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Christian Rieger im Interview über Nachhaltigkeit und Visionen

  • Autorenbild: Michaela Hocek
    Michaela Hocek
  • vor 12 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

In Drei Sätzen


SCROC steht für nachhaltige Sportbekleidung aus Naturfasern. Gegründet von Ex-MTB-Profi Christian Rieger, vereint das Unternehmen sportliche Expertise mit Innovationsgeist und Naturverbundenheit. Qualität, Funktionalität und Respekt gegenüber der Umwelt bilden dabei das Fundament jeder Kollektion.


Bild: SCROC
Bild: SCROC

Wie und wann ist die Idee zu SCROC entstanden?


Als ehemaliger MTB-Profi, unzufrieden mit meiner Kunstfaserbekleidung, hatte ich immer die Vision von perfekter Sportbekleidung aus Naturfasern. Nach meiner Karriere als MTB-Profi startete ich als Linien-Pilot durch. Doch der Gedanke an das perfekte Naturfasershirt ließ mich nicht los.


Aus Liebe zur Natur und dem Streben nach Perfektion entstand die Idee, hochwertige Sportbekleidung aus Naturfasern zu entwickeln. Diese Vision hat mich durch Höhen und Tiefen begleitet und geformt. Ich informierte mich auf Messen über die besten Materialien und begann an der Nähmaschine meiner Mutter die ersten Nähversuche zu unternehmen. Stoffe wurden auf Herz und Nieren getestet, mit dem Ergebnis: Es muss etwas Eigenes geschaffen werden. Nach unzähligen Nieten und noch mehr Neuversuchen war er da, der Merino- Stoff, aus dem Träume sind. Angenehm zu tragen, voller Emotion und Kraft der Natur.


Und so entstand SCROC – von einer Idee zum Wir-Produkt. Jeder Schritt unserer Reise ist ein Beweis für unsere Entschlossenheit und unseren Respekt gegenüber der Natur. Wir stehen für Nachhaltigkeit, höchste Qualität & Performance der Natur – zusammen führt dies zum einzigartigen Tragegefühl unserer Sportbekleidung.


Sie setzen auf Merinowolle und Naturfasern — welche Vorteile bieten diese im Vergleich zu synthetischen Materialien?


Merinoschafe leben in Regionen, in denen kein anderes Schaf überlebt. Gebirgslandschaften, in denen unerträglich heiße Tage kalte Nächte ablösen, sind ihr Lebensraum. In ihrem feinen Wollkleid finden wir die Antwort auf die Frage, warum gerade diese Schafe so widerstandsfähig sind. Die Fasern der Merinowolle nehmen Schweiß auf, geben die Feuchtigkeit nach außen ab – halten so die Schafe trocken, wärmen oder kühlen sie – je nachdem, was gerade nötig ist. Genau diese funktionalen Eigenschaften finden sich auch in unseren Kleidungsstücken wieder. Sie sind temperaturausgleichend, atmungsaktiv, feuchtigkeitsabsorbierend, schnelltrocknend und wirken auf natürliche Weise geruchsneutralisierend. Eigenschaften, die synthetische Materialien in dieser Form nicht erreichen.


Transparenz in Echtzeit - Die gesamte Produktreise lässt sich digital einfach und nachvollziehbar verfolgen. Bild: SCROC
Transparenz in Echtzeit - Die gesamte Produktreise lässt sich digital einfach und nachvollziehbar verfolgen. Bild: SCROC

Wie stellen Sie sicher, dass Nachhaltigkeit entlang der gesamten Lieferkette gelebt wird — vom Merinoschaf bis zur fertigen Bekleidung?


Oberste Priorität hat das Wohlbefinden für Mensch und Tier. Wir wissen, woher unsere Wolle kommt, wie es den Merinoschafen geht und wie sie behandelt werden. Dabei vertrauen wir nicht auf gekaufte Gütesiegel oder selbstausgestellte Zertifikate, sondern nur auf geprüfte Zertifikate von Lieferanten und tauschen uns direkt mit den Farmen aus.


Bei der Auswahl unserer Lieferanten achten wir darauf, dass sie aus Europa stammen und im gesamten Unternehmen nachhaltig agieren. Wir haben jedoch auch einen Lieferanten aus Asien. Warum? Weil dieser innovative Stoff, den wir in vielen unserer Kleidungsstücke verarbeitet haben, nur dort in der Qualität hergestellt wird, die wir uns vorstellen. Wir haben aber auch bei der Auswahl dieses Lieferanten darauf geachtet, dass er auf umweltfreundliche Produktionsverfahren, ressourcenschonende Materialien und innovative Recycling-Technologien setzt.


Unsere Produktion ist in Litauen. Wir kennen unseren Produzenten persönlich und besuchen ihn auch regelmäßig, um uns die dortigen Arbeitsbedingungen genauer anzusehen.


Diese Transparenz zieht sich durch alle Bereiche. Wir zeigen offen und mit voller Transparenz, woher alle Komponenten unserer Bekleidung – angefangen bei den Merinoschafen, über die Stoffe, Watte und Einzelteile bis hin zu unserem fertigen Kleidungsstück – kommen und wo sie produziert werden. Jeder unserer Lieferanten wird auf unserer Webseite transparent vorgestellt, denn wir haben keinen Grund, etwas zu verschleiern. Seit der Herbst/Winter-Kollektion 2025/26 ist es möglich, bei jedem einzelnen Produkt „Die Reise des Produktes“ nachzuvollziehen. Entweder über den QR-Code beim Preisetikett oder online direkt beim Produkt unter „Reise des Produktes“.


Wie wichtig sind Ihnen Produkt-Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit – und wie setzen Sie diesen Anspruch konkret um?


Wir werfen nichts weg. Bei uns wird Slow Fashion gelebt. Wir lassen nur kleine Mengen produzieren und bestellen alle Komponenten dafür in der Stückzahl, in der wir sie auch wirklich benötigen. Dabei kann es vorkommen, dass das eine oder andere Teil relativ rasch ausverkauft ist. Das ist für uns kein Problem, ganz im Gegenteil, wir sind gegen Überproduktion und freuen uns, wenn am Ende der Saison wieder Platz im Lager für Neues ist.


Unser Wunsch ist es, dass unsere Kund:innen lange etwas von unseren Kleidungsstücken haben. Deshalb reparieren wir entweder bei uns in Wolfern (Oberösterreich) oder bei größeren Reparaturen in unserer Produktion in Litauen, die Stücke unserer Kundinnen und Kunden so lange es geht und solange sie zufrieden sind.


Welche Rolle spielen Ihre Kund:innen in der Weiterentwicklung Ihrer Marke und Produktlinien?


Das Feedback unserer Kundinnen und Kunden ist für uns von großer Bedeutung, und wir lassen es – soweit möglich – aktiv in die Weiterentwicklung unserer Marke einfließen. Als nachhaltiges Unternehmen produzieren wir bewusst nur in dem Umfang, wie es der tatsächlichen Nachfrage entspricht. Daher können wir nicht jeden Wunsch umsetzen, insbesondere wenn dieser mit grundlegenden Produktveränderungen verbunden ist. Dennoch sind wir stets bestrebt, Anregungen sorgfältig zu prüfen und im Rahmen unserer Möglichkeiten zu berücksichtigen.

Shop in Wolfern (OÖ) Bild: SCROC
Shop in Wolfern (OÖ) Bild: SCROC

Wie sieht für Sie die Textilindustrie im Idealfall in zehn Jahren aus?


Gerade in der Bekleidungsbranche sind Veränderungen und Akteurinnen und Akteure, die bewusst neue Wege gehen, von großer Bedeutung. Fast Fashion ist nach wie vor ein dominierendes Thema, und viele große Modeunternehmen halten trotz der bekannten negativen Auswirkungen auf Branche und Umwelt an diesem Modell fest.


Für die kommenden zehn Jahre wünsche ich mir, dass Fast Fashion der Vergangenheit angehört und Nachhaltigkeit nicht nur als Marketingbotschaft dient, sondern authentisch und konsequent in den Unternehmen der Bekleidungsindustrie verankert ist. Darüber hinaus sollte nachhaltiges Handeln nicht nur umgesetzt, sondern auch transparent gemacht werden – etwa durch offen kommunizierte Lieferketten und nachvollziehbare Produktionsprozesse. Unsere natürlichen Ressourcen sind kostbar – und mit derselben Wertschätzung sollten auch Kleidungsstücke hergestellt und behandelt werden.




 
 
 
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