• Christoph Lumetzberger

KLEIN, KLEINER, EIGENHEIM

Leben auf kleinstem Raum ist keine Belastung, sondern kann befreiend wirken. Ein Tiny House ermöglicht eine völlig neue Art von Behausung. Wir geben einen Überblick.



Dass unser Credo „höher, schneller, weiter“ nicht ewig Bestand haben kann, muss uns allen bewusst sein. Der Wunsch nach immer mehr Geld, mehr Möglichkeiten und mehr Einfluss kann nur unweigerlich irgendwann ein abruptes Ende finden. Denn ein altes Sprichwort besagt, dass der Krug so lange zum Brunnen geht, bis er bricht. Nicht anders ist es auch mit unserer Art zu Leben. Während die Preise für Mieten, speziell in den Ballungsräumen der Republik, ins Uferlose steigen, klettern auch die Quadratmeterpreise für den Bau eines Eigenheims auf Rekordniveau. Diesen Preisexplosionen muss unweigerlich früher oder später Einhalt geboten werden, sonst ist Wohnraum für den Durchschnittsbürger bald nicht mehr bezahlbar.


Einen Schritt aus dieser Spirale können Wohnwagons, sogenannte Tiny Houses sein. Wirft man nur einen kurzen Blick darauf, wirkt eine solche Art zu leben oftmals noch wie ein urbaner Wunschtraum und ein Wohnexperiment, welches nur den gröbsten Ökoaktivisten Genüge tut. Auf den zweiten Blick erkennt man jedoch, dass diesem modernen Wohnraum weitaus mehr Vorteile zugrunde liegen, als man denkt und dass die potenzielle Zielgruppe weitaus höher sein könnte, als angenommen. Kann man sich mit gewissen Einschränkungen arrangieren, bietet die Wohnmöglichkeit eines Tiny Houses allerhand Freiheit und Unabhängigkeit für verhältnismäßig wenig Geld – zumindest auf Sicht. Denn was man zweifelsohne erkennen und sehen muss, dass gerade mobile Lösungen mit relativ wenig Aufwand an fast jeden beliebigen Standort gebracht werden können. Angehängt an ein Zugfahrzeug, kann die Aussicht vor dem Wohnzimmerfenster in Windeseile getauscht werden – und man blickt morgens nicht mehr auf eine grüne Wiese, sondern auf einen See oder in eine Parkanlage, je nachdem, wo man sein Tiny House platziert.



Man muss den Mut ­haben, sich von ­vielen Dingen zu trennen. Danach wirkt es jedoch sehr befreiend!

Kompakter Wohnraum, intelligent aufgeteilt und jeder Quadratmeter optimal ausgenutzt, das ist das Grundprinzip einer solchen Lösung. Trotz der geringen Wohnfläche muss nur auf wenige Annehmlichkeiten einer herkömmlichen Wohnung verzichtet werden. Nicht selten finden sich ein Cerankochfeld, ein Flachbildfernseher oder eine Badewanne in einem solchen Tiny House. Standardeinrichtungsgegenstände wie etwa ein kleiner Küchentisch, eine Couch oder ein Bett sind selbstverständlich. Die Spannweite an Möglichkeiten geht weit auseinander und der Kreativität sind beinahe keine Grenzen gesetzt. Selbst eine kleine Büronische, eine verbaute Infrarotkabine oder ein bequemer Massagestuhl wurden schon in solchen Minihäusern untergebracht. Dass man auf lebensnotwendige Dinge wie elektrischen Strom, fließend Wasser oder einen Internetanschluss nicht verzichten muss, ist wohl selbstredend. Allerdings ist dazu auch die nötige Infrastruktur außerhalb des Hauses, etwa am ausgewählten Stellplatz, vonnöten.


Dass man sich als Bewohner eines Tiny Houses auch mit gewissen Nachteilen herumschlagen muss, steht außer Frage. Diese betreffen jedoch zumeist den begrenzt zur Verfügung stehenden Platz und damit einhergehend auch Probleme, sein gesamtes Hab und Gut auch platzsparend unterzubringen. Manche Vorurteile, mit denen ein Tiny House-Bewohner ab und an konfrontiert wird, sollten hingegen gar nicht erst ins Gewicht fallen. Denn hat man sich erst einmal für diese Art zu leben entschieden, so ist der Mensch hinter dieser Entscheidung in aller Regel mit sich selbst im Reinen, und kann damit gut umgehen. Außerdem sind saloppe Vergleiche mit Wohnwägen oder Wohnmobilen ohnehin obsolet, da ein Wohnwagon für die Dauernutzung ausgelegt ist.