• Michaela Hocek

Urlaubstrend 2022: So funktioniert Öko-Camping

Die Ferien im Zelt, Wohnmobil oder mietbaren Unterkünften (vom Tiny House über Jurten bis zu Strandschlafkörben ist alles möglich) auf einem Campingplatz zu verbringen, hat in diesem Jahr Hochsaison. Die Atmosphäre und das Freiheitsgefühl sind inmitten der Natur intensiver als in ausladenden Bettenburgen.

Bild: Schau aufs Land



Wer das Luxushotel gegen einen Wohnwagen, Van oder ein Zelt tauscht, öffnet sich einem ganz besonderen Lifestyle. Die weitläufigen Gelände von Öko-Campingplätzen bieten nachhaltige Erlebnisse in direktem Kontakt mit klimatischen und emotionalen Bedingungen. Wenn man erst mal live mit dabei war, wie sich die hektische Betriebsamkeit einstellt, wenn der Himmel sich verdunkelt oder sich Gemütlichkeit und Gespräche mit fremden Menschen im Sonnenschein entwickeln, wird die besondere Atmosphäre immer wieder suchen. Familien profitieren vom spontanen Freundschaftschließen und es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell sich Gleichaltrige zum Erkunden der autofreien Areale und Spielen – erstaunlich oft ohne elektronischen Support – finden. Ein netter Nebeneffekt ist auch, dass das auf das Wesentliche reduzierte Leben oft Nachwirkungen auf den Alltag zuhause hat. Nämlich dann, wenn man bemerkt, mit wie wenigen Dingen und begrenzten Vorräten man entspannt durch den Aufenthalt kommt. Dass Urlaub auch nicht immer mit weiter Anreise verbunden werden möchte, beobachtet Tim Aster, Geschäftsführer der Camper-Vermietung Hannes Camper, die acht Standorte in ganz Deutschland betreibt: „Auch in diesem Jahr planen circa zwei Drittel unserer Gäste ihren Camping-Urlaub nicht im europäischen Ausland, sondern meistens sogar nur 300 Kilometer vom eigenen Wohnort entfernt. Der Blick auf die Tanksäule lässt unsere Urlaubsgäste ebenfalls nicht kalt und sorgt so ganz automatisch für ein Abwägen bei der Wahl des Reiseziels.“


Bild: MEPAL

▲ Essen mit Stil: Mepal hat mit seinen Serien „Wave“, „Bloom“, „Flow“ oder „Basic“ eine Reihe von sehr stoßfestem und langlebigem BPA-freiem Kunststoff im Sortiment, das zudem stapelbar und leicht ist.


Was mit dabei sein sollte


Ideal ist es, sich vor der Abreise im näheren Umfeld zu erkunden, ob man sich eine Camping-

Ausrüstung leihen kann, bevor man Zelte, Schlafsäcke, Gaskocher oder Kochplatten einkauft. Um Ballast abzuwerfen und den Stauraum optimal auszunützen, lohnt es sich auch, benötigte Lebensmittel (z. B. Teigwaren, Couscous, Haferflocken, Müsli, Zucker, Essig, Öl, Gewürze, Nüsse) in der richtigen Menge in Vorratsdosen oder Altgläser umzufüllen. Netter Nebeneffekt: Herumkrabbelnde Ameisen und sonstige Insekten werden nicht durch geöffnete und liegengelassene Packungen angelockt. Ein Wasserkanister und Trinkflaschen für alle Mitreisenden, die vor Ort mit Trinkwasser aufgefüllt werden, erspart den Wasserflaschenkauf und vor allem das Schleppen. Bienenwachstücher, Metalldosen, Schüsseln mit Deckel, kratzfeste Pfannen, ein Schneidbrett, Kochlöffel und Pfannenwender aus Holz sowie leichtes, unzerbrechliches Mehrweggeschirr sind ebenfalls praktisch. Mit einem Sieb, Sparschäler, Gemüsespiralisierer, French Press, Dosen- und Flaschenöffner sowie den nötigsten Grillutensilien, Bio-Anzündersticks und Feuerzeug, ist die Packliste beinahe komplett. Eine Kühltasche für den Ausflug am Wasser oder zum Wochenmarkt ist ebenfalls nicht verkehrt. Alles was Hygiene betrifft, kann mit festen Kosmetik- und Reinigungsmitteln platzsparend abgedeckt werden wie z. B. Haar-/Körperseife, fester Zahnpasta oder abzählbaren Zahnputztabs und Spülseife. Beim Wäschewaschen können die stärksten Flecken auch mal nur punktuell entfernt werden. Auf keinen Fall vergessen sollte man Sonnenschutz, Mücken- und Zeckensprays.


▲ Hotel auf zwei Rädern: Ein EU-patentierter Mikrowohnwagen für Fahrräder ist die Innovation des Start-ups „B Turtle“. E-Bike-Camping mit eigener Behausung erweitert die Möglichkeiten der unabhängigen Tourplanung par excellence. Der aufblasbare Mikrocaravan, der an eine Schildkröte erinnert, war Namensgeber und ist das Ergebnis von drei Jahren Entwicklung. Der Anhänger ist nur 58 cm hoch, 15 cm kommen noch für das Zelt dazu – ein Highlight in Sachen Aerodynamik, solange man noch unterwegs ist. Das Gesamtgewicht beträgt nur 29 Kilogramm, was sich positiv auf die Reichweite auswirkt. Große, mit Moskitonetzen geschützte Öffnungen sorgen für perfekte Lüftung und ein angenehmes Raumklima.


Wohin geht die Reise?


Wer Wert auf einen ökologischen Urlaub im Einklang mit der Natur legt, kann sich beispielsweise vorab hier informieren:

Wir möchten aber auch einige Highlights zum Wecken der Vorfreude vorstellen.


Das „Uhlenköper-Camp“ in Niedersachsen ist nicht nur ein ökologischer Wohlfühlort, sondern auch Ausgangspunkt für Kanufahrten und Radtouren. Hier wird mit LED-/Energiesparlampen und Bewegungsmeldern beleuchtet, Öko-Strom und Solaranlagen sind eine Selbstverständlichkeit. Ein Bioladen und Bistro sorgen für das leibliche Wohl. Müll wird getrennt und der Einsatz chemischer Dünger ist verpönt. Gereinigt wird ausschließlich mit ökologischen Produkten. Besonderes Highlight sind die Schlafstrandkörbe, Schwurbelnester und Abenteuer-Jurten.


Direkt am Wasser logiert man beim „Natur Camping Usedom“ in Lütow. An einem der sonnenreichsten Flecken Deutschlands gelangt man auf gut ausgebauten Radwegen an die kilometerlangen Sandstrände der Ostsee. Eine Schifffahrt nach Polen ist ebenso möglich wie die Erkundung des Naturschutzgebietes „Südspitze Gnitz“.


Wer im steirischen Murau bei „Camping Olachgut“ Halt macht, darf sich auf einen komfortablen Familiencampingplatz und Freizeitteich zum Fischen und Schwimmen sowie ausladende Sportflächen und Programm für Jung und Alt freuen. Die Sanitäranlagen verfügen auch über Behindertensanitärkabinen. Eine Reitschule in der Nähe und der direkte Anschluss an den Murradweg sind weitere Highlights.


Das „Hells Ferienresort Zillertal“ punktet mit Bergpanorama und Freibad sowie Photovoltaik- und Solaranlagen, Niedrigbauweise und dem Verleih von Elektroautos.


Sollte Ihr Fernweh nach Frankreich führen, ist „La Roubine“ in unmittelbarer Nähe zu den Ardèche-Schluchten eine gute Adresse. Wärmepumpen, Solarenergie, biologisch abbaubare Produkte, Recycling und E-Mobility gehören zur Grundausstattung. Die i-Tüpfelchen des 5-Sterne-Campingplatzes sind Infrarot-Sauna, Schwimmbad, Sportanlagen u.v.m.


Die Schönheit der Toskana lassen sich auf dem Agricampeggio „Madonna di Pogi“ mit freier Platzwahl hautnah erleben. Auf 120.000 Quadratmetern zur Verfügung stehenden Wäldern, Obstbäumen und Wiesen im Ambratal kann man sich als Gutsherr auf Zeit fühlen. Siena, Arezzo und Florenz laden zu Stadtbesichtigungen ein. Das Abwasser wird zur Bewässerung der Baumschule genutzt, der Gemüsegarten, von dem geerntet werden darf, ist biologisch und die Hühner werden biologisch gefüttert, was das Frühstücksei besonders köstlich macht. Streichelzoo, Privatsee mit Badestrand, Mountainbikeverleih und der Verkauf von Spezialitäten aus eigener Produktion sind weitere Appetithäppchen für einen Urlaub hier.


▲ Hauptsache Praktisch: Auf der Suche nach alltagstauglichen Camping-Accessoires ist der Online-Shop Waschbär eine wahre Fundgrube. Das Licht zum Herumtollen am Abend mit anderen Kids, für die Gute-Nacht-Geschichte oder den Gang zur Toilette abends und nachts kann eine stromfreie Solarlampe wie das Modell „Little Sun“ liefern. Feste Spülseifen wie „Wildwax Pure“ kommen ohne Verpackung in der Plastikflasche aus und sind extrem platzsparend. Sie werden einfach am angefeuchteten Spülschwamm oder der Spülbürste gerieben.


◀ Red Dot Design Award-Gewinner:

Die „Delta Pro“ von EcoFlow ist ein umweltfreundlicher tragbarer Generator mit einer Kapazität von 3,6 kWh, die auf 25 kWh erhöht werden kann. Seine Größe: 63,5 x 28,5 x 41,6 cm. Die Powerstation kann an Ladestationen für Elektroautos und sogar Multicharge aufgeladen werden. Sie wurde kürzlich mit dem Red Dot Design Award in der Kategorie „Produktdesign“ ausgezeichnet.


 

Tipps zum nachhaltigen Camping

mit Katrin Gölsdorf


Nachhaltig Leben hat mit Katrin Gölsdorf, Ecocamping-Geschäftsführerin, gesprochen. Sie kennt die Vorteile rund um ökologischen Urlaub mit Zelt, Campingbus oder im mietbaren Tiny House vor Ort.


Umweltfreundliche Anreise: Camping mal anders. Wie wäre es mit einer Fahrrad-Reise oder die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Alle Annehmlichkeiten sind auf Wunsch schon da: Viele Campingplätze bieten z. B. Mietunterkünfte an. So benötigt man keine eigene Campingausrüstung, um Urlaub in der Natur zu machen.


Je näher, desto besser: Wer Reiseziele in der Nähe bevorzugt, spart Zeit und reduziert Emissionen bei der An- und Abfahrt.


Nachhaltigen Campingplatz auswählen: Auf ecocamps.eu können sich Urlaubssuchende für den nächsten nachhaltigen Urlaub in sieben Ländern inspirieren lassen.



Sanfte Mobilität: Vor Ort ein (E-)Bike oder den öffentlichen Verkehr nutzen. Das hält die Luft am Urlaubsort sauber. Fahrräder kannst du meist direkt am Campingplatz oder im Ort mieten.


Ressourcen vor Ort schonen: So wenig Abfall wie möglich verursachen und Wasser sowie Strom sparsam verbrauchen. Oft gibt es lokale Märkte, bei denen ein regionaler und verpackungsarmer Einkauf möglich ist. Nebenbei werden lokale Produzenten unterstützt.

Lokale Angebote nutzen: Für Freizeitangebote in der Nähe muss man nicht extra ins Auto steigen. Informationen zu lohnenden Ausflugszielen in der Umgebung, die zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) erreichbar sind, finden sich meist an der Rezeption des Campingplatzes oder bei der Touristeninformation vor Ort.


 

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Der Spezialist für naturnahe Camping-Reisen bietet Zugang zu 425 nachhaltigen Bio-Bauernhöfen und Betrieben in Österreich. Sie sind im digitalen Stellplatzführer zu finden. Mit der Mitgliedschaft kann man dort für jeweils 24 Stunden nach vorheriger Kontaktaufnahme verweilen.


Weitere Infos: www.schauaufsland.com


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Teilnahme bis 29.07.2022