• Harald Gutzelnig

DEM MÜLL AUF DER SPUR

Obwohl wir täglich welchen produzieren, beschäftigen wir uns relativ wenig mit der Reise des Mülls, nachdem wir ihn (hoffentlich fachgerecht) entsorgt haben.

Grund genug, sich auf Spurensuche zu begeben.



Jährlich fallen laut letzten Erhebungen in Deutschland 50,3 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle an, in Österreich sind es 4,3 Millionen Tonnen. Diese Abfälle des täglichen Lebens entstehen in Privathaushalten, Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Verwaltungsgebäuden, Arzt- und Rechtsanwaltspraxen, etc. Interessant ist, wie mit diesen Mengen umgegangen wird. Mit Recyclingquoten von 67 bzw. 59 Prozent sind Deutschland und Österreich bemüht, ihren Müll in den Griff zu bekommen. Bis 2035 lautet die Zielvorgabe des Europäischen Parlaments 65 Prozent aller anfallenden Siedlungsabfälle zu recyceln. EU-weit liegt der Durchschnitt aller 28 Mitglieder laut Eurostat bei 45,3 Prozent.



Bis 2035 lautet die Zielvorgabe des Europäischen Parlaments 65 Prozent aller anfallenden Siedlungsabfälle zu recyceln.



Während es in Deutschland und Österreich sowie Belgien, den Niederlanden, Schweden, Dänemark und Finnland kaum Mülldeponien gibt, sind diese in den östlichen und südlichen Regionen Europas durchaus üblich. Spitzenreiter sind hier Malta, Griechenland, Zypern und Rumänien, die rund 80 Prozent ihres Mülls auf Deponien lagern. Immer noch mehr als die Hälfte zu lagern ist in Spanien, Ungarn, Tschechien, Portugal, Kroatien, Lettland, Slowakei und Bulgarien üblich. Es gibt also noch viel hinsichtlich Wiederverwertung zu ändern, wie diese punktuellen Betrachtungen vor Augen führen.


»Rohstoffe in Form von ­Abfall im Wert von fünf Milliarden Euro werden jährlich in ­Europa weggeworfen«

Was es zu trennen und zu vermeiden gilt

Nach wie vor landen zu viele recycelbare Stoffe im Restmüll. Getrennt werden sollten Bioabfälle, Altpapier und Karton, Altglas, Altmetalle und Dosen, Kunststoffverpackungen, Problemstoffe, Altkleider, Styropor-Formteile, Elektroaltgeräte und Getränkeverbundkartons. Ein Umdenken ist auch in Richtung Müllvermeidung voranzutreiben. Durch vermehrten Verpackungsmüll in Single- und Zwei-Personen-Haushalten und aufgrund von Mehrfachverpackungen kleiner Produkteinheiten oder auch dem Abfall, der durch die Snackkultur unterwegs entsteht, summieren sich unnötige Einwegverpackungen. Bewusster Konsum und Verzicht oder die Suche nach Alternativen können hier relativ einfach helfen, ohne uns gravierend einzuschränken. Beispielsweise kann man statt zu Mini-Schokoladetafeln in einem Papierkarton, der von Kunststoff umhüllt ist, zu einer einzelnen Tafel Schokolade greifen. Statt dem To-Go-Kaffeebecher kann man einen eigenen Keramik- oder Thermobecher mitnehmen, wenn man sich nicht von seinem Cappuccino unterwegs verabschieden möchte.


Bis 2029 sollen laut EU-Richtlinie „Single Use Plastics“ (SUP) mindestens

90 % der Kunststoff-Getränkeflaschen getrennt gesammelt und recycelt werden.


Apropos Kaffee: Portionsweise abgepackt in Aluminiumkapseln ist er umwelttechnisch auch nicht gerade die erste Wahl, auch wenn mittlerweile Recyclingmodelle von den Herstellern oder abbaubare Alternativen etabliert wurden. Eine Stofftasche immer mit dabei zu haben, ist ebenfalls ein kleiner Beitrag mit großer Wirkung, um den Verbrauch von Papier- und Kunststofftragetaschen einzudämmen. Immer häufiger zeigt sich in vielen Bereichen der Müllvermeidung, die immer oberste Priorität haben sollte, dass ein paar Schritte zurück durchaus zukunftsweisende Fortschritte und hippe Trends bringen. Wenn man sich zum Beispiel zurückerinnert, wie der Duft von frisch gemahlenem Kaffee die Küche der Oma erfüllte oder man mit dem Einkaufsnetz zum Greißler, der viel Unverpacktes in den Regalen stehen hatte, geschickt wurde.



Great Pacific Garbage Patch

Im „Great Pacific Garbage Patch“, einem riesigen Müllteppich im pazifischen Ozean auf einer Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern, beträgt das Verhältnis von Plastik zu Plankton 6:1.


Was Recyclen bringt

Doch nun zu den einzelnen Altstoffen und dem Recylingkreislauf: Papier kann bis zu sechs Mal wiederverwertet werden, ehe die Fasern als „Reject“ aus dem Produktionsprozess ausscheiden. Es entstehen Verpackungen aus Papier, Karton, Pappe und Wellpappe. Kunststoffverpackungen werden wegen ihrer unterschiedlichen Schmelztemperaturen sortiert und anschließend zerkleinert, gewaschen, getrocknet, geschmolzen und zu Granulat verarbeitet. Vermischtes und verunreinigtes Material kann zur Energieerzeugung in industriellen Anlagen genutzt werden, was den Verbrauch von fossilen Brennstoffen reduziert. Nach dem Trennen von Fremdstoffen wird Altmetall gepresst und mit anderen Schrottsorten und Roheisen zur Stahlerzeugung herangezogen. Aluminium wird händisch oder mittels Wirbelstromabscheidern aussortiert. Das Wiederaufschmelzen des recycelten Materials kommt mit 5 Prozent der Energie, das für die Herstellung des Primärmaterials nötig wäre, aus. Außerdem verliert Aluminium seine Beschaffenheit beim Recycling nicht und ist unbegrenzt wiederverwertbar. Ähnlich verhält es sich mit Glas. Auch hier gibt es keine Qualitätsunterschiede zum Neuprodukt. Wichtig ist die genaue Sortierung, um Einschlüsse, die Glas brüchig werden lassen, zu verhindern. Der Altglas-Anteil kann bei Grünglas bis zu 100 Prozent, bei Weißglas bis zu 60 Prozent betragen. Getränkekartons werden in ihre Bestandteile – Kunststoff, Zellulose und Aluminium – zerlegt. Die Zellulose wird für die Kartonproduktion verwendet, während Kunststoff und Aluminium in die Energieproduktion eingebracht werden.


Jährlich werden weltweit 16 Milliarden Coffee-To-Go-Becher benützt.

Jedes Kilogramm an recycelten Getränkekartons spart ein

Kilogramm CO₂.




Düngen auf Japanisch

Bokashi als Upgrade zum Kompost




Ein gesunder Boden gibt gesunde Pflanzen: Das gilt besonders für Garten- oder Balkonerde. Um diese Erde besonders wertvoll zu machen, düngen immer mehr Menschen „auf Japanisch“ – mit Bokashi. Das bedeutet so viel wie „fermentiertes, organisches Allerlei“ und ist sozusagen ein Upgrade zum Kompost: Im Unterschied dazu wird Bokashi nämlich durch Fermentation, also unter Luftabschluss, hergestellt – ähnlich wie beim Sauerkraut.

Während beim Kompostieren eine Rotte eintritt, kommt es bei Bokashi zur Gärung. Das sorgt dafür, dass beim Bokashieren unter anderem kein unangenehmer Geruch entsteht. Auch die Herstellung selbst verläuft schneller: „Während der Weg vom Küchenabfall zum Dünger beim Kompostieren mehrere Monate dauert, wartet man beim Bokashi je nach Temperatur nur 2-6 Wochen“, so Lukas Hader, Geschäftsführer der österreichischen Firma Multikraft.


Schon gewusst?

Eine alte Gärtnerweisheit aus früheren Zeiten besagt, dass reifer Kompost noch 3 bis 5 Jahre lang gelagert werden sollte, bevor er im Garten verwendet wird.



Bokashi selbst herstellen

Die einfachste Art, Bokashi selbst herzustellen, sind Bokashi-Haushaltseimer. Für rund 60 Euro kommen sie im Doppelpack, sodass man immer einen geschlossenen Behälter für die Fermentation und einen offenen zum Abfallsammeln hat. Was man noch dazu braucht, ist getrockneter Bokashi und eine Flüssiglösung mit Effektiven Mikroorganismen. Dann kann es schon losgehen: Gesammelte Garten- und Küchenabfälle werden zerkleinert in den Sammeleimer gegeben, mit „Bokashi getrocknet“ bestreut und mit Effektiven Mikroorganismen besprüht. Anschließend, wenn der Eimer voll ist, wird er geschlossen.

Effektive Mikroorganismen bauen organisches Material unter Luftabschluss sehr rasch um. Bei Zimmertemperatur dauert der Fermentationsprozess im Bokashi Eimer nur rund zwei Wochen. Durch den kleinen Abflusshahn unten am Eimer entnimmt man bereits nach einigen Tagen den anfallenden Sickersaft, der als Dünger – verdünnt im Verhältnis von 1:200 mit Wasser – für Pflanzen aller Art noch am selben Tag genutzt werden kann. Bokashi-Dünger kann man übrigens nicht nur aus täglich anfallenden Küchenabfällen herstellen. Auch im großen Stil ist bokashieren mit sämtlichen Gartenabfällen möglich: Anstatt beispielsweise den Rasenschnitt zu entsorgen, kann man ihn einfach im Garten bokashieren.


Düngemittel für das ganze Jahr

Dieser natürliche Dünger hat das ganze Jahr über Saison. Der Herbst ist allerdings die ideale Düngezeit: Arbeitet man vor dem Winter eine dünne Schicht Bokashi oberflächlich in den Boden ein, vererdet diese über den Winter. Der Kreislauf des Lebens ist somit geschlossen und im Frühling kann dann in perfekt vorbereitete Erde gesät oder gepflanzt werden.


Bokashi Haushaltseimer Organico

Produktion von hochwertigem Dünger für Haus und Garten

Eigene Biomüllverwertung

Geruchlose Aufbewahrung von ­Küchenabfällen

multikraft.com