• Michaela Hocek

Ab in den Garten: Gärtnern im Einklang mit der Natur

Das zunehmende Umweltbewusstsein und die Zeit der Pandemie haben die Hinwendung zur Gartenarbeit quer durch alle Altersgruppen in den letzten zwei Jahren enorm gefördert. Der stärkste Trend innerhalb der Pflanzen und Blumenwelt ist der Wunsch nach sichtbarem Einklang mit der Natur.



Gärtnern ohne Chemie ist stark auf dem Vormarsch. Vor allem aus der Landwirtschaft ist vielen bekannt, dass Pestizide zwar stark in der Schädlingsbekämpfung sind, aber bedauerlicherweise gleichzeitig eine Belastung für den Boden darstellen. Dieser Umstand hat nicht nur Auswirkungen auf die Pflanzen, sondern bringt auch das Grundwasser sowie die Natur aus dem Gleichgewicht. So sind viele Kleingärtner, Terrassen- und Balkonbesitzer immer mehr bestrebt, ihre Freiflächen zuhause auf ökologische Weise zu kultivieren. Und das ist gut so. Wir haben uns umgesehen, was jetzt zu tun ist und mit einigen Experten gesprochen.


Als Mischkultur bezeichnet man einen Anbaumix verschiedener, sich positiv beeinflussender Pflanzenarten. So wird das ökologische Gleichgewicht gefördert, Biodiversität ermöglicht und die Resistenz gegenüber Krankheiten und Schädlingen gesteigert. Das gilt sowohl für das Gemüsebeet als auch für blühende Bereiche im Garten

Fingerspitzengefühl ist gefragt


"Für Gartenstellen, die den ganzen Tag der prallen Sonne ausgesetzt sind, sollte man Pflanzen nehmen, die das von Natur aus so gewohnt sind. Das sind oft dickblättrige Exemplare, die Wasser in den Blättern speichern können wie Mauerpfeffer oder Mittagsblume", rät Gärtnermeister und Kräuterpädagoge Norbert Griebl im Interview. Auf die Frage, was man heute noch pflanzen soll, um noch in einigen Freude daran zu haben, antwortet er: "Gewächse, die das Kleinklima im Garten verbessern. Das sind eigentlich alle Pflanzen, je mehr desto besser, am besten sind aber Laubbäume und hier sollten je nach Region Arten genommen werden, die mit den geänderten Klimabedingungen besser fertig werden. Zürgelbaum und Blumen-Esche gehören zu den gärtnerischen Zukunftsbäumen in Mitteleuropa." Einen Tipp, wie man mit möglichst wenig Bewässerung durch den Sommer kommt, hat er ebenfalls parat:" Die Pflanze von klein weg nicht verwöhnen. Täglich gegossene Pflanzen bilden ihre Wurzeln nur in den obersten Erdschichten aus. Kommt dann wirklich eine Trockenperiode, sind das die ersten, die in eingehen. Die nicht Verwöhnten wurzeln bis in tiefe Erdschichten und überstehen so Trockenperioden besser. Ausnahmen sind natürlich Jungpflanzen, Containerpflanzen bis zum Einwurzeln und Pflanzen in Gefäßen. Sie sind auf eine Bewässerung angewiesen.


Praktisch für nicht so erfahrene Gärtner oder Minimalisten sind Anzucht-Sets mit verschiedenen Sorten Bio-Saatgut, die alles zur erfolgreichen Aussaat beinhalten. Das Münchner Unternehmen Plantura hat hier beispielsweise Kombis für Chilis, Kräuter oder Gemüse zu bieten und liefert ein Anleitungs-Booklet und einen kostenlosen E-Learning-Kurs gleich mit.


Gießen, gießen, gießen


Eine Regentonne, idealerweise aus Holz, oder unterirdische Zisterne darf in keinem ökologischen Garten fehlen. Kostbares Regenwasser sollte nicht verschwendet werden. Auch im Garten verteilte Gefäße und Mini-Biotope sind gut für das Klima und vielleicht können Sie sogar in stillen Momenten Vögel beim Baden beobachten. Aber auch Hersteller beweisen im Hinblick auf wassersparendes Bewässern Innovationsgeist – das Traditionsunternehmen Gardena beispielsweise mit dem „Micro-Drip-System“ und der „smart Irrigation Control“. Ersteres verteilt das Wasser vollautomatisch und ökonomisch nach Bedarf direkt am Boden oder mit der Sprühdüse als feinen Nebel, ohne dass kostbares Wasser verdunstet. Mit dem smarten System wird die Bewässerungssteuerung per App für bis zu sechs unabhängige Bewässerungszonen übernommen. Bodenfeuchtsensoren ermitteln den genauen Wasserbedarf. Hat es geregnet oder ist der Boden noch feucht, werden Bewässerungszeiten ausgelassen.



Positives Umdenken


Eine aktuelle IMAS-Studie im Auftrag von Gardena belegt, dass die Mehrheit der befragten Personen der Ansicht ist, dass die Bedeutung des Gartens in den nächsten drei bis vier Jahren zunehmen wird. Aber auch das Thema Nachhaltigkeit im heimischen Grün ist 88 Prozent der Umfrageteilnehmern ein wichtiges Anliegen. Ein Großteil von ihnen glaubt zudem, dass der Klimawandel durch neue digitale und technische Lösungen für den Garten minimiert werden kann. Gardena möchte hierbei einen wichtigen Beitrag leisten und hat sich bis zum Jahr 2025 ambitionierte Ziele gesetzt: So soll etwa der CO₂-Ausstoß entlang der gesamten Wertschöpfungskette in den nächsten drei Jahren um 35 Prozent gesenkt werden.

Außerdem ist die Markteinführung von 50 nachhaltigen Produkten geplant. Die neue EcoLine ist schon ein guter Anfang aus hochwertigen Gartengeräten mit einem hohen Anteil an recycelten Materialien. Die Recyclate werden alle aus Europa bezogen. Ziel bei dieser Kollektion war es, nichts auf anderen Kontinenten einzukaufen und die Transportwege so kurz wie möglich zu halten.


Kompost ist ressourcenschonend


Ein Komposthaufen ist der traditionelle Weg, sich von chemischen Düngermitteln und Torf zu verabschieden. Außerdem spart man sich Wege zum Grünschnittplatz oder zur Mülldeponie. der "Jungbrunnen des Gartens" freut sich, mit welken Blättern, alten Zweigen, Rasenschnitt, Küchenabfällen, Obst- und Gemüseresten gefüttert zu werden und wandelt diese in fruchtbaren Humus um, der die Bodenstruktur verbessert und belebt. Das schont die Umwelt und die Geldbörse gleichermaßen. Wer dafür nicht ausreichend Platz hat oder nach Alternativen für den Balkon oder sogar Indoor sucht, kann auf Wurmkisten oder Wormbag setzten. Das österreichische Unternehmern Wurmkiste beispielsweise hat Modelle aus Lärchenholzen in verschiedenen Größen, die z.B. mit Sitzpolster oder Holzdeckel ausgestattet sind. Je nach Ausführung der Kiste leben bis zu 4.000 Kompostwürmer in einem geschlossenen Kreislauf und nehmen täglich die Hälfte ihres eigenen Körpergewichtes auf so entstehen im Verhältnis 10:1 aus Küchenabfällen Humus. Die erste "Ernte" ist nach ca. einen halben Jahr möglich.



Was jetzt zu tun ist


Wer in den kommenden Wochen fleißig ist, kann im Sommer in Ruhe relaxen und die Ergebnisse des durchdachten Gärtnerns genießen. Am besten nimmt man sich einen Pflanzenkalender zur Hand und macht sich mit den Blumen, Obst- und Gemüsesorten vertraut, die man später gerne beschnuppern oder essen möchte. Für eine dichte und gesunde Wiese ist es wichtig nach dem zweiten Rasenschnitt die Grasfläche vertikutieren., um das Wachstum zu fördern. Bereits jetzt dürfen Asiasalate und frühe Gemüsesorten wie Spinat, Karotten, Erbsen, rote Rüben, Rucola, Sauerampfer und Kohl ins Frühbeet. Gurken dürfen im Mai aus dem Gewächshaus ins Freie. Sie vertragen sich gut mit Dill und Borretsch. Mit Tomaten harmonisieren Basilikum und Petersilie ebenso Targets. Nun ist auch für Buschbohnen, Chinakohl oder die mehrjährige Antischocke (sie tragen dann im nächsten Jahr). Nach den letzten frostigen Nächten werden frische Blumen in Hängeampeln oder Blumenkästen ins Freie gesetzt. Bräunliche Rosenzweige und vertrocknete Blätter sollten Sie entfernen, um Pilzkrankheiten zu verhindert.


Einen DIY-Tipp für all jene, die Pflanzen selbst ziehen, haben wir auch parat. Kaufen Sie nicht jedes Jahr neue Pflanzengefäße, sondern werden Sie kreativ. Falten Sie Anzuchttöpfe oder verwenden Sie Eierkartons, Joghurtbecher oder abgeschnittene Getränkekartons. Das Wasser sollte sich nicht stauen, Abzugslöcher schaffen hier Abhilfe. Bewahren Sie sie auf einem Tablett auf, können sie an wärmeren Tagen ohne großen Aufwand nach draußen gestellt werden. So sind die zarten Pflänzchen schon für ihren späteren Aufenthalt im Freien abgehärtet. Nach den Eisheiligen (in diesem Jahr 11. bis 15. Mai) dürfen endgültig nach draußen.


Digitale Beetplanung ermöglicht „Fryd“ und bringt einem so dem Ziel näher, einen hohen Ernteerfolg dank schlauer Saisonplanung zu erzielen. Mitbestimmend dafür sind die Zeiten der Aussaat, das Vorziehen von Pflänzchen, der Pflanztermin, Fruchtfolgen und mehrjährige Fruchtwechsel, um für genügend Nährstoffreserven im Boden zu sorgen. Die Smartphone- und Desktop-kompatible Software erleichtert die Planung mit offener Pflanzendatenbank und intelligentem Algorithmus.