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  • AutorenbildMichaela Hocek

Grüne Oase im Kleinformat

Eine nachhaltige Blumenkiste, ein ökologisches Hochbeet auf Balkon oder Terrasse und innovative Pflanztröge wecken die Lust auf einen blühenden Sommer.


Ein grüner Außenbereich – und sei er noch so klein – ist der Traum vieler urbaner Hobbygärtner, die ihr städtisches Umfeld nicht missen möchten. Die nichts dagegen haben, ihre Mahlzeiten mit frischen Kräutern, leuchtend oranger Kapuzinerkresse oder intensiv duftendem Lavendel zu adeln. Die zwischendurch die Naschlust auf knackige Cocktailtomaten, vielleicht sogar frische Beeren vom eigenen Balkon oder der Terrasse überkommt. Witzig, wenn man während der Recherche merkt, selbst Teil der Zielgruppe zu sein. Und Grund genug, neugierig Nachschau zu halten, welche kreativen Köpfe oder innovativen Unternehmen in diesem Bereich auf die Sprünge helfen könnten.


Darf ich vorstellen?

So machte ich im Zuge meiner Recherchen mit dem „Garten Fräulein“ Bekanntschaft. Die Idee eines Balkongarten-Onlinekurses stach ins Auge und auch wenn der (vorerst) mögliche Buchungszeitraum schon verstrichen war, bin ich froh, den Blog (garten-fraeulein.de) entdeckt zu haben – bietet er nicht nur beruflich viele Anknüpfungspunkte, sondern gibt auch meinem Balkon die Chance, bis zum Sommer eine Oase zu werden. Denn es ist uns seit Beginn unseres Magazins wichtig, dass die gebotenen Inhalte auch im Alltag umsetzbar sind. Und da kommt Begleitung in Gestalt einer leidenschaftlichen Gärtnerin mit fast 50.000 Followern auf Instagram und lustmachenden Beiträgen auf der Website gerade recht. Man merkt, dass es ihr ein Anliegen ist, Menschen zum Gärtnern und sei es nur auf engsten Verhältnissen, zu motivieren und so erfahre ich, dass es mehrjährige winterharte Balkonpflanzen gibt, die wenig Zeit in Anspruch nehmen, das ganze Jahr eine schöne Aussicht bieten und keine aufwändigen Überwinterungsmaßnahmen für sich beanspruchen. Ganz in meinem Sinne, denn für zarte Pflänzchen fehlt mir tatsächlich der grüne Daumen, die Geduld und die Zeit. Was mich schon mehr anspricht, ist das monatliche Update für den Selbstversorgerbalkon (Hm, vielleicht klappt es ja diesmal mit einem vernünftigen Anbauplan, Ringelblumen im Sommer oder Asia-Salate im Winter zu ernten?) oder die Rubrik „Bastelideen“, denn so ein Kräutertopf aus Milchtüten oder Beton wäre schon mal ein sicherer Erfolg. Aber sehen Sie einfach selbst, was Sie am meisten anspricht.

Der Blog „Garten Fräulein“ ist eine Quelle kreativer Ideen für den Balkon rund ums Jahr. Zeitweise sind auch Balkongarten-Onlinekurse buchbar oder es schneit per Mail ein Basilikum-Guide ins Haus. Sehr praxisnah! garten-fraeulein.de

Nachhaltige Pflanzgefäße Für mich neu entdeckt habe ich das Unternehmen U-greeny auf der „Wohnen & Interieur“-Messe in Wien Anfang März und war vom Fleck weg begeistert. Das Konzept, dass die platzsparend ineinander stapelbaren Boxen keine Montage und handwerkliche Fähigkeit erfordern, gefiel mir auf Anhieb. Sie können als Turm oder grüner Sichtschutz je nach Platzverhältnissen eingesetzt werden. Der patentierte Wasserablauf, der Staunässe verhindert, und ausreichende Belüftung garantiert, schüren die Hoffnung, dass die Pflanzen auch bei mir langfristig gedeihen. Die Experimentierfreude des kreativen Kopfs und Marketing- und Innovationsmanagers von Plast-IQ, Harald Jarzombek, der beim Relaunch von U-greeny stark involviert war, steckt an. Die Pflanzboxen mit einem Fassungsvermögen von ca. 20 Litern Erde bestehen zu 80 Prozent aus recyceltem Material und sind am Ende ihrer Lebensdauer voll recyclingfähig. Überwintert werden sie platzsparend ineinander gestapelt oder man nützt die Kälteschutzhaube bei niedrigen Temperaturen oder in der Anbauphase (Stichwort „Glashaus-Effekt“). Vor Ort Basilikum, Minze, Salate und Mini-Zitrusfrüchtebäume in den Boxen zu sehen, hat das Verständnis für das System extrem erleichtert. Auf der Website gibt es einige Bepflanzungstipps, falls es schon jemand in den Fingern juckt.

Wer von einer eigenen Stadtfarm auf engstem Raum träumt, kann sich dies mit U-greeny erfüllen. Die Boxen aus 80 % Recyclingmaterial können gestapelt und individuell aufgestellt werden.

Nette (Geschenk-)Idee Blumenkränze kennen wir vor allem aus der schwedischen Mittsommer-Tradition, wo die Frauen sie im Haar tragen. Mit der „Do-it-yourself-Blumenkranz“-Saat-Tüte, die eine Auswahl der sieben schönsten Wildblumen für einen Blumenkranz beinhaltet, kann der eigene nachhaltige Blumenkranz selbst gebunden werden.

Bild: verblühmeinnicht.de

EUR 2,95


Für alle, die gern delegieren

Schön war es auch zu lesen, dass die Gründerinnen des Berliner Unternehmens „The Plant Box“ weiterhin Balkone mit fixfertig arrangierten Pflanzenkombinationen ausstatten – nachhaltig, grün, floral und vor allem insekten- und vogelfreundlich. Die Gartenbauwissenschaftlerin Alice Sare Özserin und Betriebswirtin Anne Baltes-Schlüter stellen Refills für die Balkonkiste aus einjährigen Blühern oder mehrjährigen Stauden zusammen, die online bestellt werden. Die passende Plant Box ist aus Pflanzenölen und die organische Pflanzsocke (die außerdem auch als Langzeitdünger fungiert und biologisch abbaubar ist) aus Schafwolle hergestellt. Im Sommer werden die Neuheiten „Pretty Romance“, „Blooming Desert“ und „Botanical Bliss“ die städtischen Balkone bunt werden lassen. Schöner und unaufwändiger kann bessere Luftqualität und Bienenpflege im eigenen Umfeld kaum betrieben werden. Es kann sogar ein ­Aboservice, im Zuge dessen fünf Mal pro Jahr passende Blumen und Pflanzen an die Haustür geliefert werden, in Anspruch genommen werden. Spannend auch der neue Planting Plot „Sun Days“, der auf 365 Tage für sonnige Balkone abgestimmt ist.

Bild: ThePlantBox [AnnaCor]

Was sonst noch zu tun ist Tipps für ein Hochbeet, eine schlüssige Fruchtfolge und Pflanztipps für den Balkon habe ich im Interview einem weiteren Profi entlockt. Lesen Sie selbst, ich werde mich in der Zwischenzeit um das Entstauben meiner Gartenmöbel und dem Aufwaschen des Bodens kümmern. Neben Blumenkästen und Topfgemüse ist auch ein neuer Grill eine Überlegung wert. Ob es nachhaltige Sonnenschirme gibt, möchte ich auch noch schnell googeln. Und dann lassen Sie uns der Vorfreude auf einen blüten- und erntereichen Sommer auf Balkonien frönen.


Interview mit Agrarwissenschaftlerin, Bloggerin und Buchautorin Doris Kampas


Die Hochbeet-Expertin und passionierte Bio-Gärtnerin weiß, wie man Obst und Gemüse in Töpfen, Beeten und Kisten kultiviert oder die Wände hinaufwachsen lässt. Wir haben ihr drei Fragen mit Fokus auf Terrasse und Balkon gestellt.

Bilder: Löwenzahn Verlag [Daniel Zangerl]

Was muss ich für ein ökologisches Hochbeet für den Balkon/die Terrasse beachten? Vorneweg ist es bei einem Hochbeet auf der Terrasse oder dem Balkon ganz wichtig, auf das Gewicht Acht zu geben. Denn ein Hochbeet inklusive Befüllung und im Winter auch einer Schneehaube kann ganz schön schwer werden. Meistens ist aus statischen Gründen eine maximale Belastung von 250 bis 300 kg/m² gestattet. Das Hochbeet darf also entweder nicht zu hoch sein, sollte auf Beinen stehen oder teilweise mit leichtem Material (z.B. Miscanthus-Mulch) befüllt sein.


Bei der Materialauswahl ist Holz am ökologischsten, z.B. Lärchenholz, das sehr langlebig und für den Außenbereich sehr gut geeignet ist. Metall verbraucht schon bei der Produktion viel Energie und Natursteine oder Ziegel sind für den Balkon zu schwer.


Das ideale Befüllungsmaterial ist torffreie Bio-Erde, darunter passt je nach Höhe des Hochbeetes Miscanthus-Mulch. Eine tolle Idee ist eine Wurmbox. Diese wird mitten in das Hochbeet gesetzt, darin befinden sich Kompostwürmer, die sich sehr rasch im Hochbeet verteilen. Mit ungesalzenen, pflanzlichen Küchenabfällen können die Regenwürmer gefüttert werden.


Für den Anbau im Hochbeet eignet sich nahezu jede Gemüsepflanze. Eine kleine Falle ist, dass die Pflanzen oft viel zu eng gesetzt werden und sich daher nicht gut entwickeln können. Also: Pflanzabstände beachten!


Stichwort Fruchtfolge: Mit welchen Obst-/Gemüsesorten und Beeren kann ich den Balkon bepflanzen, sodass ich möglichst lange saisonal selbst ernten kann? Im Grunde geht jedes Gemüse, es muss nur zur richtigen Jahreszeit angebaut werden. Ab März wachsen Radieschen, verschiedene Pflücksalate (z.B. Venezianer, Misticanza), Kopf- und Eisbergsalate, Spinat, Rucola, Kohlrabi, Karotten und Erbsen. Ab Mitte Mai wird das meiste Fruchtgemüse gepflanzt, also Tomaten, Paprika, Chili, Gurken, Zucchini und Bohnen. Gleichzeitig oder etwas später kann auch der Anbau von Porree und verschiedenen Kohlgemüsearten (Rosenkohl, Brokkoli, Rotkohl, Weißkohl, Grünkohl usw.) erfolgen. Diese Gemüsearten bleiben sehr lange im Beet und können auch noch im Winter geerntet werden. Ab August darf schon das Wintergemüse in Kistchen, Töpfe und Tröge, z.B. Endiviensalat, Pak Choi und verschiedene Asia-Gemüsearten wie Mizuna, Rouge metis, Tatsoi, Red Giant usw. Diese Gemüsearten und -sorten können bis in den Winter, manche sogar bis Januar oder Februar des Folgejahres geerntet werden.

Obst am Balkon: Ideal sind Beerensträucher, z.B. Himbeeren, Stachelbeeren, rote, weiße und schwarze Johannisbeeren oder Jostabeeren. Von Himbeeren gibt es Frühlings-, Sommer- und Herbstsorten. Eine Fruchtfolge könnte so aussehen: Pechts gigant (Frühling), Niniane (Sommer), Fallgold (gelbe Himbeere, Herbst).


Kleiner Balkon: Was lässt sich trotzdem umsetzen? Idealerweise nutzt man auf einem kleinen Balkon die vertikale Ebene. Mit Pflanztaschen, bepflanzten Wänden, Blumenkistchen, Hängeampeln oder Stufenbeeten gibt es auch auf einem kleinen Balkon eine tolle Ernte. Der Vorzug sollte auf Pflanzen liegen, von denen öfter geerntet werden kann, also z.B. von Pflücksalaten , Asia-Gemüse, Cocktail-Tomaten, Snack-Paprika, Snack-Gurken, Erdbeeren, Kräutern usw. Diese Gemüsearten versprechen auch auf kleinem Raum eine hohe Ernte. Ebenso gedeiht Obst auf kleinen Balkonen. Ideal dafür sind Säulenobstbäume. Hier wachsen die Früchte direkt neben dem Stamm.


Gewinnen Sie eines von zwei Exemplaren des neuesten Buchs von Doris Kampas!


Teilnahme unter: bit.ly/nl-buch-kampas


Das phänomenale Erntebeet

168 Seiten

ISBN 978-3-7066-2968-3

Löwenzahnverlag



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