Sylter Schafe: Wie Wanderschafe Deiche und Artenvielfalt schützen
- Lukas Wenzel-Horner

- vor 1 Tag
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Sylt im Schafspelz: wollig und wichtig

Auf Sylt ziehen Schafe seit Jahrhunderten als wollene Landschaftspflegerinnen über die Insel. Mit jedem Schritt verdichten ihre Klauen die Grasnarbe an den Seedeichen, ein Effekt namens »Goldener Tritt«, der die Wälle bei schweren Sturmfluten zusammenhält. Auf den nährstoffarmen Heideflächen halten die Tiere das Grün kurz, knabbern unliebsame Sträucher zurück und lassen seltenen Wildpflanzen Licht.
Hinter den entspannt grasenden Herden stecken Familienbetriebe und eine Wanderschäferin, die ihre Tiere das ganze Jahr unter freiem Himmel halten. Die robusten Fjordland- und Mutterschafe sind an Wind, Salz und Kälte perfekt angepasst, schon die Wikinger nahmen die alten Rassen mit auf ihre Fahrten. Der Erlös aus der Schur deckt heute kaum noch die Kosten, doch ohne die vierbeinigen Pflegetrupps würde Sylt sein vertrautes Gesicht binnen weniger Sommer verlieren.

2.000 unterschiedliche Lebewesen können Schätzungen zufolge zeitweise im dichten Wollkleid eines einzigen Sylter Wanderschafs reisen – Samen seltener Pflanzen, Sporen, winzige Insekten und Spinnen. Beim weiteren Weidegang streifen die Tiere ihre kleinen Untermieter nach und nach wieder ab. So gelangen geschützte Arten quer über die ganze Insel, von Heide zu Heide, von Salzwiese zu Salzwiese.



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