Naturkosmetik: Natürliche Pflege im Fokus
- Lisa Gutzelnig

- vor 4 Tagen
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Wer bewusster leben möchte, braucht ehrliche Orientierung. Der „Nachhaltig leben“ Newsletter begleitet diesen Weg regelmäßig. Was vor einigen Jahrzehnten ein Segen für die Industrie zu sein schien, ist heute der Fluch unserer modernen Gesellschaft. Plastik ist nicht nur allgegenwärtig, sondern greift Umwelt, Natur und letztendlich auch unsere eigene Gesundheit an.

Nicht nur in unseren Lebensmitteln können sich Mikroplastikteile wiederfinden, sondern auch in Hygieneartikeln und Kosmetika. In unserem Badezimmer befindet sich also mehr Plastik, als uns lieb ist: Pflegeprodukte sind häufig nicht nur in Kunststoff verpackt, sondern enthalten zum Teil sogar Mikroplastik, das an den Körper abgegeben wird.
Ob Duschgel, Shampoo, Peelings oder Zahncreme – viele Firmen verwenden Plastik bei der Herstellung. Gut getarnt als scheinbar nachhaltige Produkte finden auch Mikroplastik-haltige Deodorants, Lippenstifte, Haarfarben, Haarsprays und Gesichtsmasken schnell ihren Weg in unsere Regale.
Wie Mikroplastik uns belastet
Jeder kennt das gute Gefühl nach dem Zähneputzen: Beläge und Essensreste sind entfernt, die Zähne strahlen und der Atem duftet frisch nach Minze – meist ein Ergebnis herkömmlicher, nicht nachhaltiger Zahnpasta aus der Plastiktube. Über die dünne Mundschleimhaut können giftige Substanzen jedoch schnell in die Blutbahn gelangen. Kunststoffpartikel befinden sich zudem in der Luft, im Grundwasser, im Meer, in Flüssen und im Boden – und sogar in unserer Zahnbürste.
Studien zufolge nehmen wir bis zu fünf Gramm Plastik pro Woche auf – das entspricht dem Gewicht einer Kreditkarte. Noch ist unklar, wie sich Mikroplastik langfristig auf das menschliche Gehirn auswirkt. Sicher ist jedoch, dass Lebewesen sehr viel Mikroplastik aufnehmen und es vermutlich zu Ablagerungen kommt. Da Kunststoffe erst seit gut 100 Jahren existieren, konnte die Evolution noch keine Enzyme entwickeln, die Plastik abbauen.
Mikroplastik in Zahnpflegeprodukten
Die gute Nachricht: In Deutschland sind Zahncremes seit 2014 frei von Mikroplastik. Bis dahin war vor allem das Kunststoffgranulat Ethylen-Vinylacetat-Copolymer (EVA) problematisch, das als Putzkörper in vielen Pasten enthalten war. Ausnahmen sind heute nur noch einige Haftcremes für dritte Zähne, Weißmacherstifte sowie Zahnfleischpflegegele. Manche Mundspülungen enthalten weiterhin Polyethylenglycol (PEG), das als schwer abbaubar gilt.
Unsichtbar, nicht ungefährlich
Als Mikroplastik werden winzige Kunststoffpartikel bezeichnet, die z. B. auch aus Plastikflaschen ins Getränk gelangen können. Dadurch können sie unbemerkt in unseren Körper wandern und sich in der Umwelt weiter anreichern.
Dieses unsichtbare Problem zeigt, wie stark unser Konsumverhalten ökologische Kreisläufe beeinflusst. Es erinnert daran, dass nachhaltige Alternativen und bewusster Konsum einen wichtigen Beitrag zu unserer Gesundheit und zum Schutz der Umwelt leisten können.

Aus Holz
Die Bambus-Zahnbürsten von Goldrick werden im Viererpack ausgeliefert und beugen mit unterschiedlichen Symbolen auf dem Handstück Verwechslungsgefahr vor. Die BPA-freien Bürsten haben eine Wellenform und sind passend für jede Mundgröße. Der abbaubare Griff ist ungefärbt und besteht aus schnell wachsendem Moso-Bambus, der sich durch seine natürliche antibakterielle Wirkung auszeichnet.
Kleines Detail zu dem Gewächs: Es ist eine der am schnellsten wachsenden Pflanzen weltweit und verwandelt mehr Kohlendioxid in Sauerstoff als Bäume.

Nachhaltige Alternativen zur Bürste
Die meisten herkömmlichen Zahnbürsten bestehen weiterhin komplett aus Plastik – sowohl der Griff als auch die Borsten. Beim Zähneputzen gelangt dadurch Mikroplastik ins Wasser und potenziell auch in den Körper. Zudem entstehen enorme Mengen Plastikmüll, denn Zahnbürsten sollten spätestens alle zwei Monate gewechselt werden.
Ein Rechenbeispiel: Wechselt jede Person in Deutschland alle drei Monate die Zahnbürste, ergibt sich bei einer Lebenserwartung von 80 Jahren rund 250 Bürsten pro Person – insgesamt etwa 249 Millionen Zahnbürsten pro Jahr. Dabei gibt es längst Alternativen.
Bambus- oder Naturholzzahnbürsten sind kompostierbar, frei von Weichmachern und deutlich nachhaltiger. Das Unternehmen Hydrophil produziert beispielsweise Bürsten aus Bambus mit Borsten aus Rizinusöl. Weitere Alternativen aus Horn, Holz oder Naturhaar sind umweltfreundlich, fühlen sich weicher an und sind besonders schonend für Haut und Haar.
Feste Pflege als plastikfreie Lösung
Die einfachste Maßnahme für ein plastikarmes Bad ist so simpel wie effektiv: Verwenden Sie statt flüssigem Duschgel und Handseife einfach ein Stück Seife. Flüssigprodukte sind oft in Einwegplastik verpackt und können zusätzlich flüssiges Mikroplastik enthalten.
Dasselbe gilt für Shampoo und Spülung: Feste Shampoos oder Haarseifen duften herrlich, schäumen gut und sparen kiloweise Plastikmüll. Besonders praktisch sind sie auf Reisen oder im Fitnessstudio – denn feste Seifen lassen sich leicht in Wachstücher einwickeln und sicher transportieren.
Wir lieben z. B. wunderbare Seifen für Haut und Haar von Junglück sowie Therefore Beauty und finden, dass die Umstellung auf feste Pflegeprodukte angenehm schnell gelingt.
Wie Mikroplastik Entzündungen fördert
Laut Verordnung, die am 27. September 2023 zu einem europaweiten Verbot von Mikroplastik veröffentlicht wurde, versteht man unter Mikroplastik synthetisch hergestellte, feste, wasserunlösliche und biologisch nicht abbaubare Kunststoffteilchen. Um als Mikroplastik zu gelten, müssen diese kleiner als 5 mm sein.

Man unterscheidet zwischen:
• Primärem Mikroplastik: gezielt eingesetzte Partikel, z. B. in Peelings oder Lidschatten
• Sekundärem Mikroplastik: entsteht durch Zerfall größerer Kunststoffteile in der Umwelt
Mikroplastik findet sich inzwischen nicht nur im Ökosystem, sondern auch in menschlichen Organen. Italienische Forschungsteams entdeckten Mikroplastik-Splitter in verstopften Arterien, was das Risiko für Schlaganfälle oder Herzinfarkte verdoppelte. Zahlreiche Studien zeigen zudem, dass Mikroplastik Entzündungen fördert und das Immunsystem belastet.
Fazit
Der Weg zu einem plastikfreien Badezimmer beginnt mit einer Bestandsaufnahme und einem kritischen Blick auf die Inhaltsstoffe – oder mit Hilfe einer App wie CodeCheck: Einfach den Barcode scannen und schon zeigt die Anwendung Mikroplastik, kritische Chemikalien, Palmöl oder andere problematische Stoffe an. Auch der BUND e. V. bietet eine App zur Orientierung beim Einkauf. Für weniger Plastik im Bad braucht es nicht zwingend selbstgemachte Kosmetik – oft reichen schon bewusste Alternativen.
Plastikfreies Bad: Starten Sie in kleinen Schritten
Verwenden Sie Bambuszahnbürsten statt Plastikzahnbürsten.
Greifen Sie zu Stückseife statt Duschgel in Plastikflaschen.
Nutzen Sie festes Shampoo oder Haarseife.
Reinigen Sie Ihr Gesicht mit Abschminkpads aus Baumwolle oder einem
Waschlappen statt Einweg-Wattepads.
Verwenden Sie Systemrasierer oder Rasierhobel anstelle von Einwegrasierern
aus Plastik.
Tragen Sie cremiges oder festes Deo statt Sprühdeos mit Plastikverpackung auf.



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