Nachhaltige Resilienz: Wie Achtsamkeit und Balance unsere Zukunft stärken
- Lisa Gutzelnig

- vor 7 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
Wenn „Back to Normal“ nicht mehr funktioniert

Wenn uns ein kritisches Lebensereignis heimsucht, wünschen wir uns oft sehnlichst, dass alles bald wieder beim Alten ist. „Everything back to normal“ – so steht es dann oft auf dem Wunschzettel, den wir ans Universum schicken. In Wahrheit geschieht das aber nie. Alle großen Veränderungen im Leben hinterlassen Spuren, auf unserer Haut, auf unserer Seele und in unserem Selbst. Eine Trennung, eine Krankheit, eine Kündigung oder der Verlust eines lieben Menschen. All das sind Ereignisse, die uns fundamental beeinflussen. Sie verändern unser Selbstbild, wie wir uns selbst erleben und die Welt, in der wir leben. Ruhe und Beständigkeit ist sich der Gesundheitswissenschaftler Brad Stulberg sicher, gab es in Wahrheit nie und wird es niemals geben.
Robuste Flexibilität
Die innere Haltung, die diese Veränderung akzeptiert, bezeichnet der Wissenschaftler als „robuste Flexibilität“. Die Faszination ist: Wir reagieren dann mit Beständigkeit und Anpassungsfähigkeit zugleich. „Robuste Flexibilität erkennt an, dass es nach Phasen der Unordnung kein Zurück mehr gibt zum Zustand davor“ schreibt Stulberg. Es gibt keinen Weg zurück, einzig und allein eine Neuordnung ist möglich. Eine verheilte Haut nach einer Narbe wird nie mehr so glatt sein, wie sie zuvor war. Für Stulberg ist daher eine „robuste Flexibilität“ die wichtigste Tugend unserer Zeit, sowohl für private Schicksalsschläge als auch für globale Krisen, die wir gerade erleben.
Wir ignorieren oft vieles was unseren Annahmen über die Welt zuwiderläuft. Eine Art Schutzmechanismus. Starke Abweichungen von unseren Erwartungen kosten unserem Gehirn große Mengen an Mühe und Energie. Und was immer unserem Gehirn Energie kostet, sorgt dafür, dass wir uns persönlich „unsicher, entmutigt, gereizt, getresst“ fühlen. Und Stress an sich ist nichts anderes als ein Angstzustand. Eine automatische Reaktion auf einen Vorhersagefehler unseres Gehirns. Deshalb belasten uns Veränderungen so sehr. Heute begreift die moderne Hirnforschung unser Gehirn als eine Art Vorhersagemaschine. Die Gedanken mit denen wir unser Gehirn füttern, produzieren schließlich unsere Realität. Wir sehen die Welt also nicht wie sie ist, sondern wie wir sie antizipieren.
Derjenige der damit rechnet, dass alles sich wandelt, wird von Veränderungen nicht am falschen Fuß erwischt. Man erwartet also, dass um die Ecke des Lebens immer auch ein bisschen Leid zu finden sein wird. Das Leben kann durchaus und überwiegend ein unbeschwerter Ponyhof sein, wenn man auch bereit ist ab und an die Pferdeboxen zu misten. Derjenige, der im Leben bereit ist auch mal eine Portion Leid und Mühe auf sich zu nehmen, der wird nicht überrascht sein, wenn das Ereignis auch tatsächlich eintritt.
Innere Werte als Leitlinie durch schwierige Zeiten
Ein grandioses Beispiel für Anpassungsfähigkeit und robuste Flexibilität bietet die beeindruckende Geschichte des Malers Serge Hollerbach (1923 – 2021) welcher mit 70 Jahren bemerkte, dass etwas mit seiner Sehkraft nicht stimmte. Nach dem zweiten Weltkrieg wanderte Hollerbach aus Europa in die USA aus und wurde dort zu einem erfolgreichen Maler. Nach Jahrzehnten seines künstlerischen Schaffens erhielt er also eine niederschmetternde Diagnose. Er litt an einer unheilbaren Augenkrankheit und würde die Welt zukünftig nur mehr sehr verschwommen wahrnehmen können. Aber anstatt sich zurück zu ziehen oder depressiv zu werden, malte Hollerbach einfach weiter. Kurz bevor er starb, erzählte er, dass die teilweise Erblindung für ihn fast eine Art Befreiung gewesen war. „Wenn ich keine Details mehr malen kann, dann kann ich es anders umso besser ausdrücken. Nämlich: mich selbst“. Hollerbach malte seitdem nicht mehr Bilder mit seinen Augen, sondern mit seiner Seele.
Der österreichische Psychiater Viktor Frankl bezeichnete genau diese Lebenseinstellung als tragisch-optimistisch. Ein tragisch optimistischer Mensch wird trotz allem, immer JA zum Leben sagen. Robuste Flexibilität entsteht also zum einen durch einen bestimmten Blick auf die Welt. Und sie gedeiht durch eine zweite Eigenschaft: durch eine neue Perspektive auf unser Selbst.

Innerer Kompass weist uns den Weg durch das unruhige Meer der Zeit
Mit Veränderungen rechnen, nicht erwarten dass wir danach noch dieselben sein werden, die Leidenschaften und Begabungen harmonisch über das Leben verteilen – diese Techniken machen uns flexibel. Aber was macht uns innerlich stabil?
An der Universität Pennsylvania wurde eine spannende neurowissenschaftliche Studie durchgeführt. Die Studienleiterin Emily Falk und ihr Team legten 40 freiwillige Teilnehmer:innen in einen Hirnscanner. Alle verdienten ihr Geld mit einer sitzenden Tätigkeit. Während sie der Röhre lagen, bespielte man sie mit bedrohlichen Aussagen „Je mehr Sie sitzen, desto mehr schadet es Ihrem Körper.“ „Ein sitzender Beruf erhöht das Risiko für Diabetes“. Normalerweise reagieren wir Menschen auf solche Botschaften nicht mit Vernunft, sondern erfinden Ausreden um diese Aussagen von uns fern zu halten, uns die Sache vom Leib zu halten. Wir denken diese Studien seien reine Panikmache oder „mich betrifft das nicht“.
Einigen Proband:innen hat Emily Falk vor dem Scan sogenannte Sonderaufgaben verschrieben. Sie sollten einen Aufsatz schreiben über ihre inneren Werte, die ihnen für ihr Leben und Selbstbild wichtig sind. Die Studie zeigte, dass diese Proband:innen mit der Werteübung viel offener waren, die als bedrohlich wirkenden Aussagen auch wirklich anzunehmen. Sie blockten die Information nicht von vornherein ab, sondern änderten ihr Verhalten im Anschluss tatsächlich, trieben regelmäßiger Sport und ernährten sich gesünder. Das Nachdenken über ihre eigenen Werte und Identität machte es ihnen möglich, Veränderungen durchzusetzen. Die Studie zeigt, sobald wir uns auf unsere innersten Werte besinnen, können wir trotz aller Veränderungen im Außen dieselben bleiben.
Wir sind nicht der Mittelpunkt des Universums - wie wir Ehrfurcht trainieren können
Unsere Probleme werden manchmal kleiner wenn unser „Ich“ oder unser „Ego“ kleiner wird, wenn wir uns also selbst nicht als Mittelpunkt des Universums sehen. Dieses Gefühl kommt zum Beispiel oft, wenn wir auf einem Berggipfel stehen und ehrfürchtig ins Tal schauen, oder wenn wir in einem Flugzeug fliegen. Im Englischen nennt man diesen Zustand „awe“ im deutschen heißt er „Ehrfurcht“. Der Sänger Reinhard Mey hat diesen Zustand besungen in seinem Lied „über den Wolken“: wenn wir durch die Lüfte schweben, werden nicht nur unsere Probleme, sondern auch wir selbst „nichtig und klein.“ Awe besteht also darin, uns für ein paar kleine Augenblicke mal klein und unbedeutend vorzukommen. Eine Studie hat ergeben, dass durch die Adern der Menschen die „awe“ täglich praktizieren, weniger Interleuktin fließt, ein Molekül, das Hinweise auf Stress und innere Entzündungen liefert. Was kann man also tun, um uns öfter mal in einen Zustand der inneren Ehrfurcht zu bringen? Die Antwort ist einfach: Bewusstseinstraining.

Der Blick auf die kleinen Wunder der Welt bewirkt ein kleines psychologisches Wunder
Der Psychologe Dacher Keltner fand die Antworten darauf in einem beeindruckend simplen Experiment. Er forderte Senior:innen auf, regelmäßige Spaziergänge zu unternehmen. Die Hälfte von ihnen bekam eine Zusatzanweisung: Sie sollten die Route in der Nähe von Seen, Parks und Flüssen wählen oder sich in Wäldern bewegen. Er ermunterte sie, bewusst innezuhalten, wenn sich irgendwo ein ganz besonders beeindruckender Anblick bot und Pausen einzulegen. Beispielsweise um die Blätter der Bäume zu betrachten. Von Woche zu Woche erlebten die Versuchspersonen mehr „awe“. Sie trainierten sich ihre Ehrfurcht vor der Schöpfung regelrecht an, sie fühlten sich weniger niedergeschlagen und verspürten weniger Stress. Momente der Ehrfurcht machen uns offenbar stabil für die Veränderungen, die im Leben unausweichlich sind.
Bewusstseinsurlaub – diese Hotels bieten Kurse zur Bewusstseinsstärkung
Sie möchten sich öffnen für das Schöne im Leben, entschleunigen, Ehrfurcht trainieren und Ihre ureigene Lebenskraft nachhaltig stärken? Wir haben eine kleine Auswahl an TOP Hotels für Sie zusammengestellt, die in verschiedenen Kursen Bewusstseinsbildung anbieten.
Naturhotel Chesa Valisa im Kleinwalsertal in Österreich

Erleben Sie täglich vier Stunden intensive Meditations- und Achtsamkeitsübungen im Seminarraum, ergänzt durch meditative Spaziergänge in der beeindruckenden Natur. Diese kraftvolle Kombination, teilweise in Stille, öffnet den Raum für tiefere Gelassenheit, innere Akzeptanz und klare Gedanken. Mit gezielten Übungen zur „Achtsamkeit im Alltag“ lernen Sie, schwierigen Gedanken und Emotionen mit mehr Leichtigkeit und Bewusstsein zu begegnen.

5 Tage Intensivwoche Meditation & Achtsamkeit mit Thomas Schneider –
ab € 675,- pro Person
4 Tage „Energietage – für mehr Resilienz im Alltag“ - ab € 1.183 pro Person.
Resort Schenna: Mindfulness Urlaub in Südtirol

Das Meditations- und Retreat-Hotel Schenna in Südtirol ist der ideale Ort, um die Kraft der Meditation zu erleben und die innere Balance wiederherzustellen. Das Hotel bietet regelmäßige Meditationssitzungen an, die von erfahrenen Lehrer:innen geleitet werden. Darüber hinaus bietet es spezielle Retreats an, die sich ganz der Meditation und dem spirituellen Wachstum widmen. In der ruhigen und inspirierenden Umgebung des Hotels können Sie sich ganz auf Ihre Meditationspraktiken konzentrieren und die transformative Kraft und heilende Kraft der Stille erleben.

Ein Auszug aus dem Mind & Soul Programm im Hotel Schenna:
Geführte Meditation „Quelle des Lichts“
Geführte Körpermeditation
Klangschalenreise
Bewusstseinsworkshop
Sinnesreise



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