Alkoholfreie Getränke: Promillefreie Vielfalt für den Sommer
- Michaela Hocek

- 30. Juni
- 7 Min. Lesezeit
Getränkeguide für heiße Tage: Herbal Infusions, Matcha, Kombucha, Energy-Shots mit Gemüse und Früchten, promillefreie Aperitifs sowie Weine sind nur einige der Getränke, die die Lust auf Anti-Alkoholisches bei immer mehr Menschen wecken.

Trinkgenuss geht immer öfter mit Getränken ohne Promille einher. Das lässt sich bei Produktneuheiten und in Barkarten von Hotels und Restaurants beobachten. Dort finden sich nicht mehr länger nur ein bis zwei „Alibi-Mocktails“, die aus mehreren Säften zu einem zuckerreichen Alternativgetränk gemixt werden, sondern zusehends ausgewogene fermentierte Säfte oder Tees. Ausgewogene Drinks, die Fans von Aperitifs vor dem Essen und Weinbegleitung zum Menü überzeugen, sich auf Neues einzulassen. Drinks, die – quer durch alle Altersgruppen – Lust auf Geschmacksvielfalt ohne Brummschädel am nächsten Tag machen. Der bewusste Verzicht geht nicht mit dem Gefühl von Mangel einher und so erweitern sich die Zielgruppen. Sportliche und gesundheitsbewusste Menschen greifen beispielsweise nach dem Workout nicht mehr gewohnheitsmäßig zum „bierigen“ Elektrolytlieferanten, sondern lieber zum Matcha- oder topaktuell Ube-Latte, Kollagen-Booster oder Mikrobiom-Health-Drink. Abends bleiben nicht mehr nur der oder die Eine, die auserkoren wurden, mit dem Auto nach Hause zu fahren, Schwangere oder aus Glaubensgründen auf Alkohol verzichtende Menschen abstinent. Im Urlaub wird der Longevity-Gedanke – also das gesunde Altern – in der Küche und an der Bar mit Genuss von den Gästen ausgelebt. Fernab von Askese, aber mit dem Bedürfnis, sich Gutes zu tun und sich wohlzufühlen statt den Organismus zu überlasten.

And the winner is
Spannend ist auch, dass sich das in immer mehr internationalen Wettbewerben niederschlägt. So hat der renommierte Wein- und Spirituosen-Wettbewerb IWSC (International Wine & Spirit Competition), der seit 1969 existiert, vor einigen Jahren die Kategorie „Alternative Drinks“ eingeführt. Hier werden alkoholfreie oder sehr alkoholreduzierte Getränke und außergewöhnliche Nischenprodukte prämiert. 2026 lag der Fokus der Londoner Jury auf Getränken, die nicht nur kopieren, sondern mit eigenständigen, ausgewogenen Rezepturen überzeugen. Seit 2022 widmen sich die in Großbritannien ins Leben gerufenen „World Alcohol-Free Awards“ (WAFA) exklusiv alkoholfreien Getränken. Die Gewinner werden in einer globalen Blindverkostung ermittelt. Die „Austria Zero Awards“ feierten im Rahmen der VieVinum in Wien ihre Premiere. Die Kategorien umfassen entalkoholisierte Weine, alkoholfreie Produkte auf Traubensaft-, Verjus- und Essig-Basis, alkoholfreie Schaumweine auf Traubensaftbasis oder auf Basis entalkoholisierter Weine, fermentierte Proxies, Sparkling Teas, alkoholfreie Cider, Fruchtsecco, Bitterlimonaden und alkoholfreie Spirituosen wie Wermut oder Liköre etc. Dies gibt einen guten Einblick, wie breitgefächert das Portfolio bereits ist.
Winzerin mit Kreativpotential

Eine Expertin in Sachen alkoholfreie Weine und Sparkling Teas ist beispielsweise Viktoria Preiß aus dem niederösterreichischen Theyern im Traisental. Sie ließ das Weingut ihrer Familie nicht nur bio-zertifizieren, sondern entwickelt auch spannende Alternativen mit wenig oder keinem Alkohol aus den hauseigenen Obstwiesen. Auf entalkoholisierte Weine wird bewusst verzichtet. Zwei der 13 Hektar Weingartenfläche sind für alkoholfreie Traubenprodukte wie „Rosella“, einen unvergorenen Muskateller-Traubensaft mit koffeinfreiem Blütentee, reserviert. Die frühe Lese sichert die frische Säure des veganen und zusatzfreien Wein- oder Sekt-Pendants.

Traditionelles mit Twist
Herber wird es beim japanischen Matcha. Er wird für seine belebende Wirkung geschätzt und pur oder als Matcha Latte getrunken. Im Sommer gerne als Iced-Version oder in Smoothies. Wichtig ist, auf die Feinheit des Pulvers zu achten, da sie Textur und Aromawahrnehmung beeinflusst. „aiya – The Tea“ ist eine hochwertige Marke, die Einsteiger- und seltene Spitzenqualitäten zu bieten hat. Der verwendete Grüntee stammt aus Kagoshima, wo schon seit rund 700 Jahren Tee angebaut wird. In der Region ist man auf ökologischen Anbau spezialisiert. Die Teepflanzen werden vor der Ernte behutsam beschattet, um den Gehalt von Chlorophyll und Aminosäuren zu steigern. Diesen verdankt der Matcha seine typische Farbe, den Umami-Geschmack und seine weiche Textur. Ein weiteres Traditionsgetränk ist Kombucha. Auch er feiert durch das gestiegene Gesundheitsbewusstsein ein Revival. Die nicht pasteurisierten RAW-Varianten von Voelkel – dem Höhbecker Getränkehersteller, der seit 90 Jahren für Frucht- und Gemüsesäfte sowie Erfrischungsgetränke in Demeter- und Bio-Qualität bekannt ist – sind kalorienarme Alternativen zu Limonaden. Sie enthalten viele wertvolle Mikroorganismen wie Hefen, Essigsäure- und Milchsäurebakterien.

Natürlichkeit, die schmeckt
Ein Bio-Milchgetränk neu gedacht hat die Gläserne Molkerei mit „hellWACH“. Dafür werden Permeat, ein Nebenprodukt der Milchverarbeitung, Fruchtsäfte und natürliches Koffein – 33 mg Koffein/100 ml – verwendet. Smoothies und Shots bleiben uns im kommenden Sommer ebenfalls erhalten. Mit vollem Geschmack dank Vollreife der verwendeten Zutaten aus 100 Prozent deutschem Anbau punktet Kraftschluck. Wussten Sie, dass Bio-Ingwer in Bayern und auf der Lüneburger Heide gedeiht? Wir finden es gut, dass Bio-Getränke neben Vitaminen auch Wissen liefern.



Leonard Vinçon im Interview
Alkoholfreie Getränke sind nicht länger Ersatz oder Alternative, sondern eine eigenständige Kategorie. Sie werden immer mehr zum festen Bestandteil auf Festen und in der Gastronomie, weil der Fokus auf der differenzierten Wahrnehmung von Aromen liegt. Sparkling Cuvées von Franz von Fein bringen Säure, Struktur und eine feine Perlage, ohne süß oder beliebig zu sein.

Was ist die Stärke von alkoholfreien Drinks?
Ich glaube, es geht im Kern um ein neues Verständnis von Genuss. Lange war Alkohol fast automatisch mit Geselligkeit verbunden. Heute entsteht ein Bewusstsein dafür, dass Genuss auch anders funktionieren kann – bewusster und trotzdem komplex und spannend.
Unsere alkoholfreien Drinks eröffnen einen Raum, in dem Aromen differenziert wahrgenommen werden können. Gleichzeitig sind sie inklusiv: Niemand wird ausgeschlossen, jede und jeder kann selbstverständlich Teil dieses Moments sein. Gerade in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit auch bedeutet, achtsam mit sich selbst umzugehen, passt das sehr gut zusammen.
Wo und wie hast du die Leidenschaft für fermentierte Getränke entdeckt?
Fermentation ist für mich kein Trend, sondern etwas sehr Ursprüngliches. Es ist faszinierend, wie aus einfachen Zutaten durch Zeit, Ruhe und mikrobiologische Prozesse etwas Lebendiges entsteht – und wie oft schon kleine Nuancen eine große Wirkung entfalten können. In unserer eigenen Arbeit spielt Fermentation nur eine ergänzende Rolle. Uns geht es weniger um eine Methode, als um das Ergebnis: Getränke zu entwickeln, die nicht über Lautstärke funktionieren, sondern über Tiefe – und über eine Entwicklung im Glas, die sich erst nach und nach erschließt.

Ihr wurdet mehrfach ausgezeichnet. Was ist das Besondere an euren Aperitifs?
Das Besondere ist vielleicht unsere Konsequenz im Umgang mit Zutaten. Wir haben uns von Anfang an dafür entschieden, mit echten Rohstoffen zu arbeiten – also mit Kräutern, Blüten und Früchten – und bewusst auf Aromen oder Farbstoffe zu verzichten. Das bedeutet auch: Wir gehen den aufwendigeren Weg. Jede Zutat wird einzeln verarbeitet, jede bringt ihre eigene Struktur mit. Unsere beiden alkoholfreien Aperitifs „Rubin“ und „Bernstein“ zeigen diese Herangehensweise sehr unterschiedlich: Der eine eher tief, bitter und komplex, der andere heller, frischer, fast mediterran.
Wie kommen die neuen „Sparkling Cuvées“ an?
Sehr gut – vor allem in der Gastronomie und überall dort, wo bewusst gegessen wird.
Wir merken, dass es ein wachsendes Interesse an alkoholfreien Aperitifs und Speisenbegleitungen gibt, die nicht süß oder beliebig sind. Genau da setzen unsere Sparkling Teas „Cuvée N1 Roségold Edition“ und „Cuvée N2 Weißgold Edition“ an: Sie bringen Säure, Struktur und eine feine Perlage mit, ohne sich in den Vordergrund zu drängen und sind dabei eigenständig und eben keine Frucht- oder Traubenseccos.

Auch hier bleiben wir unserer Linie treu – keine Aromen, keine Farbstoffe, sondern ein Aufbau über echte Zutaten und handwerkliche Prozesse. Viele entdecken unsere Produkte übrigens zum ersten Mal online oder über Empfehlungen aus der Gastronomie – und beginnen dann, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.
Wohin tendiert die zukünftige Produktentwicklung?
Unsere Drinks entstehen aus einem eigenständigen Ansatz heraus – sie dürfen überraschen, bleiben dabei aber stets so klar und ausgewogen, dass man sich intuitiv darauf einlassen kann. Für uns bedeutet das: 1. Mit landwirtschaftlichen Rohstoffen zu arbeiten. 2. Saisonalität aufzugreifen. 3. Weiterhin konsequent auf alles zu verzichten, was Geschmack nur simuliert.




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