• Michaela Hocek

Küchenhacks für die Umwelt und Geldbörse

Das Zentrum des Familienlebens ist häufig die Küche. Hier trifft man sich mit den Kindern, dem Partner oder Freunden. Im Idealfall werden frischgekochte Mahlzeiten gemeinsam eingenommen und Gespräche geführt. Eine für alle Familienmitglieder verständliche Ordnung ist insofern gut, weil weniger Lebensmittel ablaufen, Kühlgeräte weniger lang offenstehen und bei der Mülltrennung keine Fehler passieren. Das alles sind schon wichtige Schritte zur Nachhaltigkeit. Wir wollen aber gerne noch mehr Tipps – vom Upcycling über das Verwenden von umweltfreundlichen Alternativen bis zum rationalen Umgang mit Ressourcen – verraten.


1. Teetrinker aufgepasst!

Gebrauchte Teebeutel im Biomüll zu entsorgen, ist an sich schon löblich. Aber die kleinen Kraftpakete haben durchaus noch das Zeug für ein Leben nach dem Ziehenlassen.


Hier zwei Anwendungsgebiete für den kosmetischen Bereich, die einfach und schnell im Alltag zu integrieren sind: Setzen Sie die kleinen Teesäckchen – idealerweise mit Schwarztee, weil er Tannine und Polyphenole enthält, die entzündungshemmend und antioxidativ wirken – als Linderung bei Augenringen oder Peeling ein. Es lohnt sich, immer zwei gebrauchte Teebeutel im Gefrierfach zu haben, die man bei Bedarf auf die Augen auflegen kann. Nach jeder Anwendung entsorgen und neue einfrieren.


Für das Körperpeeling schneiden Sie einen Beutel auf, mischen ein hochwertiges Salz mit Olivenöl und abgeriebener Zitronenschale dazu. Ein bis zwei Handvoll reichen für eine Anwendung. Die Herstellung dauert nicht länger als fünf Minuten und spart Verpackungsmüll. Wer möchte, kann noch einige Tropfen eines ätherischen Rosmarin- oder Minzöls hinzufügen. Die sich entfaltenden Düfte beim Auftragen und während einer zwei- bis dreiminütig Einwirkzeit am besten schon in der Dusche sind für die Stressmilderung in der Aromatherapie empfohlen. Danach lauwarm abspülen. Ein Eincremen danach ist in den meisten Fällen nicht mehr nötig.


2. Vitaminspender = Allzweckreiniger

Demnächst beginnt wieder die Zeit, wo es uns nach Vitaminen dürstet und fleißig Zitrusfrüchte

ausgepresst werden. Nachdem diese nicht unbedingt um die Ecke wachsen, sollte man sie möglichst gesamt verwerten. Die Schalen von Orangen, Mandarinen und Zitronen in Bioqualität können im Nu zu einem Allzweckreiniger verarbeitet werden.



Dazu werden die Schalen nach dem Saftpressen von Fruchtfleischresten befreit, grob geschnitten und in einem Glas mit Schraubdeckel (Tipp: alte Gurkengläser statt neuen Einmachgläsern) aufgeschichtet. Danach Tafel- oder Apfelessig darüber gießen, bis alles gut bedeckt ist. Nach drei Wochen Ziehzeit ist das kalklösende DIY-Putzmittel fertig. Das erkennt man am besten daran, dass es dunkler wird und einen intensiven Geruch entfaltet. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Schalen immer gut bedeckt sind, sonst könnte sich Schimmel bilden.


3. Leaf to Root

Vom Blatt bis zur Wurzel: Wer Obst und Gemüse zur Gänze verwendet, setzt ein schmackhaftes Statement kontra Lebensmittelverschwendung. Gerade in den Gemüsesorten des Herbsts steckt viel Potenzial für kreative Kochideen.


Die Blätter der Rote Beete können analog zu Spinat oder Mangold zubereitet werden. Sie machen sich grob gehackt mit Kartoffeln und Knoblauch gut, sind aber auch cremig ein Genuss. Als Hauptspeise werden sie mit Blätterteig oder Mürbteig zu pikantem Strudel oder Quiche verarbeitet und mit Joghurtsauce und Salat serviert.


Karotten-, Fenchel- und Selleriegrün ist als Pesto oder klein gehäckselt zum Würzen von Suppen ideal. Kohlrabiblätter werden im Wok mit Knoblauch, Pfeffer und Sojasauce abgelöscht und mit Reis serviert.


Die meisten Kürbisse kann man mit Schale zubereiten. Die von den Fäden befreiten Kerne können geröstet werden und je nach Gusto mit Salz oder Zimtzucker zum Snack verfeinert werden.


Die Schalen von Kartoffeln, Karotten, gelben Rüben, Sellerie, roter Beete, Süßkartoffel, Äpfel und Birnen können im Dörrautomat oder Backrohr zu trendigen Obst und Gemüsechips verarbeitet werden. Der gesunde Snack mit natürlichen Aromen wird in dünne Scheiben geschnitten, mit wenig Öl vermengt und mit Abstand zueinander auf das Backblech gelegt. Getrocknet wird das Obst bei rund 100° C für rund drei Stunden.


Tipp: Mit einem Kochlöffel die Ofentür einen Spalt offen halten, um die Feuchtigkeit entweichen zu lassen. Die energieeffizientere Methode ist ein Dörrautomat. Gemüse verträgt mehr Hitze in kürzerer Zeit. Bei 180° C werden die dünnen Scheiben für rund 20 Minuten getrocknet. Danach ist Achtsamkeit und Beobachten des Fortschritts gefragt, um nichts anbrennen zu lassen.



Smoothie mit Karottengrün

  • 1 Bund grob gehacktes Karottengrün

  • 2 Handvoll Weintrauben

  • Saft einer 1/2 Zitrone

  • 1 geschälte und geviertelte Orange

  • 3 Datteln ohne Stein

  • Ca. ¼ Liter Wasser

  • 1 EL Honig

Im Standmixer alle Zutaten vermischen, auf voller Stufe rund eine Minute mixen. Je nach gewünschter Konsistenz mehr oder weniger Wasser zugeben.


4. Heimisches Superfood entdecken

Beim Spazierengehen Ausschau nach Nussbäumen zu halten, zahlt sich auf jeden Fall aus. Walnüsse haben nicht nur die Form kleiner Gehirne, sondern sie wirken sich auch positiv auf die Konzentration, das Herz-Kreislaufsystem und den Cholesterinspiegel aus. Enthalten sind Vitamin B und E, Kalium, Zink, Magnesium, Eisen und Kalzium. Tipp: Am besten so viele wie möglich jetzt sammeln und in Netzsäcken kühl und dunkel lagern. Dann erspart man sich den Kauf meist weitgereister Walnüsse. Daher immer auf das Herkunftsland am Etikett achten.


Brennnesselsamen sind reich an Eisen, Magnesium und Kalium und derzeit überall zu finden. Dadurch beugen sie Müdigkeit vor, sie sind aber auch bei leichten Blasenentzündungen hilfreich. Als pflanzliche Eiweißquelle dienen sie mit bis zu 30 Prozent Proteingehalt. Getrocknet können sie bis zu einem Jahr aufbewahrt und über Salate, Suppen und Currys etc. gestreut werden.



Leinsamen sind das heimische Pendant zu Chia-Samen. Sie punkten mit einer hohen Konzentration an Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien, Vitamin B und Ballaststoffen.


Wer mit Pseudogetreide (Alternativen zu Weizen, Dinkel, Roggen etc.) auf glutenfreie Ernährung achtet, kann mit Hirse aus regionalem Anbau weitgereisten Quinoa ersetzen.


Ein an Vitamin B, Magnesium, Eisen und Phosphor reicher Sattmacher ist Grünkern. Heidelbeeren, Sauerkirschen und schwarze Johannisbeeren sind die Antwort auf die südamerikanischen Acai- Beeren und die chinesischen Goji-Beeren. Kalorienarm, reich an Proteinen, Kalzium und Vitaminen bringen sie gesunde und köstliche Abwechslung in den Speiseplan.


Aronia-Liebhaber dürfen sich zunehmend über regionalen Anbau freuen. Die herb-süße Frucht ist zuckerarm und wirkt antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend.


5. Jetzt säen, im Winter ernten

Balkon- und Terrassenbesitzer können frisches Grün in Form von Wintersalaten auch bei bis zu -10° C ernten. Das spart Transportwege und Verpackungsmaterial. Wer jetzt klingende Sorten wie Baquien, Waldor, roter Winterhäuptl, Unikum, Winterkresse oder Wasabino anbaut, wird mit frischen Vitaminen versorgt. Auch Asiasalate (z.B. Mizuna, Pak Choi, Red Giant) sind kälteresistent und wegen ihrer Geschmackspalette von mild über senfartig bis scharf beliebt.



Das Gute an allen Wintersalaten: Werden die Blätter nicht zu tief abgeschnitten, wachsen sie nach und können bis zu vier Mal geerntet werden. Gesät wird jetzt - im Winter nicht zu viel gießen, um Pilzkrankheiten vorzubeugen.


6. Müll reduzieren

  • Papierservietten gegen Stoffservietten austauschen. Auf Trinkhalme verzichten oder Mehrwegprodukte Glas oder Metall) bzw. essbare (Apfelfaser oder Hartweizengrieß) Halme verwenden.

  • Alte T-Shirts oder zerschlissene Bettwäsche zu Putztüchern umfunktionieren. Fusselfreie Baumwolle ist ideal zum Fensterputzen – wie auch Zeitungspapier.

  • Essensreste nicht wegschmeißen, sondern in Mehrweggeschirr aufbewahren. Aufwärmen oder neu interpretieren. Z.B. Nudelsalat, Fleisch- und Reisbällchen oder Gröstl aus übriggebliebenen Beilagen und Hauptspeisen zaubern oder Knödelwasser für Suppen verwenden.

  • Auf hochwertige Küchenutensilien aus Emaille, Edelstahl und Glas setzen.

  • Alu- und Frischhaltefolie verbannen und stattdessen Bienenwachstücher, Behälter mit Deckel, alte Gläser oder auch mal einen Teller zum Abdecken verwenden.

  • Statt Küchenrolle waschbare Bambustücher verwenden.

  • Geschirr und Oberflächen mit kompostierbaren Putz- und Abwaschschwämmen reinigen.

  • Für die Geschirrreinigung sind verpackungsfreie Spülmaschinentabs oder Putzmitteltabs, die Flaschen einsparen, empfehlenswert.

  • Von Feiern übriggebliebene Saucen oder Säfte in Eiswürfelbehältern oder Gläsern einfrieren.

Avoidwaste

Vorratsdosen aus Weizenstroh setzen im Vergleich zu herkömmlichen Plastikbehältern weniger CO2 frei, weil es sich um einen rasch nachwachsenden Rohstoff und ein Nebenprodukt der Landwirtschaft handelt. Das Hannoveraner Startup Avoidwaste hat das erkannt und ästhetische Behälter mit 500 ml und 800 ml Fassungsvermögen designt. Sie sind sehr leicht und robust,

können also getrost zum Einkauf in den Unverpacktladen mitgenommen werden.


moya

Ungewöhnlich sind die Aufbewahrungsbehälter aus Birkenrinde der Designerin Anastasiya Koshcheeva für ihr Label moya, das sie 2018 in Berlin gründete. Die natürlich antiseptischen Pastaröhren sind Ausdruck sibirischen Traditionshandwerks mit einem modernen Twist. Diesen Rohstoff verwendet sie übrigens auch in größeren Dimensionen für Hocker, Loungestühle,

Lampen, Körbe und Pflanzenübertöpfe.


everdrop

Sauberkeit in der Küche und Umweltfreundlichkeit sind kein Widerspruch. Das „everdrop Clean Kitchen Set“ beispielsweise enthält Putzmitteltabs mit Nachfüllflasche, unverpackte Spülmaschinentabs inkl. Metall-Aufbewahrungsbox, eine Flaschenbürste und zwei Naturschwammtücher.


7. Einkaufstipps

Schon im Vorfeld kann für die Küche Umweltfreundliches eingeleitet werden.

  • Brotbeutel zum Bäcker mitnehmen.

  • Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Kakao, Nüsse, Müsli und Gewürze lose in Unverpacktläden einkaufen.

  • Auch Putzmittel können in vielen Unverpacktläden oder Drogeriemärkten bereits individuell abgefüllt werden.

  • In der Handtasche und im Auto fix einen Stoffsack oder klein zusammenlegbare Mehrwegtaschen verstauen.


8. Elektrogeräte so lange wie möglich nutzen

Laut „Global E-Waste-Monitor 2020“ nahm im Vorjahr die weltweite Menge an Elektroschrott um 21 Prozent zu. 53,6 Millionen Tonnen fielen insgesamt an. Auch in Bezug auf CO2-Emissionen gibt es wenig erfreuliche Kennzahlen: Weggeschmissene Kühlschränke und Klimaanlagen haben 2019 fast 100 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente ausgestoßen. In den Recyclingkreislauf gelangt leider nur ein Bruchteil. Wenn man bedenkt, dass rund zwei Drittel der Auswirkungen auf die Ökobilanz bei Elektrogeräten in der Produktion passieren, sollte das Ziel sein, sie so lang wie möglich funktionstüchtig zu halten. Regelmäßige Grundreinigung und Entkalkung machen sich bezahlt. Bevor man den defekten Kühlschrank, Geschirrspüler & Co. leichtfertig austauscht, lohnt es sich, nach Reparaturnetzwerken in der Nähe Ausschau zu halten. Beim Kauf sollte man bereits nach verfügbaren Austauschmodulen oder Einzelteilen fragen. Vor der Anschaffung von Kleingeräten abwägen, wie wichtig es im Alltag sein wird und wie oft es zum Einsatz kommen wird.