinder schlafen entspannter, wenn sie sich frei

bewegen können. Sie fühlen sich nicht eingeschlossen, sondern sicher. Gleichzeitig entfällt für

dich der Druck, ständig eingreifen zu müssen.


Tipp: Ein ruhiger, reizarmer Schlafbereich unterstützt diesen Prozess zusätzlich. Achte

außerdem darauf, dass die Umgebung kindersicher gestaltet ist.


Ordnung halten leicht gemacht


Ordnung entsteht nicht durch ständiges Aufräumen, sondern durch klare Strukturen. Wenn

jedes Teil einen festen Platz hat und dieser für dein Kind erreichbar ist, gelingt es viel

einfacher, diese Ordnung auch zu halten. Offene Regale mit kleinen Körben helfen deinem Kind, Verantwortung für seine Umgebung zu übernehmen. Es lernt, Dinge zurückzulegen, weil es versteht, wo sie hingehören. Das reduziert nicht nur Chaos, sondern auch Konflikte. Du musst weniger erinnern, weniger eingreifen und weniger korrigieren.


Tipp: Bringe kleine Bilder oder Symbole an die Körbe an, damit dein Kind auf Anhieb

erkennen kann, was in die Körbe hineingehört.


Kleine Schritte mit großer Wirkung


Du möchtest starten, weißt aber nicht, wie und wo du anfangen sollst? Keine Sorge: Du musst

nicht alles auf einmal verändern. Slow Parenting lebt von kleinen, bewussten Entscheidungen

im Alltag. Vielleicht beginnst du mit einem offenen Regal für Spielzeug oder mit einer kleinen

Garderobe im Eingangsbereich – dort, wo es für euch gerade sinnvoll ist.


Die Umgestaltung eures Zuhauses soll umsetzbar sein und sich nicht nach zusätzlichem

Stress anfühlen. Du kannst schon mit kleinen Schritten ein Zuhause für euch gestalten, das

Selbstständigkeit, Orientierung und Sicherheit schenkt – und in dem ihr einen entschleunigten

Alltag miteinander leben könnt.

 
 
 

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