• Michaela Hocek

Nützliches Schoko-Wissen

Finden Sie auch, dass Bio-Schokolade in allen ihren Geschmacksrichtungen und auch vegane Sorten im Winter besonders gut schmecken, weil sie gefühlt die fehlenden Sonnenstunden ausgleichen? Wir haben einen kurzen Faktencheck angestellt und uns angesehen, worauf es beim Kauf zu achten gilt.


Schokolade wird aus den Bohnen von Kakaonüssen hergestellt. Ursprünglich stammt der Kakaobaum aus dem oberen Amazonasgebiet in der Nähe des Orinoko-Flusses. Seine Wurzeln reichen allerdings viel weiter zurück: Erste Erwähnungen datieren 3.000 Jahre zu den Olmeken in Mittelamerika zurück. Heute gedeihen Kakaobäume am besten rund um den Äquator. Unsere geliebte Schokolade kommt daher zum größten Teil aus Afrika, Mittelamerika und Südostasien. Da die Produktionsbedingungen oft schlecht sind, sollte man im Sinne der Qualität auf Bio-Standard und die Eindämmung von menschlicher Ausbeutung setzen. Das kann man am einfachsten durch den Kauf von Schokoladen mit Qualitätssiegel gewährleisten.



Bewusster Schokoladekauf


Das „Fair Trade“-Siegel ist ein Qualitätsmerkmal in Bezug auf bessere soziale Bedingungen und die Vermeidung ausbeuterischer Arbeitsbedingungen wie Kinderarbeit sowie die Bezahlung angemessener Löhne. Auch das Verbot von Chemikalien und die Förderung nachhaltiger Produktion sind miteingeschlossen. Es gibt gesicherte Mindestpreise und Prämien für Gemeinschaftsprojekte. Das „Fairtrade Cocoa“-Siegel sagt aus, dass nur der Kakao fair gehandelt wurde und greift nicht so weit. Das UTZ-Siegel steht lediglich für minimale Nachhaltigkeit und mehr ökonomische Effizienz. Weit strenger als all diese Zertifizierungen ist jenes des Handelshaus GEPA. Es verbietet Kinderarbeit, setzt hohe soziale Standards und arbeitet direkt und langfristig mit demokratisch organisierten Kleinbauerngenossenschaften zusammen. Schokoladen mit diesem Siegel sind meist in Weltläden zu finden. Das Bio-EU-Siegel bezieht sich auf nachhaltige Aspekte bezüglich Dünger, Schädlingsbekämpfung und Fruchtwechsel. Mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe müssen aus kbA (kontrolliert biologischem Anbau) stammen. Soziale Standards spielen hier keine explizite Rolle, verbessern sich jedoch durch die Bio-Produktion.


Eigenverantwortliche Unternehmen


Manufakturen für Edelschokolade wie beispielsweise Zotter oder Vivani setzen immer häufiger eigene Standards und beziehen ihren Kakao direkt von Kleinbauern-Kooperativen aus Latein- und Südamerika. Außerdem bezahlen sie von sich aus Preise, die über dem Kakao-Weltmarktpreis liegen und auf langfristige Partnerschaften ausgerichtet sind. Dies hat den positiven Nebeneffekt, dass die Planungssicherheit für die Bauern vor Ort steigt. Weitere Initiativen der engagierten Unternehmer sind Schulungen im Öko-Landbau zur Steigerung des Ertrags, was wiederum für beide Seiten positiv ist. Auf das Fairtrade-Siegel wird deswegen bewusst verzichtet, weil es Zusatzkosten für Bauern und Hersteller – somit in weiterer Folge auch den Kunden – verursachen würde. Als Positivbeispiel eines deutschen Lebensmittelherstellers kann die Alfred Ritter GmbH mit seiner Marke Ritter Sport angeführt werden. Hier wird mit dem eigenen Programm „Cacaonica“ Kakaobauern in Nicaragua durch die Professionalisierung des Anbaus geholfen, die Qualität zu optimieren und dadurch mehr Erlöse für die örtliche Bevölkerung zu lukrieren.


Bunte Vielfalt


Bei Schokolade als einem der sortenreichsten Lebensmittel überhaupt, tut man gut daran, darauf zu achten, dass die Zutatenliste kurz bleibt. Als Faustregel gilt: Je weniger Zucker, künstliche Aromastoffe (z. B. Vanillin statt echter Vanille), Butterreinfett, Pflanzen- oder Palmöl, Malz- und Gerstenextrakt desto besser.


Wenn Schokolade laktosefrei oder generell frei von tierischen Rohstoffen sein soll, sind vegane Bio-Tafeln und Riegel die erste Wahl. Kuhmilch wird durch Pflanzendrinks aus Reis, Kokos, Hafer usw. ersetzt oder man greift zu dunklen Zartbitter-Varianten. Ist kein Vegan-Label vorhanden, ist der Vermerk „Kann Spuren von Ei und Milch enthalten“ ein Hinweis, dass es sich um vegane Schokolade handelt. Er wird geschrieben, damit klar ist, dass in dem Betrieb auch Milchschokolade hergestellt wird und es durch die Verwendung der gleichen Maschinen zu Spuren kommen kann. Perfekt gelagert wird Schokolade übrigens bei 10-18 °C und geringer Luftfeuchtigkeit. Sie gehört nicht in den Kühlschrank, da die Feuchtigkeit zu hoch ist und die Aromen der anderen Lebensmittel angenommen werden könnten. Zeigt Schokolade weiße Stellen, sieht man den sogenannten „Fettreif“. Er entsteht durch zu warme Lagerung oder Temperaturunterschiede, ist aber unbedenklich.


Bitterschokolade ist in den meisten Fällen aufgrund ihres hohen Kakaogehalts vegan. Aber Achtung: Butterreinfett darf nicht enthalten sein. Spuren von Milch bedeutet nur, dass die Schokolade aus Produktionsanlagen stammt, wo auch nicht vegane Tafeln oder Riegeln produziert werden.

Kakao-Barometer 2020


Alle zwei Jahre (zuletzt im Dezember 2020) erscheint es und gibt eine Übersicht, wie es in den Kakao-Anbauländern um Menschenrechte und Umweltprobleme bestellt ist. Und das ist leider nicht erfreulich. Das über 100 Seiten lange Kakao-Barometer berichtet, dass Kinderarbeit, Armut und Umweltprobleme (z. B. Waldrodung, Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden) leider immer noch Tatsachen sind. Einige der Forderungen zur Verbesserung der Lage: Bio- und Fair-Trade-Zertifizierung sollten nicht länger freiwillig, sondern verpflichtend sein. Verstoßen Konzerne gegen Zusatzvereinbarungen sollten Strafen folgen. Aktuell verlieren oft nur die Bauern vor Ort ihre Konzessionen bei Missachtung der Vorschriften. Wichtig wäre es, die Transparenz der Lieferketten und faire Preise zu verankern.