Nachhaltig reisen in Südtirol: Umweltfreundliche Urlaubstipps
- Michaela Hocek

- 29. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Eine Tour mit vielen Facetten könnte der Untertitel des Drehbuchs unseres letzten Südtirol-Aufenthalts sein. Der Start in Terenten, einem Hochplateau über dem Pustertal, mit Check-In im Aktiv- und Lifestyle-Hotel Terentnerhof war eine erholsame und wellnessreiche Zeit. Die wir in weiteren Panoramalagen am Gitschberg und in Schenna in aktivem Wohlfühltempo fortsetzten, bevor wir uns auf Teiletappen der „Sarntaler Hufeisentour“ zum Latzfonser Kreuz, einer der höchstgelegenen Wallfahrtsorte Europas, und zur Flaggerschartenhütte, die 1914 eröffnet wurde und nur einmal zu Beginn der Saison per Hubschrauber und die restliche Zeit zu Fuß beliefert wird, in hochalpine Höhen begaben. Zwei Nächtigungen, die unvergesslich bleiben werden – ebenso wie der Grad der Erschöpfung nach Kammwanderungen, Begegnungen mit Grauvieh, Pferden, Murmeltieren und Steinwild sowie Gesprächen mit sympathischen Menschen der Region und Wanderern. Der vierstündige Abstieg nach Durnholz und die Weiterfahrt mit Bus und Bahn nach Brixen und Bozen waren geradezu ein Klacks.

Slow Food der Region
Dem Genuss widmeten wir in der Provinz Bozen das Ende der Recherche, wo es dem Engagement der Südtiroler Slow Food Presidi-Förderkreise zu verdanken ist, dass traditionelles Lebensmittelhandwerk und Qualitätsprodukte erhalten bleiben. Vier davon finden Sie auf der nächsten Seite.
Villnösser Brillenschaf
Seit 2011 ist diese Nutztierrasse als „Slow Food Presidio“ anerkannt. Oskar Messner, Chef de Cuisine im Zwei-Hauben-Restaurant „Pitzock“, Mitgründer der Lammdelikatessen-Marke Furchetta und Querdenker ist einer der treibenden Kräfte zur Bewahrung der Villnösstaler Viehzucht, Landschaftspflege, Wollproduktion und lokalen Traditionen.

Vinschger Paarl
Das würzig-herzhafte Roggenmischbrot, das als Doppellaib gebacken wird, ist eine der ältesten Sorten der Region, wurde wegen seiner Form oft bei Hochzeiten gereicht und als Vorrat an der Decke getrocknet. Die Bäckerei Schuster in Mals bewahrt mit ihrem „Vinschger Urpaarl“ aus 100 Prozent Obervinschger Roggen auf Basis eines alten Rezepts des Klosters Marienberg diese Spezialität.

Ahrntaler Graukäse
Der einzigartige Geschmack dieses Sauermilchkäses stammt aus der Verarbeitung komplett abgerahmter Milch, die in speziellen Behältern verweilt, bis sie gerinnt. Danach wird sie erwärmt, von der austretenden Molke getrennt und der Käsebruch von Hand zerkleinert, bevor es in den Reifeprozess geht.

Altreier Lupine
Auf eine über 100-jährige Geschichte blickt man beim „Altreier Kaffee“, der aus der Lupine gewonnen wird, zurück. Er wurde erstmals 1897 schriftlich erwähnt und bis in die 1960er-Jahre als Kaffeeersatz verwendet. Einige Altreier kultivierten die Pflanze auch danach. Seit 2005 pflegt der Verein der Altrei Lupinenkaffeeanbauer das Netzwerk zwischen Landwirten, Gemeinde, Tourismus und Dorfverbänden, um die „Voltruier Lupine“ – so lautet der Name des fertigen Produkts in Anlehnung an den mundartlichen Namen von Altrei – lebendig zu halten. Unser Tipp, wenn Sie in diese Gegend kommen: Verpassen Sie die Führung „Kulinarische Schätze von Altrei“ des Tourismusvereins nicht.

Ausschau halten
Wandersteine sind in Südtirol recht oft anzutreffen. Sie sind bunt bemalt oder mit einer Botschaft versehen, werden mitgenommen und wieder abgelegt. Wir haben unseren Findling mit „Alles hat seine Zeit“-Schriftzug auf der hochalpinen Flaggerschartenhütte entdeckt. Sie ist eine der Unterkünfte, die im Zuge der sieben Tage dauernden „Sarntaler Hufeisentour“ erwandert werden kann.

Hoteltipps
Terentnerhof
Bild: Terentnerhof (Manuel Kottersteger)
Das von Familie Engl im Pustertal geführte Hotel ist der ideale Ort, um Entspannung und sportliche Aktivität zu kombinieren. 47 Zimmer und Suiten sowie eine atmosphärische Bar, das Restaurant mit Separee-Charme und sehr smartem Service-Team sowie das Spa Torrentes, die Bio- und Eventsauna, der Infinity-Pool und die Yoga-Plattform mit Bergblick sind der perfekte Rückzugsort nach Ausflügen zu den Erdpyramiden, dem historischen Mühlenweg oder einer E-Bike-Tour durch das Winnebachtal auf die Astnerbergalm. Das Schöne daran: Der Start zu vielen Erkundungen ist direkt beim Hotel und mit der „Almencard Plus“ können die öffentlichen Verkehrsmittel in ganz Südtirol kostenlos benutzt werden.
Steindlgut
Wolfgang und Steffi Oberhofer führen das biodynamische Weingut in Kranebitt bei Brixen und keltern mit Hingabe authentische und Demeter-zertifizierte Naturweine. Die Trauben werden von Hand gelesen und die Fermentation basiert auf Wildhefen. Auf künstliche Zusatzstoffe und Filtration wird verzichtet, stattdessen auf minimale Eingriffe und Einsaaten zur Vermeidung von Bodenverdichtung sowie Förderung der Biodiversität gesetzt. Mit ebenso viel Leidenschaft wurden auch der Kräutergarten und zwei Weinberg-Chalets inklusive Terrasse mit Panoramablick auf Brixen und Privatsauna, die seit 2025 Gäste willkommen heißen, umgesetzt. Natürlich inklusive gut gefülltem Weinkühlschrank.
Steindlgut
Elvaser Straße 91 | I-39042 Brixen | M +39 328 732 4760
Bild: Steindlgut (martin-bacher.com, Mattia Daldoss)
Solea Südtirol
Umgeben von Apfel und Weinbergen
Eine kurze Busfahrt von Meran und dem Weingut Schloss Rametz entfernt, liegt das Hotel mit All-Inclusive-Luxury-Konzept und Fokus auf ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit sowie Fitness und Wellness.
Vom vitalisierenden Frühstück über die Marende bis zum Sundowner und Dinner mit schwerpunktmäßiger regionaler Weinbegleitung ist im Solea Südtirol für alles gesorgt, wonach es Gourmets gelüsten könnte. Die Cocktails wie z. B. „Dakapo sour“, der mit einem regionalen Likör zubereitet wird, sind äußerst empfehlenswert und die Bar ein beliebter Treffpunkt – ebenso wie die Terrasse, die so ausgiebig wie möglich bespielt wird.

Der Bewegungshunger wird mit einem Aktivitätenprogramm, das von Personal Training, Mobility- und Pilates-Training, Aquafitness bis zu geführten Wanderungen oder E-Bike-Touren in die Umgebung reicht, gestillt. Danach kann man bei exzeptionellen Saunaaufgüssen sowie entspannenden Klang- und Gongsessions regenerieren.
Das 4-Sterne-Superior-Haus, in dem auch Hunde gern gesehen werden, liegt erhaben über Meran und bietet einen unvergleichlichen Panoramablick auf die Berggipfel und die mediterrane Landschaft, die sich im Garten des Hotels mit Salzwasser-Outdoorpool und Palmen fortsetzt. Begrünt wurden auch alle Dächer und die Tiefgarage. E-Ladestationen sind vorhanden. Der neue Trakt wird mit Wärmepumpen beheizt und die Aufstockung des Gebäudes erfolgte in Holzbauweise. Der Energieverbrauch wird durch die smarte Steuerung der einzelnen Verbraucher optimiert.
Solea Südtirol
Schennastraße 41 | I-39017 Schenna
T +39 0473 945 660

Die Gemeinde Schenna ist nach den GSTC-Kriterien (Global Sustainable Tourism Council) als nachhaltige Destination ausgezeichnet. Seit 1994 besteht die Anreisemöglichkeit mit dem Meraner Land Express. Um Klimaschutz und neueste Technologien geht es beim Event „schenna e.motion – electric.experience-südtirol“ vom 1. bis 3.6. schenna-emotion.com

Einkehr auf Schloss Rametz
Bei unserer Weinverkostung auf dem Castel Rametz, das seit 1227 existiert, haben wir nicht nur viel zur regionstypischen relativ kleinen Weinberggröße und den zum Klima passenden angebauten Sorten Sauvignon, Gewürztraminer, Riesling und Pinot Noir gelernt, sondern auch einen Spruch, der den Genuss und die Mentalität der Region gleichermaßen charakterisiert: „Wer Wein säuft, sündigt. Wer Wein trinkt, betet.“ Den Wissenserwerb haben wir bei der Verkostung von Vernatsch, Gewürztraminer, Castel Monreale Brut und Cabernet Riserva gefestigt.


















Ich achte inzwischen auch stärker darauf, lokale Anbieter zu unterstützen. Vor meiner letzten Reise habe ich zum Beispiel einige hochwertige regionale Produkte über https://epiceriefg.lu/ entdeckt. Gerade wenn man nachhaltiger leben möchte, passt das perfekt zum Gedanken von bewusstem Konsum und authentischen Reiseerlebnissen. Südtirol selbst eignet sich dafür richtig gut – viele Unterkünfte setzen inzwischen auf erneuerbare Energien, regionale Küche und umweltfreundliche Mobilität. Außerdem erlebt man die Natur viel intensiver, wenn man langsamer und bewusster unterwegs ist.