• Michaela Hocek

Nachhaltige Technik - Interview mit Michael Smetana und Gernot Hochfellner


v.l.n.r.: AfB-GF Gernot Hochfellner, HP-GF Michael Smetana und AfB-GF Kurt Essler Foto: AfB GmbH

»2021 hat AfB mehr als 58.600 IT- und Mobilgeräte verarbeitet. 2022 soll diese Anzahl um 20 Prozent steigen.«


Wie ist es zur Kooperation zwischen HP Österreich und AfB gekommen?

Michael Smetana: Auf der Suche nach einer möglichst ressourcenschonenden Lösung für die Wiedervermarktung beziehungsweise Entsorgung sind wir mit AfB ins Gespräch gekommen. Bei HP gibt es bereits eine globale Lösung – allerdings war es uns wichtig, dass die Wertschöpfung in Österreich bleibt, um eine Kreislaufwirtschaft mit sehr kurzen Transportwegen zu ermöglichen.


Waren die Auswirkungen der Pandemie entscheidend oder gab es schon vorher Motivation in diese Richtung?

Michael Smetana: HP Österreich setzt über den kompletten Produktlebenszyklus auf Nachhaltigkeit. Bei HP beginnt das mit dem Design der Produkte: Wir nutzen recycelte Materialien bei der Herstellung, setzen konsequent auf umweltverträgliche Verpackungslösungen, reduzieren den Energieverbrauch in der Nutzung, setzen auf eine einfache Reparierbarkeit der Produkte und bieten eine fachgerechte Entsorgung der Altgeräte.


Wie stark steigt die Beliebtheit von IT-Refurbished-Geräten beim Konsumenten?

Gernot Hochfellner: Die Bereitschaft bei Firmen und Konsumenten professionell wiederaufbereitete IT-Hardware zu nutzen, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Vielen Menschen wird ein sparsamer Umgang mit Ressourcen immer wichtiger.

Michael Smetana: Gleichzeitig werden wir mehr denn je mit der Frage konfrontiert, was mit den Altgeräten passiert – eine nachhaltige, lokale Lösung ist hier ein wichtiges Argument im Gespräch mit dem Kunden.


Was sind die Vorteile? Welche IT-Hardware wird am liebsten runderneuert gekauft?

Gernot Hochfellner: Geschätzt werden AfB-Geräte zu günstigen Preisen insbesondere von Unternehmen, Bildungseinrichtungen, NGOs und gemeinnützigen Organisationen sowie Menschen aus sozial schwächeren Einkommensschichten oder Menschen, denen der sparsame Umgang mit Ressourcen ein besonderes Anliegen ist. In der Corona-Pandemie waren wir vor allem auch wichtiger IT-Hardware-Ausstattungspartner für Homeoffice- oder Home-Schooling-Bedarf. Generell gefragt sind vor allem Notebooks, Tablets und Smartphones.


Wie aufwändig ist es für Kunden, ein Altgerät abzugeben? Wie funktioniert es genau?

Gernot Hochfellner: Für unsere Kunden/Partnerunternehmen ist es überhaupt nicht aufwendig. Ihre gebrauchten, ausgemusterten IT-Geräte werden von uns österreichweit von den jeweiligen Unternehmensstandorten unserer Partner abgeholt, inventarisiert, Revisions- und EU DSGVO-konform mittels Blancco zertifiziert gelöscht, repariert, getestet, gereinigt und anschließend für die Wiedervermarktung aufbereitet. Altgeräte, die für eine Wiederaufbereitung nicht mehr geeignet sind, werden fachgerecht zerlegt, Rohstoffe wieder verwertet beziehungsweise ordnungsgemäß entsorgt.


Sind auch Unternehmen offen für Refurbished-Varianten?

Gernot Hochfellner: Das Thema, Nachhaltigkeit an den Beginn des Lifecycles zu setzen, betreiben wir bereits seit einigen Monaten. Das Interesse der Unternehmen beginnt hier seit Fortbestand der anhaltenden Lieferproblematik größer zu werden. Mittlerweile gibt es neben den klassischen Endkunden auch im Reseller-Bereich Unternehmen, die hier mit uns gemeinsam Projekte generieren möchten.

Michael Smetana: Wichtig: Es gibt kein Schwarz oder Weiß. Mehr und mehr Unternehmen sind bereit, den Einsatz anwendungsbezogen zu denken. Während im Entwicklungsteam eine leistungsstarke Workstation neuester Generation gefragt ist, reicht oft ein Refurbished- Notebook für die Standardanwendungen an einem klassischen Office-Arbeitsplatz aus.


Neben der Ressourcenschonung ist beiden Unternehmen auch Inklusion wichtig. Wie schlägt sich diese im Arbeitsalltag nieder?

Michael Smetana: Eine gelebte Vielfalt sowie eine Wertschätzung von Unterschieden ist in beiden Unternehmen eine Selbstverständlichkeit. Gleichberechtigung und Inklusion sind uns wichtige Anliegen und werden durch Schwerpunktprogramme im Alltag gefestigt, erst vor wenigen Tagen gab es zum Beispiel eine Diversity-Week bei HP mit speziellen Vorträgen, um die Diskussion und den Austausch darüber lebendig zu halten.

Gernot Hochfellner: Als Inklusionsunternehmen schaffen wir – im Unterschied zu „geschützten Werkstätten“ – für behinderte Menschen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Bei uns arbeiten Menschen mit Behinderung in allen Bereichen, von der Logistik und Technik über die Verwaltung bis hin zu Lager, Verkauf, Beratung und Entwicklung. Sie übernehmen bei uns wertvolle Aufgaben im Kerngeschäft der IT-Dienstleistung, haben klar definierte Kompetenzbereiche, treffen Entscheidungen und sind in den Teams als vollwertige Mitarbeiter integriert. Die Kernfrage für eine erfolgreiche Inklusion ist, wie Menschen mit Beeinträchtigung bestmöglich in den Arbeitsprozess und in die Arbeitsabläufe eingebunden werden können, welches Arbeitsumfeld und welche Rahmenbedingungen vom Unternehmen zu schaffen sind, sodass sie genau ihre spezifischen Stärken entsprechend auch entfalten können. Und dieses Arbeitsumfeld bedeutet bei uns beispielsweise die einzelnen Tätigkeiten, wie die Datenlöschung oder die Geräte-Zerlegung und -Prüfung, sowie die Reparatur und Wiederaufbereitung in möglichst kleine überschaubare, standardisierte Prozesse und Aufgaben zu organisieren, damit diese auch einfach zu bewältigen sind. All unsere Arbeitsprozesse sind barrierefrei und so ausgelegt, dass sie auch von beeinträchtigten Menschen mit hoher Qualität ausgeführt werden können.