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  • AutorenbildMichaela Hocek

Interview mit Elke Jensen

In drei Sätzen:

Eine Produktdesignerin startet nochmal durch und entwickelt einen nachhaltigen Shopper, Trolley und moderne Gehhilfe als ästhetischen Alltagsbegleiter. CityCaddy ist ein Accessoire, das Sicherheit und Stärke repräsentiert. Die Modelle – wahlweise in Leder oder waschbarem Papier – sind reparabel, stehen somit für Langlebigkeit und werden in Deutschland produziert.

„Ich finde, dass die Lust auf Schönes auch im Alter nicht nachlässt.“

Mit 70 Jahren ein Start-up zu gründen, ist nicht alltäglich. Wie ist die Idee entstanden?


Der CityCaddy „CC.MAILAND“ ist aus abwaschbarem Papier. Schadhafte Einzelteile können ersetzt werden.

Die Idee schlummerte schon lange in mir. Ich bin ein sehr offener Mensch, bin gern unterwegs und lasse mich inspirieren. So stand für mich fest, dass ich auch nach meiner Zeit als Design-Professorin „etwas auf die Beine stellen“ wollte. Mit zunehmendem Alter bemerkte ich des Öfteren in verschiedenen Situationen – bei meinen Freundinnen und auch bei mir selbst, wie z. B. beim Warten auf Bus und Bahn – den Wunsch nach einer Stütze zum Auflehnen. Einerseits wollte ich mich komfortabler und andererseits auch sicherer zu fühlen. Es schwang jedoch genauso das Bedürfnis mit, nicht gebrechlich, sondern stärker zu erscheinen. Diese Beobachtung und diesen Gedanken wollte ich unternehmerisch umsetzen, denn nichts Raffiniertes in der Art existierte. Als Produktdesignerin war und ist Ästhetik ein wichtiger Aspekt für mich. Vor allem finde ich, dass die Lust auf Schönes auch im Alter nicht nachlässt. So war für mich die Idee zum stilvollen CityCaddy geboren. Er ist ein Shopper aus hochwertigen Materialien, ein Trolley und moderne Gehhilfe zugleich. Der CityCaddy bietet Sicherheit im Alltag und motiviert zu mehr Bewegung, die ja in jeder Lebensphase enorm wichtig ist.


Wie viel Zeit haben Sie in die Entwicklung gesteckt?


Eine technische Produktentwicklung ist ein langwieriger Prozess. Von der Idee bis zum Markteintritt vergingen etwa fünf bis sechs Jahre. In dieser Zeit habe ich immer wieder skizziert, mit potenziellen Herstellern gesprochen, Messen besucht, Materialien getestet und meine Idee vorangebracht bzw. stetig weiterentwickelt. Den ersten von etlichen Prototypen hat mein Bruder für mich gebaut. 2019 habe ich dann die „CityCaddy UG“ gegründet.


Welches Feedback haben Sie anfangs erhalten?


Ich habe mir in meinem Leben ein großes Netzwerk aufgebaut. So habe ich vielen unterschiedlichen Menschen von meiner Idee und meinem Vorhaben erzählt. Die Reaktionen waren so gut wie immer positiv und motivierend. Ich habe auch viel Unterstützung erfahren: Ein guter Freund und Kaufmann hat mich hinsichtlich des Business- und Finanzplans beraten, eine meiner ehemaligen Studentinnen hat die Renderings umgesetzt, eine Freundin von mir ist das Model auf den CityCaddy-Motiven. Dennoch gab es auch wirklich zähe Phasen und Ereignisse. Beispielsweise habe ich beim Gespräch mit der Bankberaterin schon eine gewisse Zurückhaltung aufgrund meines Alters gespürt. Da standen Aspekte wie die wirtschaftliche Machbarkeit und die Nachfolgeregelung eher im Fokus als meine Erfindung an sich. Letztendlich habe ich dann das nötige Kapital mithilfe von „Family & Friends“ realisiert. Das schönste Feedback habe ich erhalten, als ich die ersten CityCaddy-Modelle persönlich meinen ersten Kundinnen ausgeliefert habe. An diese Begegnungen erinnere ich mich heute noch gerne.


Wie wichtig war Ihnen die Nachhaltigkeit des Produkts?


Nachhaltigkeit liegt mir sehr am Herzen. Ich lasse beispielsweise in Deutschland fertigen, wodurch lange Transportwege entfallen. Leder ist ein stark langlebiges Material, es lässt sich pflegen und altert gut. Am Ende kann es verrotten. Außerdem sind alle Einzelteile des CityCaddy bei einem eventuellen Schaden relativ leicht zu ersetzen. Darüber hinaus kommen kaum Verbundteile und sehr wenig Kunststoff zum Einsatz. Bei der Entwicklung war und wurde mir immer mehr bewusst, dass der CityCaddy haltbar, reparabel und ressourcenbewusst sein soll.


Woher beziehen Sie das waschbare Papier für das zweite Modell?


Von der Manufaktur Creativ-Ledermanufaktur in Sangershausen. Dort werden alle Taschenmodelle gefertigt. Neben der Nachhaltigkeit ist mir auch noch Fairness ein Anliegen – alle beteiligten Unternehmen sollen eine angemessene Vergütung bekommen. Ich empfinde diesen Ansatz als eines der Qualitätsmerkmale vom CityCaddy.


Was kostet der CityCaddy?


Die Version mit Ledertasche „CC.PARIS“ kostet aktuell 1.295 Euro. Die Paperbag-Edition, „CC.MAILAND“ liegt bei 1.195 Euro.


Stehen in naher Zukunft neue Ideen oder weitere Entwicklungen an?


Ja, wir werden bald den CityCaddy neben den jetzigen Farben Orange, Blau und Beige auch in weiteren Tönen anbieten. Und wir entwickeln gerade ein Modell, das statt der Tasche einen Koffer beinhaltet. Dieser ist dann ideal für einen Wochenend-Trip.

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