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  • AutorenbildLisa Gutzelnig

Empathie auf vier Hufen - Nachhaltig gesunden durch pferdegestützte Therapie

Als Herdentier sucht es Gemeinschaft und Verbundenheit. Als Fluchttier ist es von ­Natur aus trainiert äußerst feinfühlig Anspannungen, Körperhaltung, Atmung und Gefühle wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Pferde sind Experten in Achtsamkeit und feiner Verbindung. Sie bringen ganz besondere und vielfältige Fähigkeiten mit sich, den Menschen ganzheitlich anzusprechen. Sie sind Meister der Wahrhaftigkeit.


Die wundervollen Fähigkeiten der Pferde werden immer häufiger in der pferdegestützten Therapie eingesetzt, denn sie spiegeln unser Verhalten direkt und unwillkürlich. Sie lassen sich nicht durch Oberflächlichkeiten wie Statussymbole, dem äußerlichen Erscheinungsbild oder gar einen Doktortitel beeinflussen. Pferde leben seit jeher im Herdenverband und sind sehr sozial. Dabei spielen die menschlichen Bewertungssysteme keine Rolle. Ein Pferd reagiert hochsensibel auf unbewusste Signale (Atmung, Muskelspannung, Körperhaltung, Gestik usw). Auf dieser Ebene kommuniziert es mit uns und reagiert unwillkürlich und unverfälscht auf das, was wir wirklich empfinden. Sie haben keine Vorurteile und bevorzugen eine vertrauenswürdige Person, egal ob gesund, krank oder körperlich oder seelisch eingeschränkt. All das ist für sie nicht relevant. Sie nehmen uns an, als das, was wir sind. Sie urteilen nicht über unsere Schwächen und sind nicht nachtragend, so dass wir unsere Seele baumeln lassen können. Wir können hierbei auf die Kraft, Energie und Echtheit des Lebewesens Pferd vertrauen.


Körperliche Schwingungen


Körperlich profitieren Patienten beim Reiten von den dreidimensionalen Bewegungsimpulsen, die vom Pferderücken an unser Becken weitergeleitet werden. Bei einem Großpferd sind dies allein im Schnitt ca. 100 pro Minute. Diese Impulse ähneln dem Gangbild des Menschen. Dies ist zum Beispiel ein wichtiger Aspekt für Patienten, die bestimmte Bewegungsabläufe neu erlernen müssen. Denn beim Reiten wird unser Gehirn an diese Bewegungen erinnert bzw. neu gewöhnt und trainiert. Die Bewegungsabläufe werden flüssiger und die Kontrolle über die einzelnen Gliedmaßen nachhaltig verbessert.


Die Schwingungen des Pferderückens sorgen gleichzeitig für eine Entspannung der Muskulatur in den Gliedmaßen und gleichzeitig für eine höhere Spannung der Rumpfmuskulatur. Die Wirkung ist also auf verschiedene Muskelgruppen gleichzeitig entkrampfend und muskelstärkend. Nebenbei wird währenddessen die Koordinationsfähigkeit, das Gleichgewicht und das Raum-Lage-Gefühl verbessert.


Seelische Schwingungen – Traumatherapie mit Pferden


Das Pferd bewegt den Menschen aber nicht nur rein äußerlich, körperlich, sondern es bewegt uns auch innerlich, löst Emotionen, Blockierungen und Erstarrungen. Es scheint, dass durch sich mit dem Pferd synchronisierende Körperhaltungen und Bewegungen nicht nur ein emotionales Sich-Einschwingen und eine große Beziehungsoffenheit einhergehen, sondern dass darüber hinaus eine durchlässigere Beziehung zur eigenen Innenwelt möglich wird. Die emotionale Verbundenheit mit einem anderen Lebewesen – ganz besonders in Verbindung mit körperlicher Berührung – öffnet hin zu den eigenen, unter Umständen lange unterdrückten oder unbewusst gehaltenen Emotionen und zum eigenen Selbst. Es ist mehr als erwiesen, dass Pferde in der Therapie dem traumatisierten Menschen helfen können, ihr Trauma zu bewältigen. Dabei geht es nicht darum, die Erinnerung auszuknipsen, sondern es geht darum, einen Zugang zu seinem gesunden ICH zu bekommen und einen großen Abstand zum Erlebten zu gewinnen. Das Zauberwort heißt emotionale Abgrenzung. Pferde bringen den Menschen immer wieder an den Punkt, dass er aus mehr besteht, als die im Moment dominierende traumatisierende Erfahrung mit ihren Begleiterscheinungen. Sie helfen in die Stabilität zu kommen und konzentrieren den Betroffenen auf die Wunder des Lebens.


Güte, Milde, Sanftmut und Beistand - Der richtige Therapeut


Mensch durch Pferd - Seit fast 10 Jahren arbeitet Silke Ritthaler sehr erfolgreich als Therapeutin für tiergestützte Therapie. Und das mit tiefer Hingabe und Freude.

Silke ist Therapeutin für pferdegestützte Therapie und arbeitet Psychotherapie begleitend Hand in Hand mit dem Traumatherapeuten. So entsteht ein ganzheitlicher Ansatz in der Traumatherapie mit Pferden, der für den traumatisierten Menschen optimal ist. Emotionale Blockaden werden durch die Körpersprache am Pferd deutlich, die so behutsam gelöst werden können. Manche Blockaden werden, so Silke Ritthaler, nur in die Sichtbarkeit geholt, bleiben jedoch geschlossen und werden erst dann im therapeutischen Prozess bearbeitet, wenn der Zeitpunkt dafür reif ist. Viele traumatisierte Menschen wollen mit dem Erlebten nicht sofort und direkt wieder konfrontiert werden. Daher ist der Zugang zur Seele über die Pferde, für die Expertin, das optimale Konzept. Viele frühe Traumatisierungen sitzen nicht nur in der Seele, sie sitzen auch im Körper in Form von Anspannungen. Auch die regelmäßige wiegende Links-Rechts-Bewegung der Pferde im Schritt, die mit der Zeit auch dem Körper dabei helfen kann, häufig auftretende Erstarrungsreaktionen loszulassen. Pferde können die analoge Sprache über den Körper, Gestik, Mimik, Bewegung viel besser lesen und deuten als wir Menschen. Da sich im körperlichen Ausdruck eines Menschen auch seine Emotionen spiegeln, nimmt ein Pferd auch Gefühlszustände wahr, die dem betreffenden Menschen oft gar nicht bewusst sind – die über die Reaktion und Resonanz der Pferde aber dem Bewusstsein zugänglich werden können. Häufig ist diese Erkenntnis verbunden mit einem sehr überwältigenden Gefühl in der Tiefe verstanden, erspürt und erkannt worden zu sein. Vielleicht sind die Pferde viel mehr und intensiver als wir Menschen mit dem verbunden was C. G. Jung einst das kollektive Unbewusste nannte. Oft aber sind die Reaktionen der Pferde auf ganz tiefe, schmerzliche Themen der Menschen so verblüffend, dass sie sich eigentlich jeglicher Erklärung entziehen. Pferde können ihren Patienten so etwas wie emotionalen Halt geben und sie können belastende Emotionen zumindest teilweise mittragen. Oft wird von einer Bereitschaft der Pferde gesprochen, welche beobachtet wurde. „Eine Bereitschaft mit ihrem ganzen Wesen“ eine Verbindung einzugehen. Sehr oft werden von Patienten auch Empfindungen beschrieben wie eine tiefe Verbundenheit – ein Phänomen das man jedoch nur fühlen und nicht erklären könne. Häufig wird die tiefe Verbundenheit des Pferdes mit dem Menschen als eine ganz besondere, nahezu mystische erlebt und empfunden. Resonanzphänomene der Pferde sind gut zu beobachten, aber schwer mess- oder operationalisierbar. Die ethnologische Theorie beschreibt diese ganz besondere Art der seelischen Verbundenheit als „mystischen Teilhabe“.


Silke Ritthaler ist im Lesen der Körpersprache des Menschen eine Meisterin und weiß auch die Körpersprache der Pferde richtig zu deuten. Ihre jahrelangen Erfahrungen machen eine punktgenaue Beschreibung des Unbewussten möglich. Sie arbeitet sehr feinfühlig und liebevoll mit jedem Menschen, der sich in ihre Hände begibt.


Was können Pferde bewirken?


Pferde sind so wie wir Menschen eigene Persönlichkeiten und haben unterschiedliche Charaktere, Einstellungen und Gemütsverfassungen.


Halt erfahren, Vertrauen lernen, Kontaktschwierigkeiten überwinden, Grenzen setzten und Beziehungsgestaltung lernen, sich naturnah im praktischen Tun üben – Pferde können eine Brücke schaffen zwischen Therapie und der realen Welt begehen.


Bei oft fehlendem, nicht spürbarem Kontakt zu den eigenen Emotionen ist das Einbeziehen eines Pferdes sinnvoll.

  • Häufig zu beobachten ist die dissoziative Abwesenheit, sodass Patienten plötzlich nicht mehr in ihrem Körper sind und abschweifen. In solchen Fällen ist häufig zu beobachten, dass die Pferde sie ins Hier und Jetzt zurückholen, indem sie ihnen sehr nahe kommen, ihnen fast auf die Füße treten oder urplötzlich einen anderen, eigenen Weg einschlagen

  • Einige Pferde sind auch ein „Wutbarometer“. Wenn jemand vermeintlich zufrieden gestimmt ist, aber innerlich einen unausgesprochenen Ärger mit sich herumträgt, gehen diese einfach fort und zeigen auf, dass hier jemand innerlich am Kochen ist.

  • Sehr häufig kommt es aber auch vor, dass Pferde die unbewussten Gefühle ihrer Menschen „halten“ im Sinne von „Ich spüre was, aber ich trage das jetzt ohne wegzulaufen oder Angst zu bekommen“. Dies ist vor allem häufig dort beobachtbar, wo es um eher schwach strukturierte Menschen geht, da Pferde gerade dafür ein sehr gutes Gespür haben. In beeindruckender Weise begegnen die Pferde den Menschen dann auf einer sehr schützenden, mütterlichen Ebene.

  • Eine andere sehr bedeutsame Eigenschaft ist die ICH-Stärkung. Positive Selbsterfahrungsergebnisse im Umgang mit Pferden stärken das Selbstbewusstsein und die Selbstwahrnehmung. Funktioniert etwas nach Plan, geben Patienten oft die Rückmeldung, dass sie sich geerdeter fühlen, zur Ruhe gekommen, zentrierter und fokussierter sind. Neue Bewältigungsmethoden werden mit der Arbeit am Pferd deutlich.


Oxytocin - der Stoff aus dem das Glück gemacht ist


Oxytocin ist vermutlich von hoher Bedeutung für die Erkennung und das Wahrnehmen von Gefühlen. Es wird bei uns bereits während der frühen Phasen unserer Eltern-Kind-Interaktion aktiviert. Durch Berührung, Streicheln, durch Wärme, Zuwendung und durch Körperkontakt wird sowohl beim Baby als auch bei der Mutter Oxytocin freigesetzt und Angst und Stress reduzieren sich.

Bei vernachlässigten oder misshandelten Kindern wurden die Elternteile schon sehr früh zu einer nicht zu unterschätzenden Quelle von Angst und Stress. Bei Fällen, wo Eltern unberechenbar, unvorhersehbar aus einer Laune heraus agieren, entwickeln viele Kinder schon sehr früh entsprechende Bewältigungsstrategien, die sich im späteren Leben in einer Vermeidungshaltung gegenüber Nähe, aber auch Vermeidung von Bindung und Vertrauen zeigen können. Oft antrainierte Strategien, um wiederholte Enttäuschungen zu entgehen.


In der Traumatherapie geht es um behutsame Versuche sich solchen Beziehungserfahrungen wieder zu nähern. Basis der pferdegestützten Interventionen sind die wissenschaftlich bewiesenen positiven Effekte von Pferden auf das autonome Nervensystem, welches die körpereigenen Hormone wie das „Stresshormon“ Kortisol und das „Kuschelhormon“ Oxytocin aktivieren.

Es geht um Blicke, Berührungen, Wärme, und ums Getragensein – zwischenmenschliche Aspekte die in einer schnelllebigen Zeit, in der digitalen Medien immer mehr Überhand nehmen, zu kurz kommen. Die Arbeit mit dem Pferd ist eine Annäherung an ein zwischenmenschliches Grundgefühl, das kultiviert werden muss, um nicht verloren zu gehen. Ein heilsamer Bewegungsdialog mit dem Lebenwesen Pferd kann dabei helfen. Es ist ein stiller Dialog mit einem stillen Kameraden. Die Begegnung mit dem Pferd bedarf keiner wortreichen Erklärungen – dennoch ereignet sich Verstehen und Verständigung auf tiefer Ebene, eine Ebene die es schafft, auch sehr hohe Mauern einzureißen und ein verschlossenes Herz wieder zu öffnen.

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